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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Infinite Lovesongs

Maximilian Hecker

Es heißt, dass Maximilian Hecker jeden Tag vor den Hackeschen Höfen steht oder stand, mit seiner Gitarre und seinen Liedern. Keine Ahnung, ob das stimmt. Ich bin leider nie in Berlin. Wäre ich dort, würde ich wohl immer nach Mitte gehen. Würde Maximilian Hecker suchen und seinen Songs lauschen. Kurz
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Es heißt, dass Maximilian Hecker jeden Tag vor den Hackeschen Höfen steht oder stand, mit seiner Gitarre und seinen Liedern. Keine Ahnung, ob das stimmt. Ich bin leider nie in Berlin. Wäre ich dort, würde ich wohl immer nach Mitte gehen. Würde Maximilian Hecker suchen und seinen Songs lauschen. Kurz: „Infinite Lovesongs“ ist die größte, die schönste Platte zur Zeit. Lang: Maximilian Hecker ist wohl einer dieser Jungs, die alles selber machen, jede Zeile selber dichten, jede Spur selbst einspielen. Unverbesserlicher Egomane und Perfektionist wahrscheinlich, aber das ist gut so. Seine Stimme ist unbeschreiblich schön. Er singt sehr melancholisch, ein wenig larmoyant. Aber er singt auch so hymnisch. Natürlich ist Maximilian Hecker ein unverbesserlicher Romantiker. Sein Herz bricht ständig, und statt zu schlafen singt er Liebeslieder. Und natürlich leidet er. Eins seiner schönsten Lieder heißt „The Days Are Long And Filled With Pain“. Das ist alles ganz großartiger Pop. Richtiger Pop, so wie die Beatles sich das früher gedacht haben. Heute, wo alles von Madonna über Gerhard Schröder bis zum Bausparvertrag Pop ist und schrecklich langweilig, muss man solche wie Hecker suchen. Pathos, Glamour, Leid, Euphorie, Sehnsucht, ganz intensive Sehnsucht, und ganz langgezogene Sätze, das beherrscht er. Und die Musik kann dich wegtragen, so ganz kitschig und klebrig. Das Piano, das Hecker spielt, ist so, wie man sich das von Elton John immer gewünscht hätte. Er kann erzählen, wie nur die Großen des Songwritings das können. Er zupft ein bisschen an seiner Gitarre, und es ist wunderschön. Und dann kann er dich auch überraschen. Da ist dieser Song, der so mythisch dylanesk „Cold Wind Blowing“ heißt, in der Mitte des Stücks spielt Hecker ein Gitarrengewitter, am Ende wird er wieder ganz sanft. Das ist alles so angenehm uncool, so ehrlich, so verletzlich. Ach, diese Platte sollte am besten gar nicht mehr aufhören.