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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Mit Philip Fassing

Maschinenraum #257

Der diesmonatige Newsticker für Club-Musik steht ganz im Zeichen der alten Schule. 
Geschrieben am
Erik Wiegand alias Errorsmith konnte sich vor allem um die Jahrtausendwende gemeinsam mit dem Berghain-Resident Michael »Fiedel« Fiedler einen Namen machen, ist aber auch über Kollaborationen mit Künstlern wie Mark Fell oder Soundstream immer wieder ins Gespräch geraten. »Superlative Fatigue« (PAN) ist nun das erste amtliche Soloalbum des Berliners. Wer den eigenwilligen Mix aus alter Rave-Schule, Augenzwinkern und Experimenten bisher mochte, der wird hier absolut nicht enttäuscht. Bemerkenswert bleibt vor allem, dass Wiegand trotz aller Kapriolen nie allzu sehr auf Distanz geht, sondern hin und wieder auch ein wenig Melancholie zulässt.

Errorsmith

Superlative Fatigue

Release: 20.10.2017

℗ 2017 PAN

Es ist und bleibt beeindruckend, wie es Stephan Laubner zu Zeiten der maximalen Selbstvermarktung immer noch gelingt, sich so vollkommen aus dem ganzen Social-Media- und Presse-Zirkus herauszunehmen. Leisten kann er sich das allemal, schließlich sprechen seine unter dem Namen STL veröffentlichten House-Entwürfe für sich. »Nonzero Sonics« (Dark Matters) bildet da keine Ausnahme, auch wenn die EP eine der wenigen Platten ist, die nicht bei seinem eigenen Label Something erscheinen. Musikalisch kreisen die drei Tracks frei zwischen den Koordinaten von Dub-Techno, Ambient und HipHop – nur auf höchstem Niveau natürlich.

STL

Nonzero Sonics - EP

Release: 30.10.2017

℗ 2017 Dark Matters

Mit »Flashbacks 1992-1998« (Alter Ego) lassen Jörn Elling Wuttke und Roman Flügel ihre Frühphase als Acid Jesus Revue passieren, in der das Duo eine Reihe von stilbildenden EPs auf dem Frankfurter Kult-Label Klang Elektronik veröffentlichte. Eine Geschichtsstunde, die vor allem lehrt, wie präsent das Revival dieser Zeit aktuell ist. Denn bis auf das angezogene Tempo haben die auf zwei CDs verteilten Tracks erstaunlich viel mit der kontemporären Club-Musik gemeinsam. Zwitschernde Acid-Signale aus klassischer Hardware gehen heute eben auch noch gut. Wer wissen möchte, was Frankfurt mit all dem zu tun hat, findet hier sein Lehrbuch. 

Acid Jesus

Flashbacks 1992 - 1998

Release: 03.11.2017

℗ 2017 Alter Ego Recordings

Mit »One Day« (Office) gibt es derweil noch mehr vernebelten Schlafzimmer-House aus Berlin, der in diesem Fall allerdings gänzlich ohne die Nennung eines konkreten Interpreten auskommen muss. Okay, streng genommen ist das sogar nur die halbe Wahrheit, schließlich münden die meditativ pulsierenden Stücke spätestens mit der B-Seite in atmosphärische Momentaufnahmen, die man so im Club vermutlich nicht zu hören bekommen würde. Tatsache ist, dass man sich die Releases des charmant-diskret auftretenden Labels ohnehin blind kaufen kann.

One Day

Untitled - EP

Release: 01.10.2017

℗ 2017 Office Recordings

Benjamin Damage hat in den vergangenen fünf Jahren bevorzugt Platten für Modeselektors Label 50Weapons produziert, das nun allerdings schon wieder seit rund zwei Jahren der Vergangenheit angehört. »Montreal« (R&S) markiert dementsprechend so etwas wie ein neues Kapitel in der Karriere des Briten. Musikalisch bedeutet das glücklicherweise relativ wenig, ist der Produzent seiner düsteren und zugleich melancholisch geschwungenen Handschrift doch durchweg treu geblieben. Und davon profitiert vor allem der mächtige Titeltrack mit seinem außerirdischen Lead-Riff. 

Benjamin Damage

Montreal - Single

Release: 27.10.2017

℗ 2017 R&S Records

Bereits mit seinem Debütalbum im Jahr 2014 ließ sich Joseph Richmond-Seaton alias Call Super in wirklich keiner Schublade unterbringen, mit seinem zweiten Album »Arpo« (Houndstooth) braucht man daran nun gar nicht mehr zu denken. Songs wie »Korals« oder »11 Out To Rust« ließen sich allenfalls noch als eine Art außerirdischer Hybrid aus Jazz und IDM begreifen, entziehen sich aber elegant allen gängigen Koordinaten. Umso erstaunlicher, wie gut sich das Ganze dann doch durchhören lässt, ohne dabei allzu anstrengend zu werden. Solch sperrige Ideen muss man eben auch erst mal derart zugänglich verpackt bekommen.

Call Super

Arpo

Release: 10.11.2017

℗ 2017 Houndstooth

Mit »Voxshot« (Aniara) liefern Genius Of Time genau das ab, was der Titel bereits verspricht: ein kurzes, rhythmisch im Groove platziertes Vocal-Sample. Viel spannender ist dabei allerdings, mit wie wenigen Mitteln sie dieses simple Motiv extrem effektiv variieren. Der Schlüssel dazu ist eine clevere Modulation, mit der ein einfacher Conga-Sound in einen perfekt harmonierenden Synthie-Stab gemorpht wird und die der einfachen Formel eine ganz neue Tiefe verleiht. Oder, etwas weniger verschwurbelt ausgedrückt: ein weiteres Fallbeispiel dafür, dass weniger manchmal mehr ist. 

Genius Of Time

Juno Jam - Single

Release: 23.06.2014

℗ 2014 Running Back

Mit seinem eigenartigen Mix aus Techno und Psychedelic-Pop konnte das israelische Duo Red Axes in den vergangenen Jahren für eine Menge Aufmerksamkeit sorgen. Auch »Kalacol« (Life And Death) wird mit Sicherheit auf dieses Konto einzahlen. Ob man sich von diesem Crossover angesprochen fühlt, ist und bleibt eine Frage des Geschmacks. Respekt haben die beiden dafür aber sicher verdient, einen derart hippiesken Eklektizismus muss man sich nämlich erst mal trauen. Ob man zur Peaktime wirklich Spagetthi-Western haben will, ist dagegen eine ganz andere Frage.

Red Axes

Kalacol - EP

Release: 06.10.2017

℗ 2017 Life And Death

Es gibt kaum ein Feld, in dem Monat für Monat derart viele Compilations erscheinen, wie im Bereich der elektronischen Tanzmusik. Das hat zur Folge, dass man den eigentlichen Reiz solcher Veröffentlichungen immer wieder vergisst: zur Abwechslung mal von der Kuratoren-Position zurücktreten zu können, in die uns all die Streamingdienste gebracht haben, und das Steuer jemandem überlassen, der es besser weiß. Roman Flügel zum Beispiel. Der zeigt mit »Fabric 95« (Fabric) nämlich, wie man maximal elegant zwischen oldschooligen Rave-Reminiszenzen, Autoren-Techno und experimenteller Club-Musik pendelt.

Roman Flugel

fabric 95: Roman Flügel

Release: 13.10.2017

℗ 2017 fabric