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Bushido Karaoke

Mayday

Drama! Schock! Verwesung! Hören Sie Geschichten von Verbrechen aus Kavaliersehre! Von jugendlichem Leichtsinn! Hören Sie "Exquisite Corpse" - von der Leiche, die zum Klavier wurde! Und von Erinnerungen, die doch bloße Illusionen sind! Kartenknipser auf diesem morbiden Rummel ist Ted Stevens, ehema
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Autor: Müller

Drama! Schock! Verwesung! Hören Sie Geschichten von Verbrechen aus Kavaliersehre! Von jugendlichem Leichtsinn! Hören Sie "Exquisite Corpse" - von der Leiche, die zum Klavier wurde! Und von Erinnerungen, die doch bloße Illusionen sind! Kartenknipser auf diesem morbiden Rummel ist Ted Stevens, ehemaliger Frontmann von Lullaby For The Working Class und jetzt Gitarrist bei Cursive. Die verzweigte Nebraska-Posse hat Anteil an seinem Projekt Mayday, das das Diktum von Fred Foster, dem Boss des in Nashville ansässigen Labels Monument Records, dass man als Interpret nur alle 20 Jahre einen "Teenage Death Song" rausbringen könne, ad absurdum führt. "Bushido Karaoke" wimmelt von menschlicher Ver- und Zerstörung. Stevens spielt geschickt mit der Tradition der Todesballaden, die Mitte der 50er bis Mitte der 60er Jahre Konjunktur hatten (remember John Leytons "Johnny, Remember Me" oder Jody Reynolds' "Endless Sleep"). Wo die traditionellen musikalischen Formen in Saddle-Creek'scher Manier wunderschön ausgefranst werden, geht Stevens auch textlich einen Schritt weiter: Äußerst verschmitzt packt er das Lebensgefühl der Endzwanziger dahin, wo vorher Teenage Angst regierte, und singt über erlöschende Flammen, die einst der Hunger speiste. Egal, welche Richtung am Scheideweg des Älterwerdens auch eingeschlagen wird, am Ende scheitert der Protagonist, "alone, broken and sad" wie in "Rock'n'Roll Can't Save Your Life".