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- One With The Freaks -

Maximum Black Festival

Trotz oder gerade wegen der seltsamen Vorgeschichte sorgte das Maximum Black Festival für Reizüberflutung, Euphorie und Entfesselung zugleich
Geschrieben am
2.3.08, Postbahnhof, Berlin

Die Vorgeschichte zu diesem Frickler-Gipfeltreffen ist inzwischen wahrscheinlich reichlich bekannt. Zur Sicherheit nochmal die Kurzfassung: Irgend so eine Wiener Kreativ-Agentur wollte einen Song von Owen Pallett, besser bekannt als der Jüngling mit der Geigen aka Final Fantasy, für einen Werbespot für die Wiener Stadtwerke verwendet.

Als der Kanadier dies wider Erwarten ablehnte, spielten sie das Lied eben selbst nochmal ein, was Pallett eigentlich genug Grund gegeben hätte, vor Gericht zu ziehen. Stattdessen einigten sich die Streitparteien lieber so: die Stadtwerke übernehmen die Finanzierung eines Festival in drei Städten, das Pallett kuratiert und damit komplette Kontrolle über das Programm hat. Kein schlechter Deal für beide Seiten, schließlich kriegen erstere so indirekt wahrscheinlich mehr Presse als mit ihrer ursprüngliche Kampagne. Pallett konnte ohne kommerzielles Risiko seine Lieblingsbands und Freunde einladen. Klar, dass damit vor allem ungewöhnliche, sperrige Musik auf dem Programm stand.

Den Auftakt im bereits zu recht früher Stunde gut gefüllten Postbahnhof machten die kanadischen Frog Eyes aus Victoria. Sänger Spencer Mercer legte die Latte in Sachen Seltsamkeit mit seiner eigenwilligen Stimme gleich recht hoch, indem er quasi jodelnd den ständigen Wechsel zwischen Kopfstimme und sonorem Bariton vorführte. Tempomäßig noch überdrehter dann die Dirty Projectors aus New York, die danach die Hauptbühne betraten. Mit verdrehter, komplexe Polyrhythmik, der verstörend bis verzückende Sirenengesang von Gitarristin und Bassistin sowie die abgehackten, ständig wechselnden Mini-Gitarrenriffs von Frontmann David Longstreth ließen die Projectors ihr Publikum nach gut 40 Minuten intensivem Auftritt mit offenen Mündern, irgendwo zwischen totaler Reizüberflutung und Euphorie zurück.Die ersten drei Solo-Gitarrensongs, mit denen Ben Chasny von Six Organs Of Admittance das folgende Set begann, hatten da eine angenehm entschleunigende Wirkung. Der monumentale, Sonic-Youth'schen Feedback-Wahnsinn, den Elisa Ambrogio (von den Magic Markers) in der zweiten Hälfte des Sets dann entfesselt, leitete lautstärkemäßig dann aber perfekt über zu Deerhoof, die auf der Hauptbühne ein echtes Spektakel anzettelten. Technisch überragend, absolut kontrolliert in ihrer absolut einmaligen Version von frickeligem Experimental-Noise gemischt mit Sixties-Rock und Pop-Bonbons, spielten Deerhoof vor allem Songs ihres letzten Albums 'Friend Opportunity', streuten aber auch ältere Nummern ein.

Am meisten erwartet war natürlich der Auftritt von Final Fantasy selbst. Owen Palletts charmante Ein-Mann-Show mit Geige, Keyboard und seiner speziellen Sammlung an Loop- und Effekt-Pedalen begeisterte zum wiederholten mal. Die handgemachten Scherenschnitt-Animationen per Overhead-Projektor, die man bereits bei seinem Auftritt in der Volksbühne vor zwei Jahren bestaunen konnte, gab's auch dieses Mal im Hintergrund zu sehen. Das Publikum bekam dazu neben heftig gefeierten Klassikern wie 'Please Please Please' oder 'CN Tower Belongs to the Dead' auch ein paar neue Songs zu hören. Lediglich 'This Is The Dream Of Win & Regine', der Song, um den es im Streit mit den Wiener Stadtwerken ging war, fiel wohl aus technischen Gründen aus.

Max Tundra, einen unglaublich guten Künstler, den man live selten zu sehen bekommt, übernahm danach als letzer Act die Aufgabe, die restlichen Energie- und Aufmerksamkeitsreserven aus den Verbliebenen herauszukitzeln. Völlig entfesselt gab der Londoner der Westentaschen-Prince auf Speed, sprang überdreht zwischen seinem Mischpult, diversen elektronischen Gerätschaften und einem alten Rhodes herum und riss trotz weitgehender Playback-Unterstützung eine unglaubliche Show ab.