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In Berlin: Mister Underwater

Maximilian Hecker live

Maximilian Hecker ist wieder da, mit dem neuem Album "One Day" und neuer Band. Sandra Grether war für uns beim Release-Konzert in Berlin.
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Maximilian Hecker ist wieder da, mit dem neuem Album "One Day" und neuer Band. Sandra Grether war für uns beim Release-Konzert in Berlin.


02.04.09 Berlin, Lido


Es will sich sofort eine feierliche Stimmung breit machen, als der so geheimnisvoll wie offenherzig wirkende Master Of Kopfstimme und Deep Feelings die Bühne des gut gefüllten Kreuzberger Lidos betritt. Und, was dürfen unsere Äuglein da erblicken: Weg ist sie, die einst so süße Out-Of-Bed-Frisur des Pilzkopfdandys. Maximilian Hecker, dem der stets perfekt sitzende Anzug zum mythenumwobenen spitzen Schuh a la Sixties-Rock`n Roll-Aura immer noch genauso gut steht wie die akkurat gespielte und verspielte Akustikgitarre (neben dem Klavier sein Hauptinstrument an diesem Abend), trägt einen 3-Wochen-Bart zu verstrubbeltem, längerem Haar.

Überhaupt; der Mann, der sich stets bestens zu inszenieren weiß - vielleicht auch, weil er gerne mal von sich selbst verblüfft ist - scheint im Augenblick eine verwegenere Version seiner Selbst zu favorisieren. Dazu passt die elegante Umsetzung der Songs des neuen Albums, die allesamt klingen wie Klassiker im Backkatalog von Amerikas (Indie-)Top40 und sowohl als Pop-, als auch als Rocksongs funktionieren.

Oder ist es Soulmusik? Die da spricht zu uns, aus den tiefen Untiefen des gefühlten Lebens und Liebens-Labyrinth, dieses stets verzweifelt wirkenden heiteren Songwriters. Der ja von sich selbst sagt, dass er Musik macht, weil er als "Alltagsperson nicht fühlen kann". Da muss der emotionale Ausbruch auf der Bühne natürlich umso heftiger ausfallen.

So hören die dedicateten Fans im Lido andächtig zu und fühlen anständig mit, wenn Maxi Robbie Williams covert, als wäre er der Entertainer himself. Und das mit einer so schönen Kopf- und Bruststimmenmischung im Gesang, dass man sich wünscht, der Hecker würde häufiger so singend eine unabgeklärte und reife Mitte finden.




Seine routinierten Mitmusiker an Schlagzeug, E-Gitarre und Bass, spielen natürlich einwandfrei. Und es ist Teil ihres Repertoires, auch die leisen Momente ihres Meisters exzellent zu begleiten. Was da erstaunlich gut gelingt, ist die Mischung aus britpoppiger Middle-of-the-Road-Rock-Umsetzung der fantastischen Songs, ebenso wie das Durchhalten von schwer rockiger Dynamik. Mal Donner, mal Morgentau im Mai. Ein emotional aufpeitschender Verlauf, der die Vermutung nahe legt, dass die Drastik von Grungesongs hier neu aufgebraut wird. Wenn auch sicherlich eher ungewollt. Aber toll. Außerdem freue ich mich auch immer wieder, wenn er seinen Song "Hover" spielt, in dem der Catpower-Verehrer eine legendäre Zeile von Chan Marshall zu seiner eigenen umfunktioniert hat: "I`ve got the son in me."

Am besten gefällt mir Maxi aber allein an Piano oder an der Akustischen. Wie er die ewige Singer-Songwriter-Tradition um anrührendes Material bereichert, das interessanterweise die große Lyrik dann auch wieder nicht braucht, weil genug Seele und Distanzierung von Seele da ist, ist er einer der paar deutschsprachigen Singer/Songwriter, die englisch singend immer noch eine eigene Attitude und Note klarmachen. Und das mag bei seiner Art von Musik echt was heißen. Klar, dass unser Maxi da nicht nur big in Asia ist.


Und Maximilian Hecker, der Mann mit dem schönen Namen, lebt das. Immer on the edge und auf der Suche nach der nächsten Pointe. Wenn er etwa dem Publikum erklärt, seine Eltern hätten ihn heute Abend hier her gebracht und er müsse um 23 Uhr wieder zu hause sein, während die Band - die wenig später wieder auf der Bühne ihren Mann steht - bereits nach Augsburg abgereist sei. So erfindet sich Maxi jeden Abend ein bisschen neu, und genau für dieses Behaupten und Tasten, das seine bürgerliche Herkunft manchmal noch mit benennen muss - er trägt halt den Sohn in sich - um dann wieder und immer noch, am Hackeschen Markt den Straßenmusiker zu machen - dafür liebt ihn das Publikum. Und für die großen Gesten und Gefühlssongs, natürlich.

Nach dem Konzert frage ich ihn, ob er noch etwas sagen möchte, zu diesem fürstlichen Record-Release-Gig in seiner Wahlheimat Berlin. "Ich liebe den Ruhm" wiederholt er gleich mehrfach, und das ist sehr lustig und sehr ernst und, wie überhaupt alles bei Maxi, auf jeden Fall sehr verschwörerisch und entwaffnend. Dann muss er aber schnell weg; ein paar Mädchen möchten Autogramme. "Das bedeutet nichts", ruft er da noch schnell in die trinkfreudige Runde, "die sind doch nur von meiner Konzertagentur." Egal. Die fühlen das so. "There is no ending to this life."