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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Mit Philip Fassing

Maschinenraum #250

Intro blickt auf 250 Ausgaben zurück, Ostgut Ton feiert die große 100 im Katalog, und Ilian Tape stößt auf das Zehnjährige an – Jubiläen, wohin man schaut. Umso besser, wenn auch die dazugehörige Musik passt.
Geschrieben am
Born In Flamez wird oft als strahlendes Beispiel für die fortschreitende Dekonstruktion gängiger Dogmen der Club-Musik angeführt. Ein Umstand, der bereits Modeselektor auf den Plan gerufen hat, die kurzerhand mit dem anonym agierenden Produzenten kollaborierten. »Careful You Might Tear The Sound« (Infinite Machine) schreibt diese spannende Geschichte mit zwei düster-kontemplativen Stücken fort, die irritierend ausgewogen zwischen Unbehagen und Entschleunigung pendeln.

Born In Flamez

Careful You Might Tear the Sound - Single

Release: 27.01.2017

℗ 2017 Infinite Machine

Es dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben, dass Techno-Wunderkind Samir Alikhanizadeh alias Happa weit mehr als das One-Hit-Wonder ist, zu dem der blutjunge Engländer für sein fast fünf Jahre zurückliegendes Debüt erkoren wurde. Das unterstreicht auch die jüngste Single »Bum Trance / Hallucinations« (PT/5), die vor allem mit ihrer B-Seite glänzt: eine fünfminütige Geduldsprobe aus infernalischen Noise-Loops und aggressiven Drum-Mustern, die in einer Magenschmerzen bereitenden Drone-Fläche münden.

PT/5 Records

Bum Trance

Mit Ilian Tape ist es Dario und Marco Zenker in den vergangenen zehn Jahren gelungen, ein hochprofiliertes Label zu entwickeln, das immer wieder mit ungewöhnlichen Veröffentlichungen auf sich aufmerksam machen konnte. Nach einer Dekade erlauben sich die Brüder nun, dieses Jubiläum mit der Werkschau »A Decade Of Ilian Tape« (Ilian Tape) zu begehen, die mit Künstlern wie Skee Mask, Struction, Andrea sowie den Betreibern selbst noch einmal die ganze Bandbreite des Labels demonstriert. 
Man würde meinen, dass es laut wird, wenn zwei derart stilbildende DJs wie Ben Klock und Marcel Dettmann aufeinandertreffen, um ein gemeinsames Album zu produzieren. Weit gefehlt, denn diese extravagante Kollaboration ist alles andere als vorhersehbares Peak-Time-Futter, sondern eine fast schon surreale Reise in die Topografie der abstrakten Klangwelten des Duos. Dafür nimmt sich »Phantom Studies« (Ostgut Ton) viel Zeit – eine Tatsache, die in Anbetracht des Ideenreichtums seiner Schöpfer durchaus angebracht ist und sich mit ein wenig Geduld voll auszahlt: eine mehr als würdige Nummer 100 im Katalog.

Marcel Dettmann & Ben Klock

Phantom Studies

Release: 27.01.2017

℗ 2017 Ostgut Ton

Wenn sich die bisherigen Veröffentlichungen von Jonathan Kaspar auf ihren kleinsten gemeinsamen Nenner herunterbrechen ließen, dann wäre das wohl eines: Groove. Eine Qualität, die der Kölner mit »Supine« (KX) einmal mehr zur Geltung kommen lässt und auch abseits der hypnotisch rollenden Percussion-Loops mit einem ungewöhnlichen Klang-Design zu ergänzen weiß. Viel erstaunlicher ist allerdings, wie leichtfüßig das trotz dieses akustischen Ballasts in der Summe immer noch klingt. 
Mit seinen elaborierten Remix-Arbeiten und Eigenproduktionen lässt der 25-jährige Londoner Jack Ritchie alias Bearcubs bereits seit einiger Zeit aufhorchen. Die »Underwaterfall«-EP (All Points) markiert dabei so etwas wie einen vorläufigen Höhepunkt, schließlich gelingt es dem Engländer, hier zu seinem ganz eigenen Stil zu finden: Digitaler Blues, abstrahierte UK-Garage-Referenzen und viel Mut zu Eingängigkeit sowie Experimentierfreude gleichermaßen zeichnen diese ausgesprochen in sich gekehrten Elegien aus.

Bearcubs

Underwaterfall - EP

Release: 10.03.2017

℗ 2017 Bearcubs under exclusive license to All Points

Berghain-Affiliate Michael Fiedler alias Fiedel hat seine Solo-Veröffentlichungen in den vergangenen Jahren bevorzugt über das eigene Label herausgebracht. Nun folgt mit »Substance B« (Ostgut Ton) ein Gastspiel beim Haus-und-Hof-Label des Berliner Clubs. Das weiß vor allem mit seinem Titeltrack zu faszinieren – einer mächtigen Liebeserklärung an den Rave in seiner ursprünglichsten Form. Dass es die darauffolgenden Titel nicht ganz so mächtig angehen lassen, darf durchaus verziehen werden.

Ostgut Ton

Substance B

Damien Pontonnier alias Demian hat sich in der Vergangenheit vor allem im Norden Spaniens einen Namen als DJ und Veranstalter machen können – seine Strahlkraft nur auf diese Region zu beschränken würde dem Franzosen allerdings kaum gerecht werden. Das zeigt seine jüngste EP »Milestars« (Kompakt), deren meditativ groovender Titeltrack das Potenzial besitzt, ein echter Sommerhit zu werden. Eine unbeschwerte Leichtigkeit, die den anderen Titeln dieser Platte ebenso innewohnt, die dementsprechend eine gute Investition für den Frühling sein dürfte.

Demian

Milestars EP

Release: 24.02.2017

℗ 2017 Kompakt

Mit »Rendition Of You« (Hotflush) kann Paul Rose alias Scuba einen weiteren Neuzugang auf seinem Label verzeichnen: Lara Wehbie alias Blursome. Die zeigt mit ihrer Debüt-EP viel Potenzial und vermengt düstere Klangpanoramen und stolpernde Rhythmus-Figuren zu unheilvollen Bass-Hybriden. Lediglich auf Dauer gehen den Tracks ein wenig die Ideen aus, um sich auch ohne allzu repetitive Motive über längere Strecken zu tragen. Hier hätte der Rotstift gerne etwas strenger kreisen dürfen.

Blursome

Rendition of You - EP

Release: 24.02.2017

℗ 2017 Hotflush Recordings