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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Mit Philip Fassing

Maschinenraum #255

Verschrobene Außenseiter, selbstbewusste Peaktime-Entertainer und ganz viel dazwischen: Hinter den bemerkenswertesten Techno- und House-Neuerscheinungen stehen einige interessante Persönlichkeiten.
Geschrieben am
Mit EPs für Underground-Tastemaker Lobster Theremin und das dazugehörige Sublabel Distant Hawaii konnte Felix Weatherall alias Ross From Friends einen erstaunlich stabilen Hype um sich und seinen nostalgisch aufgeladenen Weirdo-House-Entwurf kreieren. »The Outsiders« (Magicwire) legitimiert diese Lorbeeren nun noch einmal und zeigt, dass Weatherall alles andere als ein flüchtiges Produkt des Zeitgeistes ist. Diese beiläufige und völlig unangestrengte Art und Weise, mit der hier selbst die eigenartigsten Referenzen zu tanzbaren Lo-Fi-Elegien verdichtet werden, bleibt auch mit dieser dritten EP erstaunlich gut. 

Ross from Friends

The Outsiders

Release: 04.08.2017

℗ 2017 Magicwire 2017

Wenn Matt Cutler alias Lone nicht gerade vielversprechende Newcomer für sein Label Magicwire verpflichtet, arbeitet er unermüdlich an seinem eigenen Universum weiter, das nun mit »Ambivert Tools Volume Two« (R&S) um eine hervorragende EP reicher ist. Wie schon mit dem vorangegangenen Teil widmet sich Cutler auch hier seiner druckvoll, zugleich aber auch immer betont schmutzig und nachlässig produzierten Vorstellung von zeitlosem House, dem die artifizielle Nostalgie nach wie vor ganz hervorragend steht. 

Lone

Ambivert Tools, Vol. 2 - Single

Release: 25.08.2017

℗ 2017 R&S Records

Dusky wenden sich nach ihrem eher durchwachsenen Album im vergangenen Jahr mit »Cold Heart« (17 Steps) wieder dem EP-Format zu und finden dabei auch ein Stück weit zu alter Stärke zurück. Schon der namensgebende Opener vereint alle Qualitäten, die das britische Duo einst so populär gemacht hatten, und bewegt sich fast schon spielerisch auf dem schmalen Grat zwischen Underground- und Großraum-Rave. Dass es nach hinten raus dann doch wieder ein bisschen käsig wird, darf man da durchaus verzeihen.

Dusky

Cold Heart - EP

Release: 26.06.2017

℗ 2017 17 Steps

2015 gelang Lake People mit »Purposely Uncertain Field« eines der interessantesten House-Alben der vergangenen Jahre. Irgendwie hat man damals schon geahnt, dass es nicht einfach sein würde, daran anzuschließen. Die Entwarnung aber direkt vorab: Der Nachfolger »Phase Transition« (Mule Musiq) ist alles andere als eine Enttäuschung. Martin Enke, wie der Leipziger Produzent eigentlich heißt, hat seine Formel schlichtweg perfektioniert. Beseelter und zugleich unprätentiöser lässt sich Deephouse kaum inszenieren. Lediglich das Momentum, dieser abstrakte Flow des Vorgängers, gerät hier hin und wieder ins Stocken. Aber damit lässt sich durchaus leben.
Man kann nicht gerade behaupten, dass sich Detroit Swindle in letzter Zeit merklich aus ihrer Komfortzone bewegt hätten. Wozu auch? Die Platten werden gekauft, und die Gigs sind gut besucht, alles mehr als verdient und durchaus begründet. Trotzdem wird man das Gefühl nicht ganz los, dass dieser mit Funk, Soul und Disco flirtende Feel-Good-Sound ein wenig träge geworden ist – um nicht zu sagen: merkliche Abnutzungserscheinungen aufweist. Dass sich mit »Can’t Hold It« (Heist) immer noch locker eine Open-Air-Crowd in Schach halten lässt – geschenkt. Ein bisschen mehr Kante und Ambivalenz könnte trotzdem Wunder bewirken.

Detroit Swindle

Cant Hold It EP

Release: 31.07.2017

℗ 2017 Heist Recordings

Perfekte Überleitung zu Hodge, der sich als umtriebiger Protagonist der in Bristol ansässigen Bass- und Techno-Szene genau am anderen Ende des Lichtspektrums befindet. »Swing For The Fences« (Hemlock) riecht im besten Sinne nach feuchten Kellergemäuern und setzt die Messlatte schon mit dem perkussiv groovenden Titeltrack extrem hoch. Die B-Seite übt sich dagegen ein wenig mehr in melodischer Dramaturgie, rückt die rhythmischen Komponenten aber nur dezent in den Hintergrund. Für den Heimgebrauch vermutlich ein wenig zu funktional, im richtigen Kontext aber sicher eine absolute Geheimwaffe. 
Wem der originell verdrehte Tech-House von Sebastopol irgendwie bekannt vorkommt, der leidet nicht etwa an einem Déjà-vu, sondern hat den in Berlin lebenden Produzenten vermutlich schon unter dem Namen Sébastien Bouchet kennengelernt. Abseits solcher Formalitäten klingt »Gahalowood« (Kompakt) tatsächlich genauso magisch und geheimnisvoll wie sein Name. Da stört es auch nur bedingt, dass alle drei Titel mit ihrer verhuschten Indie-Pop-Ästhetik und den melancholischen Pad-Konstrukten fast schon ein wenig aus der Zeit gefallen wirken. 

Sebastopol

Gahalowood - Single

Release: 07.07.2017

℗ 2017 Kompakt

Will Saul scheint derzeit Spaß an Gemeinschaftsprojekten zu haben – anders lässt sich der fortlaufende Output in verschiedenen kollaborativen Verhältnissen kaum erklären. Nach drei EPs mit Keiran Lomax alias Komon hat sich Saul nun mit Tee Mango (bürgerlich: Tom Mangan, Gründer des Mode- und Schallplatten-Labels Millionhands) als Primitive Trust verbrüdert. Dass »Power On« (Aus Music) zwei organisch und ausgesprochen smart artikulierte Liebeserklärungen an die klassischen House-Spielarten auffährt, überrascht natürlich überhaupt nicht und ist in seiner geschmackssicheren, wenn auch ein wenig vorhersehbaren Ausführung ganz einfach grundsolide. Nicht mehr und nicht weniger.
Mit seinem 2014 erschienenen Debütalbum »Double Divide« zeigte Alec Storey alias Second Storey, dass experimentelle Spleens und griffige Eingängigkeit kein Widerspruch sein müssen. Eine These, die von »Lucid Locations« (Houndstooth) nun noch einmal selbstbewusst bestärkt wird. Hier sitzt zwar nicht jede Nummer, in seinen besten Momenten beschwört das Album aber eine eigenartige Reibung zwischen Wohlgefühl und Irritation. In seinen schwächeren allenfalls Letzteres.

Second Storey

Lucid Locations

Release: 25.08.2017

℗ 2017 Houndstooth