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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Mit Philip Fassing

Maschinenraum #261

Elaborierte Mix-Arbeit, Geburtstagskuchen und ein willkommenes Wiedersehen: drei Gründe, einen Blick auf die spannendsten Neuerscheinungen aus dem Elektronik-Fach zu werfen.

Geschrieben am

Mark Pritchard hat sich in seinem Leben schon vielen Spielarten der elektronischen Musik gewidmet und dabei fast immer einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Das darf man ohne Zweifel auch von seinem im vergangenen Jahr erschienenen Album »Under The Sun« behaupten, auch wenn es die Strahlkraft von Projekten wie Harmonic 313 oder Africa Hitech nicht ganz erreichte. »The Four Worlds« (Warp) knüpft nun mit seinen mal krautigen, mal kosmischen Ambient-Entwürfen genau dort an und schlägt eine schöne Brücke zum kommenden Album, an dem Pritchard bereits arbeiten soll.

Mark Pritchard

The Four Worlds

Release: 23.03.2018

℗ 2018 Warp Records

Eine neue Mix-Reihe, deren DJs ausschließlich mit unveröffentlichtem Material arbeiten dürfen – so in etwa ließe sich die Idee hinter »Inside Out« (Aus Music) verkürzt beschreiben. Das Debüt wird ganz standesgemäß vom Label-Chef Will Saul höchstpersönlich bestritten. Das setzt die Messlatte der Erwartungen natürlich nach oben, schließlich gilt der britische DJ, Produzent und A&R als extrem gut vernetzt. Folgerichtig findet hier auch eine ganze Reihe von herausragenden Künstlern zusammen, darunter Move D, Pearson Sound, Lone und Martyn. Noch spannender ist allerdings, wie gut Saul diese unterschiedlichen Künstler in seinem Mix zusammenbringt.

Will Saul

Inside Out

Release: 30.03.2018

℗ 2018 Aus Music

Das Label Houndstooth ist in den vergangenen Jahren mehr oder weniger aus dem Stand zu einem der wichtigsten Treffpunkte für experimentelle Club-Musik geworden und hat mit Künstlern wie Call Super, Throwing Snow, Second Storey oder Marquis Hawkes einen verblüffenden Katalog aufgebaut. Ein Umstand, den die Compilation zum fünfjährigen Jubiläum noch einmal hervorragend veranschaulicht: »Hound5tooth Five Years« (Houndstooth) vereint innerhalb von 15 Tracks radikale Breakbeat-Dekonstruktionen, sphärische Ambient-Nummern, kompromisslosen Techno und sogar ein bisschen Postpunk-Schwermut zu einer beeindruckenden Werkschau.

Verschiedene Interpreten

Hound5tooth Five Years

Release: 26.02.2018

℗ 2018 Houndstooth

Mit seiner EP »Misses Madame Mademoiselle« ist Nachtbraker im vergangenen Jahr bei Heist Recordings ein großer Wurf gelungen. Die Platte wurde nicht zuletzt dank der Präsenz des verrückten San Proper zu einem unwahrscheinlichen Hit. Nun setzt Maurits Verwoerd seine augenzwinkernd verschwurbelte House-Agenda auf seinem eigenen Label fort: »Small Towel People« (Quartet Series) startet zwar ein bisschen zu aufgekratzt, pendelt sich nach dem titelgebenden Opener aber angenehm zwischen Funk, HipHop und House der alten Schule ein.

Nachtbraker

Small Towel People - Single

Release: 05.03.2018

℗ 2018 NBMV Music

Mit Veröffentlichungen auf Labels wie Innervisions, Hivern Discs oder Circus Company hat sich Ralf Schmidt alias Aera in den vergangenen zehn Jahren (und darüber hinaus) eine starke Reputation als Produzent aufgebaut. Erfahrungen, die nun wieder in ein Album geflossen sind und sich in allen erdenklichen Facetten äußern: Die minutiös getimeten Dialoge zwischen Samples und Synthesizern, die subtilen Arrangements oder das plastische Klangdesign – alles Aspekte, die »The Sound Path« (Permanent Vacation) zu einem faszinierenden, wenn auch etwas schwermütigen Erlebnis machen.

Aera

The Sound Path

Release: 06.04.2018

℗ 2018 Permanent Vacation

Aufmerksamen Nerds könnte der Name Groeni bereits vor einigen Jahren begegnet sein. Jetzt erscheint das neuseeländische Trio endlich mit einem amtlichen Debütalbum gut sichtbar auf der Bildfläche. Die LP soll in einem Prozess entstanden sein, in dem der Computer anders als gewöhnlich als letztes Glied der Produktionskette fungierte und erst zum Einsatz kam, als die Songs bereits geschrieben waren. Ein interessanter Ansatz, der trotzdem nur zu einem mäßigen Ergebnis führte: »Nihx« (Project: Mooncircle) wirkt in seiner bedeutungsschwangeren Tristesse auf langer Strecke schlicht zu karg und erdrückend – ein wenig mehr Dur statt Moll hätte den Tracks gutgetan. Für selbstversunkene Nachmittage bei zugezogenen Vorhängen ist diese Hybrid aus Songwriting und Electronica aber dennoch gut zu gebrauchen.

Groeni

Nihx

Release: 30.03.2018

℗ 2018 Project Mooncircle

Die Kunst nimmt manchmal erstaunliche Wendungen, so auch im Falle der »Versus Remixes« (In​finé), deren Ursprung in der letztjährigen Neuinterpretation verschiedener Klassiker aus der Feder von Carl Craig durch ein Pariser Symphonieorchester liegt. Diese Bearbeitungen werden jetzt quasi in einer Art »Rücktransformation« wieder zu rein elektronischen, samplebasierten Club-Tracks. Die Qualität schwankt dabei enorm: Während Henrik Schwarz mit seinem Remix auf gewohnt hohem Niveau agiert und »The Melody« seinen ganz eigenen Dreh verleiht, enttäuscht Tom Trago mit einem völlig uninspirierten Percussion-Track. Insgesamt durchwachsen.

Carl Craig

Versus Remixes, Vol. 1 (feat. Francesco Tristano, Les Siècles & François-Xavier Roth) - EP

Release: 23.02.2018

℗ 2018 InFiné & Planet E

Mit Alexander Geiger kehrt derweil ein längst verloren geglaubtes Stück Kölner Clubgeschichte zurück aufs Radar: Nach diversen EPs auf Firm, einem der prägenden Labels der goldenen Minimal-Jahre, wurde es spätestens im Jahr 2010 ziemlich still um den Produzenten. Eine Auszeit, die nun offensichtlich zu Ende ist: Geiger kehrt mit »Mixtape Vol. 1« (Kompakt) zurück und hat sich dabei mit Fahrland auch gleich einen neuen Namen zugelegt. Musikalisch ist er sich hingegen vollkommen treu geblieben und weckt angenehme Erinnerungen an eine Zeit, in der elektronische Club-Musik zumindest in der subjektiven Wahrnehmung noch etwas humorvoller und seltsamer als heute war.

Fahrland

Mixtape Vol. 1

Release: 13.04.2018

℗ 2018 Kompakt