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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Mein Herz schlägt weiter

Sternbuschweg

Eins ist sicher: Eine herkömmliche Band des deutschen Gitarrenpopunderground sind Sternbuschweg nicht. Nicht mehr.
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Eins ist sicher: Eine herkömmliche Band des deutschen Gitarrenpopunderground sind Sternbuschweg nicht. Nicht mehr. Denn wo andere poppige Leichtigkeit aufrufen, regieren bei den Berlinern mittlerweile ausladende und verspielte Gitarrenarrangements.

Sternbuschweg künden von der Schönheit, die Gitarrenwände im britischen Noise-Pop, Post-Punk und Shoegaze der Achtziger und frühen Neunziger trugen. Heute ist das schon lang nicht mehr modern, Bands, die derart detailverliebt Gitarrenspuren aufeinanderschichten, hört man selten. Sternbuschweg sind eine der wenigen in dieser Tradition agierenden Bands, und sie sind sicher nicht schlechter als ihre Vorreiter: Ride, Smiths und Wedding Present zum Beispiel. Ihre Songs sind solide bis souverän, obwohl die bloßen Strophen, Melodien und Texte wirken, als ob sie nicht die erste Geige spielten. Es geht, wie schon bei besagten Briten, um Sound, um Gitarrensound, um die wall of sound.

Die Atmosphäre dieser Platte trägt einen ungewohnten Twist in sich, einen Twist aus der artifiziellen und technisierten Kühle ihrer Gitarren und dem nur manchmal unterkühlten, manchmal aber auch warmen und süßlichen Gesang. "Mein Herz schlägt weiter" zeugt von einer überzeugenden Stilsicherheit, von Fantum, von Poesie und von Inspiration. Sternbuschweg stehen musikalisch außerhalb des nationalen Gitarrenpop-Netzwerkes, dessen Teil sie strukturell sind. Hoffentlich führt das nicht dazu, dass ihre Platte missdeutet wird. Diese Platte ist zu gut, um übersehen zu werden.