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Familienbande

Matthew E. White im Gespräch

Matthew E. White, der Mann mit den langen braunen Haaren und dem eindrucksvollen Hippie-Bart, hat einen würdigen Nachfolger für sein erstes Überraschungsalbum veröffentlicht. »Fresh Blood« feiert Virginia, Jesus und Whites Großmutter. Und klingt überhaupt nicht nach eiskaltem Rock’n’Roll. Lena Ackermann traf ihn für uns in Berlin.
Geschrieben am

Interview:
Lena Ackermann

Auf dem Cover seiner neuesten Platte »Fresh Blood« sieht Matthew E. White aus, als sei er der Oberste Priester einer selbst gegründeten Kirche, die »Absolute Church of Virginia« heißen könnte. Er sitzt hinter einem Piano, vor ihm steht ein für amerikanische Südstaatenhäuser typisches Sofa. Es ist weiß mit blauem Blumen-Paisley-Muster und sieht so unbenutzt aus, als hätte man für das Foto ausnahmsweise die Plastikschutzfolie abgenommen. Auf einem Tischchen steht der obligatorische Vogel, ein Roter Kardinal, seines Zeichens Staatsvogel von Virginia. Whites erstes Album »Big Inner« löste einen wahren Begeisterungssturm aus. Ein Album, das locker Gospel, Jazz, Soul, Blues und tadellose Bläser- und Streicharrangements miteinander vereint. Vom Stress des letzten Albums – Tour, Promo und Pressetermine – trug der Musiker eine Gürtelrose davon, die er im Kinderzimmer seines Elternhauses kuriert haben soll. Seiner Legende nach entstanden ebendort auch die ersten Stücke für »Fresh Blood«, das ebenso betörend und exquisit klingt wie sein Vorgänger.
Der Mann ist Geschichtenerzähler, einer mit viel Fantasie, bei dem man Wahrheit und Fiktion nicht trennen darf. Die Geschichte vom E in seinem Namen klingt allerdings glaubwürdig: Das E stehe für Edgar; ein Name, zu dem die väterliche Familientradition verpflichte – sein Bruder trägt das W für William weiter.  Jesus ist ein Thema, das der Missionarssohn in viele Songs einstreut. Dabei changiert er zwischen Ironie und Enthusiasmus, jedenfalls bis zum Song »Holy Moly«. Darin geht es um sexuellen Missbrauch in der Kirche. »Eine schlimme Sache, die ich aus der Nähe mitbekommen habe. Ich wollte, dass das Album die gesamte Reichweite menschlichen Zusammenlebens widerspiegelt.«  Ganze Enzyklopädien speichert Matthew E. White in seinem Kopf; beispielsweise könne er einem die gesamte Geschichte des Rock’n’Roll vortragen. Für »Fresh Blood« hat er dazu das komische Stück »Rock & Roll Is Cold« geschrieben. »Der Song ist lustig gemeint, allerdings auch mit einer kleinen Kulturkritik versehen. Ich habe das Gefühl, fast jeder hat etwas über Rock’n’Roll zu sagen, und viele sehen sich dabei als offizielle Sprecher. Dagegen hilft nur, sich bei dem Thema auch mal zu entspannen.« 

Und weil Matthew E. White so verdammt entspannt ist, klingt »Fresh Blood«, neben »Holy Moly« oder »Tranquility«, nach enthusiastischen Gospelchören, funkigen Soulklassikern, kurzum: so entspannt wie ein herrlicher Sonnentag. Das Coverfoto hat White übrigens im Haus seiner Großmutter aufgenommen: »Das ist ihre originale Einrichtung. Meine Großmutter ist 94 und eine ganz wunderbare Person. Wenn, dann habe ich meine Kreativität sicher von ihr geerbt.« 

– Matthew E. White »Fresh Blood« (Domino / GoodToGo / VÖ 06.03.15)

Matthew E. White

Fresh Blood

Release: 09.03.2015

℗ 2015 Domino Recording Co Ltd