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I Like Her

Masha Qrella

Damit hatte niemand so richtig gerechnet. Doch auf einmal war sie da, ganz klar, herbstkühl und wunderschön: die erste Soloplatte von Masha Qrella, die bei den beiden Postpostrock-Bands Mina und Contriva Keyboards bzw. Bass und Gitarre bedient. Seit Anfang des Jahres hatte die Berlinerin fast im
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Damit hatte niemand so richtig gerechnet. Doch auf einmal war sie da, ganz klar, herbstkühl und wunderschön: die erste Soloplatte von Masha Qrella, die bei den beiden Postpostrock-Bands Mina und Contriva Keyboards bzw. Bass und Gitarre bedient. Seit Anfang des Jahres hatte die Berlinerin fast im Geheimen im Studio an den 11 Stücken auf "Luck" gewerkelt, die unglaublich klar und reduziert hauchzarte Emotion abbilden, ohne irgendwo in Gekünsteltheit oder Schwulst abzukippen.

"Ich wollte eben alleine mit Sachen experimentieren, die mit der Band erst mal komplizierter gewesen wären. Außerdem habe ich erst seit kurzem die Möglichkeit, selber Sachen zu produzieren und zu Ende zu machen und bin dadurch auch nicht so auf Produktionsvorschüsse angewiesen. Es ging mir drum, mit Stimme und Texten Sachen auszuprobieren, von denen ich anfangs noch gar nicht genau wusste, wohin die führen sollen. Deswegen war mir das ganz recht, dass ich das eher für mich gemacht habe und nicht schon vorher einer Plattenfirma was versprechen musste", erzählt Masha im Gespräch, als ich sie an einem Off Day ihrer gemeinsamen Tour mit Komeit erwische.

Was bei "Luck" besonders hervorsticht, ist Mashas Stimme, die im Instrumental-Kontext von Mina und Contriva bewusst so gut wir gar nicht eingesetzt wird, die aber auf Mashas Soloalbum so harmonisch zart die sparsamen Songs zu einem stringenten Ganzen umwickelt, dass man fast bedauert, dass es so lange gedauert hat, bis sie zum vollen Einsatz gekommen ist.

Masha dazu: "Wir kommen einfach aus einem anderen Kontext, Gesang spielte da keine Rolle bis jetzt. Sowohl Contriva und Mina stehen ja für dieses instrumentale Songwriting, was auch ein Gebiet abdeckt, das ich persönlich total spannend finde. Natürlich habe ich dann irgendwann auch andere Sachen ausprobiert, genau wie ich auch andere Instrumente ausprobiert habe. Und Gesang war eben das Spannendste für mich im letzten Jahr. Meine Stimme finde ich schon ganz schön, aber anfänglich kam es mir trotzdem nicht so selbstverständlich vor, Texte zu machen, wie ich z.B. mit Musik umgehe, weil ich das ja schon viel länger mache. Das war mit ein Grund, das alleine auszuprobieren, weil ich durch diese Fehltritte, durch die man in der Musik schon lange durch ist, nicht unbedingt vor der Band machen wollte."

Auffallend ist auch das sehr reduzierte, minimalistische Outfit der Songs, was daran liegen mag, dass es, trotz der persönlichen Texte, eigentlich immer die Idee der Produktion war, die zuerst da war. Alles unnötige wegschneiden und z.B. ein Gitarrensample nur soweit aufbauen, wie es nötig ist, um daraus ein Stück zu machen, so exemplifiziert Masha ihre Arbeitsweise. Einigermaßen überrascht bin ich dann doch, als sie als Person, deren Produktionsweise ihr Soloalbum sehr beeinflusst hätte, neben Robert Wyatt ausgerechnet Peaches nennt: "Nicht vom Songwriting, auch nicht von der Aussage und vom Typ her schon gar nicht, aber ich finde das Trockene bei Peaches total cool. Ich glaube, ich höre ihre Stücke auch anders, als sie von der Presse gehört und beschrieben werden."

Damit wären wir, mit einigen Umwegen, auch bei einem weiteren Thema angelangt, das mich beim Hören der Platte anhüpfte, wenn man so einen aufdringlichen Ausdruck für so elegant zurückhaltendes Songwriting überhaupt verwenden darf. Im dritten Track singt Masha „I saw her and I knew: I don’t like her“. Da drängen sich natürlich Visionen von Abgrenzung und Entsolidarisierung im eher spärlich besiedelten weiblichen Musikkosmos auf, die so gar nicht in den Kontext zu passen scheinen. Ganz persönlich gefühltes, subjektives Statement oder bewusste Provokation? "Jaja, das Anti Girls’ Riot-Stück", sagt Masha auf meine Frage hin mit einem Sarkasmus, der raushören lässt, dass das wohl schon öfters Thema war. "Es geht da nicht um eine konkrete Person oder gar ein Eifersuchtsdrama, sondern eher um einen Frauentyp, der mir nicht so sympathisch ist. So was gibt’s eben. Aber das ist ganz klar das ironischste Stück auf der ganzen Platte, es ist ja nicht so, dass ich Frauen generell nicht mögen würde. Das hat auch was mit dem ganzen Geld zu tun, das jetzt von außen nach Mitte reingekommen ist und das so einen neuen, nervigen Ausgehtypus geschaffen hat, von dem ich mich abgrenzen möchte." Also ein eher sozial-ökonomisches Ding, das Masha da auffährt, das so auch von außen nachvollziehbar scheint. Alles klar, und übrigens: I like her.