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So war’s: Der schwierigere Weg

Massive Attack live in Köln

Alles andere als Wohlfühltapete: Massive Attack zeigen bei ihrem Konzert in Köln, dass ihre Ambitionen die eines nostalgisch mitgroovenden Publikums weit übersteigen.
Geschrieben am
16.02.2016, Köln, Palladium

Massive Attack hätten es sich an diesem Abend verdammt leicht machen können. Denn was ihr Publikum von ihnen will, ist klar: Trip-Hop zum gebrochen Mitgrooven, so wie damals, in den 1990ern, als das Gros der Fans in seinen Zwanzigern war. Heute haben die Meisten die 40 Jahre längst überschritten, wollen sich aber gerne nochmal jung fühlen und sich bereit, dafür auch 40 Euro auszugeben. Das Konzert ist lange ausverkauft, das Palladium brechend voll und vor Erwartung gespannt.

Dass Massive Attack sich aber längst woanders verorten, machten sie schon bei ihren letzten Deutschland-Auftritten klar. Nicht mehr Beats und Atmosphäre regieren ihre Ambitionen, sondern eine Programmatik, die oft genug ins explizit Politische schwappt. Keine einfache Aufgabenstellung für alte »Blue Lines«-Fans und von der Band durchaus mutig. Denn wer will sich schon mit enttäuschten Erwartungshaltungen konfrontiert sehen?

Doch wieder gelingt es den Briten auf furiose Art und Weise, Ambition und Emotion in einem stimmigen Ganzen zu vereinen: Im Fokus des Konzertes steht ganz klar der Screen im Hintergrund der Bühne, auf der die Band Filme mit unruhig flackernden Slogans und Bildern projiziert. Es geht um Politik, um Konsumkritik, um eine verantwortungsvolle Position in der Flüchtlingskrise. Die Sätze sind auf Deutsch, jeder kann sie verstehen, manchen dürften sie verunsichern. Aber die Botschaft ist so eindrücklich, dass sie jeden erreicht. Und sie bewegt sie zum Nachdenken.

Denn Massive Attack unterlegen ihre Filme mit Variationen ihrer Songs, die die Emotionen von düsteren Zuständen und zehrenden Fragen malerisch verstärken. Dabei enthält die Setlist lange nicht nur Hits, gerade in der ersten Hälfte des 75-minütigen Sets spielt die Band fast nur neue und jüngere Songs. Aber die deutlich deeperen, teilweise grollend rockigeren Versionen schaffen eine ernste, aber kraftvolle Atmosphäre, die das Publikum komplett einnimmt – trotz der schweren Themen.

Die Programmatik Massive Attacks macht auch vor ihren zahlreichen und unweigerlich folgenden Hits nicht Halt: »Teardrop«, »Angel«, »Inertia Creeps«, »Safe From Harm« und »Unfinished Sympathy« als vorletzter Song des umfangreichen Zugabenblocks werden allesamt in den Dienst der »Sache« gestellt. Die Versionen funktionieren aber auch in dem angepassten Sound-Gewand und trotz der fortlaufenden Einblendungen vorzüglich. Damit gelingt Massive Attack ein neues Meisterstück: So stark hat bei Konzerten dieser Größenordnung noch kein Popstar Aussage und Stimmung zusammengebracht.  

Massive Attack

Ritual Spirit - EP

Release: 28.01.2016

℗ 2016 Virgin Records Ltd