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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Man At Work

Masters At Work

Hamburg. Zwölfter Dezember. German Dance Awards (GDA). Der Hauptsponsor ist abgesprungen. Die GDA wurden dank rasch mobilisierter Kräfte doch noch durch-, tja, -gezogen vielleicht? Auf einem Lo-fi-Level, jedoch mit dem Versuch, Gegenteiliges zu behaupten: GRÖSSE, GLAMOUR und INTERNATIONALITÄT. Es bl
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Hamburg. Zwölfter Dezember. German Dance Awards (GDA). Der Hauptsponsor ist abgesprungen. Die GDA wurden dank rasch mobilisierter Kräfte doch noch durch-, tja, -gezogen vielleicht? Auf einem Lo-fi-Level, jedoch mit dem Versuch, Gegenteiliges zu behaupten: GRÖSSE, GLAMOUR und INTERNATIONALITÄT. Es blieb beim Versuch. Man scheiterte ordentlich. Zu den Preisen nur soviel: Es schadet durchaus nicht, a) auf einem Majorlabel zu sein, b) aus der deutschen Hauptstadt zu kommen und c) die Promotion über Public Propaganda laufen zu lassen. Letztere waren übrigens auch der Veranstalter der GDA. Nachdem im letzten Jahr Nuyorican Soul dann doch nicht kamen, fehlten diesmal Masters At Work. Immerhin konnten die Veranstalter einen von ihnen, Little Louie Vega, zum Überreichen zweier Awards gewinnen - leider aber nicht zum angekündigten DJ-Set. Dafür stand er für ein Gespräch bereit. Das ist doch was.

The Bronx

Little Louie Vega ist ein höflicher Mittdreißiger. Puertoricaner, native New Yorker, aufgewachsen zwischen Salsa (Onkel Hector LaVoe am Mikrofon) und gepflegtem Latinjazz (Papa Louie am Saxofon). Glücklicherweise hatte er aber auch zwei nachtaktive ältere Schwestern, die ihn mit dem Rhythmus von Loft, Paradise Garage et al. fütterten. Und ab 13 war er zwischen Rollschuh-Disco, HipHop und dem, was später House werden und heißen sollte, unterwegs: "Afrika Bambaata, Jazzy Jay, Afrika Islam - sie alle machten Partys in meiner Nachbarschaft. Da war ich natürlich immer draußen. Und einer meiner Freunde hatte einen älteren Bruder mit DJ-Equipment, und so bin ich in die Dancemusic reingerutscht. Mit meinem Stammbaum musste ich natürlich auch ein Instrument lernen. Von 6 bis 11 hatte ich Klavierunterricht. Daher wohl mein Gespür für Harmonien, für Melodien."

Hey Manhattan

In den 80er-Jahren organisierte Vega seine ersten Partys. Wurde von New Yorker Club-Besitzern gehört, geliebt und gebucht: "Ich deejayte dann freitags so erfolgreich, dass der Samstag mit dazukam. Das ist mir öfter passiert. Mein Wochenende sah dann so aus, dass ich zweimal von 10 Uhr abends bis 5 auflegte." In der Woche jobbte er in einer DJ-Promotionagentur. Und traf John "Jellybean" Benitez, damals einer der Top-DJs und -Produzenten (u. a. von Madonna). "Er mochte mich sofort, ich erinnerte ihn an seine eigene Geschichte: junger Hispano, in der Bronx aufgewachsen, DJ - auch wie und was ich auflegte. Er nahm mich unter seine Fittiche." Und gab Little Louie Vega das Sesam-öffne-dich für die Türen der New Yorker Produzenten-Schickeria in die Hand. Neben Jellybean waren das Shep Petibone, Bruce Forest, die Latin Rascals und Arthur Baker.

Vega war von nun an täglich in DEN Studios der Stadt. Nicht als Assistent, eher wie ein geheimes Aufnahmegerät: "Ich saß still da, stundenlang. Versuchte, alles zu verstehen. Ich hätte nie gewagt, zu stören. In den Pausen habe ich dann auch mal was gefragt. Jellybean lehrte mich das Business: du brauchst einen Anwalt, einen Manager, einen Assistenten, eine Bankverbindung, musst Steuern bezahlen und so weiter. Ich lernte so viel von ihm. Na ja, dann trennten sich unsere Wege ..."

Little Louie Vegas erster Release folgte 1986 - ein Remix von Information Societys "Running" auf dem HipHop-Label Tommy Boy. "Damals mischte man die unterschiedlichsten Stile: also ich HipHop, Reggae, Disco, Soul, die ersten Housetracks, Fusion, sogar Alternative Rock. Alles in einer Nacht, und darum ging es auch. Das habe ich bis heute in mir, Masters At Work natürlich auch: different flavors. Das hält die Musik interessant." "Ich war ein sehr erfolgreicher DJ in New York, es ging damals nicht um das große Geld, aber ich spielte immer vor mindestens 2500 Leuten. Mein Publikum war ziemlich jung. Und irgendwann gab es Probleme. Die Szene wurde gewalttätig, Kämpfe, Drogen und so. Ich wollte weg. Auf ein sophisticateteres Level. Wollte ein etwas älteres Publikum. Mit Barbara Tucker startete ich dann Underground Network. Und in den nächsten fünf Jahren produzierte ich Love & Happiness, Deep Inside, eigentlich alle bekannten Remixe, die Platten mit India, mit Barbara Tucker und so weiter. Und hatte eben meinen Club als Homebase für den Masters-At-Work-Sound. Mit diesen Nächten schuf ich diesen speziellen Vibe, diese spezielle Bewegung. Unser Publikum heute ist eine Mischung aus verschiedenen Generationen. Und wenn ich deejaye, geht es auch um so was wie Geschichtsbewusstsein."

Our Time Is Coming

Mit dem aktuellen Masters-At-Work-Album "Our Time Is Coming" ist Little Louie Vega wieder bei dem Label gelandet, wo für ihn alles losging: Tommy Boy. Aber es ist leider, nun, schlapp. Eine glatte, unspektakuläre Produktion. American Mainstream. Man kann natürlich sagen, dass das nicht wirklich überrascht, weil es sich in den letzten Masters-At-Work-Kollaborationen mit den wahrhaft unvisionärsten - neben der überschätzten skandinavischen Jazzszene - Jazzern around bereits angedeutet habe.

"Für ein Nuyorican-Soul-Demo hatten wir dem Gitarristen gesagt: 'Spiele wie George Benson!' Unser A&R meinte, warum wir nicht direkt Benson fragen würden. Wir waren ja auf dem gleichen Label. Es kam zu einem Treffen, und wir spielten Mr. Benson unser Stück vor." Der reagierte zwar erst irritiert, spielte dann aber begeistert auf; und die Masters At Work revanchierten sich später durch Mitarbeit auf Bensons nächstem Album. "Roy Ayers war sowieso ein Wunschkanditat für Nuyorican Soul: Wir wollten ihn, Tito Puente, India, Jocelyn Brown. Als wir dann mit Tito arbeiteten, meinte der: 'Warum holt ihr nicht noch Dave Valentin und lasst ihn Flöte spielen?' Wir dachten: 'Ja, cool', und holten gleich seine Allstars."

Das klingt zwar aufregender als Guru's Jazzmatazz, aber unaufregender als die Mp3 Library, die Apple bei iTunes mitliefert. Ist das der Versuch, einen Weg in die amerikanischen Charts zu finden? Musical Skills zu zeigen? Dem Family-Tree Respekt zu zollen?

"Skills, Respekt schon. Aber das haben wir natürlich auch mit Nuyorican Soul getan. Die Kids lieben die Dubs, ältere Leute lieben Songs. Dieses Album ist mehr sophisticatet. Aber zum Beispiel 'Work', das ist schon ein Stück für die Clubs. Ich denke, bei dem Album ist für jeden was drin. Es hat natürlich eher ein Band- als ein Housefeeling. Aber kein Downtempo, es ist alles Uptempo. Und es hat das, was ich 'Culture' nenne: 'Work' ist ein Socca, Trinidad. 'Tribute To Fela' hat einen Afrobeat. Der argentinische Gitarrenspieler auf dem Album bringt den Latin-Rhythmus mit rein. R&B findest du auch. Und das Stück mit India würde ich als Latinsoul bezeichnen ... Was du glatte Produktion nennst, das ist eben eine Seite von uns. Aber wirklich nur eine. Das nächste Album wird wieder ganz anders. Mehr Keyboards, Drum-Computer, vielleicht Alternative-Rock-Sänger, vielleicht Gitarren - wir denken zumindest an ein Elektro-Gitarren-Feeling." Daher auch der Albumtitel "Our Time Is Coming"? "Genau deswegen der Titel. Jetzt bringen wir Alben raus. Für mich waren die letzten elf Jahre Lehrjahre. Wenn du gute Sachen machen willst, heißt der Schlüssel: preparation and knowledge. Kenny und ich haben das Produzieren gelernt, von klein auf. Und ab jetzt fließt unser Wissen in unsere EIGENEN Alben."