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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

»Ich würde mich eher als Realisten bezeichnen.«

Mayer Hawthorne im Gespräch

10:30 Uhr in Los Angeles, Kalifornien. Für viele der Millionen-Metropole heißt das: Workout an der Promande von Venice Beach oder erster veganer Chai-Latte im lichtdurchfluteten Kreativbüro mit Blick auf die Hollywood Hills. Nicht so im Fall von Mayer Hawthorne alias Andrew Mayer Cohen. Der 37-Jährige nutzt die sonnigen Morgenstunden L.A.´s lieber dafür, um seine neuesten Plattenkäufe zu sortieren. Das letzte Mal als er das tat, sprach er mit uns über Romantik, Soul und sein neuestes Album »Man About Town«.
Geschrieben am

Interview:
Sermin Usta

Ich würde gerne mit einem Zitat von dir beginnen. Du sagtest mal, dass Not erfinderisch mache. War das bei »Man About Town« auch der Fall? 
Das Problem ist, wenn man als Künstler den Anspruch hat immer etwas neues zu erschaffen, dann kann es eben auch mal länger dauern. Die Phase zwischen meinem letzten Album und »Man About Town« war die bislang längste Auszeit die ich mir je genommen habe. Es wurde also Zeit, dass ich wieder ein neues Soloalbum mache.

Inwiefern hat sich deine Sound seit deinem Debüt »A Strange Arrangement« (2009) weiterentwickelt?
Ich habe heute ein umfangreiches Wissen darüber wie man Musik macht. Ganz besonders meinen Gesang habe ich durch Live-Shows weiterentwickelt. Im Gegensatz zu anderen Künstlern hatte ich zu Beginn meiner Karriere keinen Mentor, der mir etwas hätte beibringen können.
 
Ist es für junge Musiker wichtig eine Art Lehrer zu haben?
Es ist hilfreich. Vieles von dem was ich heute weiß, habe ich gelernt, in dem ich es einfach ausprobiert habe. Da passieren selbstverständlich auch Fehler. Wenn ich heute den Gesang auf meinem ersten Album höre, halte ich es nicht lange aus. Ich hatte keine Ahnung von dem was ich da tue.
Was ist wichtiger für guten Soul: Schreib- oder Lebenserfahrung?
Man musst ja wissen wovon man spricht, sonst wirkt es unglaubwürdig. Also würde ich sagen: Lebenserfahrung. Dazu zählt für mich persönlich auch seine Ideen in einem Song transportieren zu können.
  
Was genau meinst du damit?

Früher hatte ich oft Melodien im Kopf, die ich einfach nicht  umsetzen konnte. Das kann extrem frustrierend sein. Heute bin ich viel besser darin, die Stimme in meinem Kopf auch auf Papier zu bringen.

Was muss ein guter Track haben, damit du ihn dir mehr als einmal anhörst? 
Es hat viel mit dem Umgang mit Musik zutun. Das ist der Grund wieso ich kein Autotune benutze. Während viele den Wunsch verfolgen etwas perfektes zu erschaffen, kreieren sie etwas völlig langweiliges und austauschbares. Soul muss echt sein und Fehler haben, erst dann wird er gut.

Ist ein Gefühl für Romantik nicht auch wichtig? 

Da der Großteil meiner Musik von Frauen inspiriert ist, würde ich sagen: Ja. In meiner Musik spielt es eine große Rolle.

Also bist du Romantiker?
Ich würde mich eher als Realisten bezeichnen. Ich genieße es manchmal romantisch zu sein, aber eigentlich bin ich schon sehr pragmatisch. Ich mag es nicht, wenn man Spielchen spielt.

Was war das romantischste was du je für eine Frau getan hast? 
Darüber muss ich erst einmal nachdenken. lacht 


Apropos Romantik: Es ist kein Geheimnis, dass die Ursprünge deiner Karriere im HipHop wurzeln. Damals noch als DJ Haircut. Wann hast du dich entschieden Soulmusik zu machen? 
Als ich auf die Welt kam hatte Motown Detroit bereits verlassen und war nach Los Angeles umgesiedelt. Also bin ich nicht in der Hochphase der Motown-Ära aufgewachsen. Alles was ich über Soul weiß, habe ich durch HipHop gelernt. Ich habe sehr viel J Dilla und DJ Premiere gehört und dank ihrer Samples bin ich auf die Suche nach den Originalen gegangen. Damit fing es an.

Und wie war das damals mit HipHop? 
Durchs Skateboarding. Die Jungs aus meiner Nachbarschaft haben ständig HipHop gehört. Einer von ihnen hatte LL Cool J´s »Bigger And Deffer« auf Kassette. Damit wurde meine Liebe zu Rap geweckt. Noch heute kann ich jede Strophe auswendig. Damals wie heute hat Rap etwas rebellisches für mich. Es ist die Art Musik meiner Generation. Die Musik, die unsere Eltern hassten und wir deswegen so sehr liebten.

An deinem neuen Album »Man About Town« hat niemand außer dir Hand angelegt. Kein Feature, kein weiterer Produzent. Hat das Album damit eine größere Bedeutung für dich? 
Dadurch das niemand anderes mitgearbeitet hat, konnte ich zu 100 Prozent Ich sein.  Gleichzeitig war es wahnsinnig viel Arbeit. Wenn man mit anderen Produzenten zusammen arbeitet, gibt man Arbeiten weiter, obwohl man sie selbst machen könnte. Dieses Mal blieb alles an mir hängen. lacht 

Wie würdest du es in drei Worten beschreiben?

Das ist ziemlich einfach: Man about Town.

Also dreht sich vieles um das Leben in der Großstadt. Wieso dieses Thema?
Das Album handelt unter anderem davon wie schwer es ist in einer Stadt wie L.A. den einen Menschen zu finden, mit dem man für immer zusammen sein kann, der das Potential hat deine Vertraute zu werden.

L.A. soll ein wunderschöner und gleichzeitig sehr oberflächlichen Ort sein. Was tust du, um dir selbst treu zu bleiben?
Ich versuche mich und mein Handeln ständig selbst zu reflektieren. Das sollte jeder tuen, egal ob er in Los Angeles wohnt oder nicht. Davon abgesehen höre ich sehr viel Reggae. lacht Das hält mich bei Laune. Ich bin überzeugt davon, dass es mit Reggae Musik unmöglich ist schlecht gelaunt zu sein.





Mayer Hawthorne

Man About Town

Release: 08.04.2016

℗ 2016 BMG Rights Management (UK) Ltd