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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Mit Philip Fassing

Maschinenraum #259

Von Chicago über Amsterdam nach Moskau: Die besten Neuveröffentlichungen für den Club geben sich am Jahresanfang kosmopolit.
Geschrieben am
Die bereits im vergangenen Jahr von Will Saul und Tom Mangan unter dem Namen Primitive Trust gestartete EP-Serie geht mit »Little Love« (Aus Music) in die dritte Runde und bleibt dem etablierten Niveau dabei treu. Heißt: Angenehm sanft federnder Deep-House in unprätentiöser Machart, dessen geschmeidige Flächen sich zum Ende hin in ungeahnte Höhen aufschwingen und einen überraschend melancholischen Drop einleiten. Zutaten, aus denen Flooplan mit synkopischen Clap-Mustern und einem latent bedrohlichen Stimmungswechsel einen radikal hypnotischen Remix zaubert.
Ob Garrett David tatsächlich der bürgerliche Name dieses aus Chicago stammenden Produzenten ist, sei mal dahingestellt. Sicher ist nur, dass das junge Talent dem Ruf seiner Heimat mehr als gerecht wird und mit »Live From The Dog Cave« (Lobster Theremin) einmal mehr zeigt, wie gut sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft mit House abbilden lassen, ohne dass dabei allzu viele Widersprüche entständen. Die Insignien der 1990er sind hier zwar sehr präsent, dafür aber auch ziemlich einfallsreich inszeniert und wirklich weit davon entfernt, völlig überstrapaziert zu werden. Musik, der man den Spaß bei der Entstehung schon in den ersten Sekunden anhört. 
Die Geschichte des spät entdeckten Detroit-Pioniers Ashtar Lavanda und seiner nur zufällig im Rahmen einer Lagerauflösung entdeckten Musik klingt fast ein bisschen zu gut, um wahr zu sein. Angenommen, dass es sich tatsächlich so zugetragen hat, ist dem Finder, DJ und Labelbetreiber Jimmy Edgar allerdings ein ziemlicher Coup gelungen. »Unsolved Mysteries« (Ultramajic) trägt den rauen Charme der frühen Motor City stolz zur Schau und ist dabei so simpel wie effektiv gehalten. Musik, die so durchaus vor 20 Jahren in einem finsteren Kellerstudio hätte entstehen können. Eine Vorstellung, die so schön ist, dass wir ihr uns an dieser Stelle einfach mal hingeben wollen.
Kaum zu glauben, dass es sich bei »A Part Of Me« (Project: Mooncircle) tatsächlich um das Debütalbum von 1954 handelt. Der junge Franzose pflegt hier bereits eine derart distinguierte Handschrift, dass man zumindest ein paar Gehversuche vorab vermutet hätte. Musikalisch weckt das mit all den melancholischen Downbeat-Experimenten und dem smarten Vocal-Editing vor allem lebhafte Erinnerungen an Künstler wie SBTRKT oder die Anfangsphase von Mount Kimbie. Das Album könnte hier und da vielleicht alles ein wenig eigenständiger ausfallen, ist aber wiederum so gut gemacht, dass die offensichtlichen Referenzen angenehm diskret bleiben.

1954

A Part of Me

Release: 26.01.2018

℗ 2018 Project Mooncircle

Mit dem 2016 erschienenen »Human.exe« hat Alexey Devyanin alias Pixelord eines der spannendsten Electronica-Alben des Jahres veröffentlicht. »Blockchain« (Infinite Machine) knüpft genau dort an und zeigt den talentierten Produzenten aus Moskau einmal mehr von seiner besten Seite. Für das Gastspiel abseits seines eigenen Labels Hyperboloid legt Devyanin die Messlatte nämlich kein Stück niedriger. Im Gegenteil: Experimentelle Club-Tracks wie »Hexflo« oder »Sleeping Giant« strotzen nur so vor Einfallsreichtum und Energie.

Pixelord

Blockchain - EP

Release: 01.12.2017

℗ 2017 Infinite Machine

Jono Ma von der Band Jagwar Ma und Angus Gruzman von Dreems und Die Orangen haben sich derweil für dieses erfrischende Joint Venture zusammengetan und zeigen mit »The Dreemas« (Kompakt), dass verspulte Border-Community-Melancholie und trocken-perkussiver Minimal-Techno absolut keine Gegensätze darstellen müssen. Der eigentliche Hit versteckt sich mit »Can’t Stop Dreaming (Of You)« allerdings auf der B-Seite und trifft mit seiner unbekümmerten Nonchalance genau den poppigen Vibe, für den wir das Kölner Label seit jeher schätzen.

Jono Ma & Dreems

The Dreemas

Release: 19.01.2018

℗ 2018 Kompakt

Mit »RV Trax« (R&S) startet Renaat Vandepapeliere, der Gründer des legendären Labels R&S, eine ganz persönliche Vinyl-Serie, auf der der Chef höchstpersönlich die Geheimwaffen seiner Wahl präsentiert. Im Fall dieses Debüts ist das mit Tracks von Bird Of Paradise (im Remix von Steve Legget), G-Prod und Hermetics schon mal eine erstklassige Auswahl, die zwischen schnörkellosem Techno, melancholischem Detroit-House und unterkühlter Electronica pendelt. Eine Serie, die man unbedingt im Auge behalten sollte, wenn es um Geheimtipps für die Tanzfläche geht.

Bird Of Paradise, G-Prod & Hermetics

RV Trax - Single

Release: 19.01.2018

℗ 2017 R&S Records

Es war schon immer faszinierend, mitanzusehen, wie sämtliche Spielarten des Hardcore Continuums im Universum von Symbols Recordings zu einer ausgesprochen dehnbaren Masse für alle möglichen Experimente werden. So auch auf dem inzwischen dritten Album des Franzosen My.head, der mit »Indigo« (Symbols) Genres wie Jungle, Ambient oder Dubstep zu einer dunklen, auditiven Masse verschneidet, von der ein ganz eigener Reiz ausgeht.

My.head

Indigo

Release: 22.12.2017

℗ 2017 Symbols Recordings

Erstaunlich, dass Heist Recordings wirklich schon sein viertes Jahr hinter sich hat. Aber Erfolgsgeschichten vergehen nun mal wie im Flug. Umso schöner, dass die Amsterdamer Hit-Fabrik von Detroit Swindle mit »The Round Up Part 4« (Heist) einmal mehr ihre Künstler anstachelt, sich gegenseitig zu remixen. Dass dabei mit Acts wie Fouk, Nebraska oder den Labelchefs selbst nur Gutes herauskommen kann, ist nicht weiter überraschend. Wie souverän und großzügig diese Clique Soul, Funk und Disco in ihre Vorstellung von House mischt, dagegen schon.