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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Mein Song und seine Geschichte

Liquido »Narcotic«

Die fanfarenartige Keyboard-Melodie von »Narcotic« gehört zu den infektiösesten Takten Musik der 1990er-Jahre. Egal, ob man den Song hasste oder liebte – man bekam ihn nach 1998 nie wieder aus dem Kopf. Liquido-Sänger und -Keyboarder Wolfgang Schrödl über seinen Hit, von dem die Nachwuchsband aus Baden-Württemberg unglaubliche acht Millionen Singles verkaufte.
Geschrieben am
»Geschrieben habe ich ›Narcotic‹ im Jahr 1996, in meiner hübschen kleinen Maisonette-Wohnung in der Heidelberger Altstadt. Ich hatte mir gerade ein gebrauchtes Roland-D70-Keyboard zugelegt, und die modifizierten Sounds meines Vorbesitzers ließen mich fast automatisch die Melodien spielen, zu denen mich der jeweilige Preset-Sound quasi zwang. Auch andere Songs des ersten Albums wurden so geboren. Meine Band drängte ich anschließend, die zunächst einzige mit zusätzlichem Keyboard instrumentierte Nummer ›Narcotic‹ zur geplanten Demoproduktion hinzuzunehmen, was dann auch geschah.

Wir verschickten das Demo fleißig an Plattenfirmen, Verlage und die Musik-Journaille und bekamen erste positive Reviews in diversen Demo-Ecken.

Die Reaktion der A&Rs blieb im Großen und Ganzen zurückhaltend, kaum jemand erkannte das Hitpotenzial des Songs. Erst das Majorlabel Virgin wurde 1998 hellhörig und hatte den Mut, ›Narcotic‹ als unsere erste Single herauszubringen. Aus heutiger Sicht schwer vorstellbar, dass dazu Courage nötig war: Das Stück galt als viel zu rockig für das Radio und zu popmelodiös für die Rockszene. Wir hatten bei der Produktion auch nur auf eine möglichst ›brettige‹, Weezer’eske Ästhetik Wert gelegt. Das Mainstream-Radio hatte in meinen Vorstellungen überhaupt keine Rolle gespielt.

Nach Vertragsunterschrift gingen wir mit O.L.A.F Opal, dessen Miles- und Readymade-Produktionen wir mochten, ins Studio, um ›Narcotic‹ nochmals aufzunehmen. Wir mussten ihn als recht unbekannten Produzenten allerdings gegen erste Vorbehalte bei der Plattenfirma durchsetzen.

Doch auch danach war der Song kein Selbstläufer: Die Radiostationen fanden ihn wie erwartet viel zu ›anders‹. Das bunte Video bekam ebenfalls keine Einsätze – was mich übrigens nicht wunderte, bis heute kann ich mich mit dem Video nicht anfreunden.

Wochen vergingen, und viele hatten die Band wohl schon abgeschrieben, bis uns irgendwann die Nachricht ereilte, wir seien auf Platz 87 der Media Control Charts eingestiegen. ›Narcotic‹ kletterte weiter, und es stiegen immer mehr Stationen ein. Selbst MTVIVA präsentierten schließlich das Video, als sie nicht mehr um dieses sich anbahnende Phänomen herumkamen.

Mir war da bereits die Wucht unheimlich, mit der das Lied immer größere Kreise zog und sich ein Hype zu entwickeln begann. Ich hätte lieber eine gesunde Entwicklung der Band gesehen, mit ersten Achtungs-Erfolgen, auf die man als Fundament weiter aufbauen kann. Dass ›Narcotic‹ auf unbestimmte Zeit die gesamte Bandwahrnehmung prägen und kaum zu toppen sein würde, war mir früh klar und natürlich nicht sehr recht. Zumal ich das nun dauerrotierende Video wie gesagt für sehr irreführend hielt.

Ich musste lernen zu verstehen, dass ein Hit eine Eigendynamik entwickeln kann und man als Urheber auch loslassen muss. Dass ›Narcotic‹ nun auch als Ballermann-Knaller oder jedes Jahr auf dem Oktoberfest gespielt wird, stört mich natürlich nicht, aber es wundert mich manchmal. Textlich war das Lied nie so gedacht. Aber auch das hatte ich zu lernen: Englische Texte werden in Deutschland oft auf Schlagworte reduziert – oder manchmal kaum registriert.

Das hat mich zwar nie ernsthaft frustriert, aber zurzeit habe ich doch ziemlich Lust auf deutschsprachige Texte mit meiner neuen Band Unter Ferner Liefen.«
Liquido »Narcotic«

»So you face it with a smile
There is no need to cry
For a trifle’s more than this
Will you still recall my name
And the month it all began
Will you release me with a kiss
Have I tried to draw the veil
If I have, how could I fail?
Did I fear the consequence?
Dazed by careless words
Cozy in my mind

I don’t mind.
I think so.
I will let you go.

Now you shaped that liquid wax
Fit it out with crater cracks
Sweet devotion my delight
Oh, you’re such a pretty one
And the naked thrills of flesh and skin
Would tease me through the night
Now I hate to leave you bare
If you need me I’ll be there
Don’t you ever let me down
Dazed by careless words
Cozy in my mind

[Chorus]

And I touched your face
Narcotic mind from lazed Mary-Jane
And I called your name
Like an addicted to cocaine calls for the stuff he’d rather blame
And I touched your face
Narcotic mind from lazed Mary-Jane
And I called your name
My cocaine«