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Mauerpark: Schön bis zum Sechzehner

So war der Tatort gestern

Wir blicken zurück auf den gestrigen Krimiabend: Peter Flore widmet sich montags immer dem neuesten Tatort.
Geschrieben am

Staraufgebot im Jubiläumsfall der beiden Berliner Großstadtcowboys Ritter und Stark: Das unheimliche Alptraum-Zwillingspärchen aus »Shining« ist wieder da. Genau, die beiden ätherischen Mädchen, die immer dann erscheinen, wenn ein erneuter Blutschwall sich seinen Weg durch die langeren Korridore des geräumigen Hotels zu bahnen droht. Der wiederum bleibt uns in der diffusen und weitestgehend in schwarzweiß gehaltenen Eröffnungsszene des Berliner Tatorts »Mauerpark« erspart, aber das ist nicht der einzige Indikator dafür, dass der Regisseur (und Drehbuchautor) hier Heiko Schier und nicht Stanley Kubrick heißt.

Wie sagt man noch beim Fußball, wenn eine Mannschaft bis zum Sechzehner aller Register zieht, aber dann eben doch kein Tor erzielt? Richtig: Sie wollen den Ball ins Tor tragen. Schön, aber ineffektiv. Will heißen: Das ist alles wahnsinnig toll anzusehen, der triste Mauerpark (der bei durchschnittlichem Wetter übrigens ungleich weniger trist ist), der Anflug von Geschichte, ja, selbst das Schauspiel von Dominic Raacke kann heute als solches durchgehen. Unterm Strich aber ist »Mauerpark« eben auch viel zu ambitioniert für einen »Tatort« und scheitert folgerichtig am eigenen Anspruch. Alles wird mal angeschnitten, kaum was konsequent zu Ende erzählt: Sicherheitsverwahrung, Kindesmord? Ja, gab's auch, war letztlich aber nicht weiter von Belang. Stattdessen konzentriert man sich auf Berlin und seine Geschichte(n) und entblödet sich auch nicht, noch explizit Werbung für das Berghain zu machen (»bester Club der Welt«), während man sonst stets bemüht ist, jeder noch so semi-bekannten Attraktion des örtlichen Nachtlebens einen ambivalenten und Daily-Soap-erprobten Namen wie »No Limits« zu geben.
[usercomment=http://www.intro.de/forum/plink/3/1075711636/1319399293]Berlin eh immer super, aber das heute was überragend![/usercomment]
Natürlich ist das alles nicht schlecht, zumal für einen »Tatort«. Aber eben auch viel zu kompliziert und umständich gedacht. Mit der Hälfte der Drehbuchideen hätte man beispielsweise noch jahrelang den Konstanzer oder Bremer Tatort füttern können. So bleibt es leider bei der alten Leier: Das Gegenteil von gut gemacht ist zu gut gemacht.

Der »Tatort« macht eine Woche Pause. Am 6.11. ermittelt dann schon wieder Borowski, Kripo Kiel, im Fall »Borowski und der coole Hund«. Nomen est hier vermutlich omen.

Den aktuellen »Tatort« kann man noch bis nächsten Sonntag in der ARD Mediathek anschauen, aus Jugendschutzgründen allerdings nur zwischen 20 und 6 Uhr.

»Will denn niemand was zum gestrigen Tatort schreiben?«:
Im Forum diskutieren Intro-User über vergangene und aktuelle Tatorte.

Alle Texte zum Thema »So war der Tatort gestern« unter
www.intro.de/spezial/sowardertatort.