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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Mit Philip Fassing

Maschinenraum #254

Festivals, Open Airs und Afterhour im Freien? Nicht ganz: Die spannendsten Neuveröffentlichungen aus dem Fach für elektronische Musik sehnen sich nur wenig nach Sonnenschein.
Geschrieben am
Mit einem verhältnismäßig späten Auftakt wird bei Hessle Audio das nunmehr zehnte Jahr eingeläutet, dafür aber einer der spannendsten Protagonisten aus Bristols berühmt-berüchtigter Club-Szene verpflichtet: Batu. Seines Zeichens ebenfalls Labelbetreiber und Veranstalter, demonstriert der Brite mit seiner EP »Marius« (Hessle Audio) eine beeindruckende Bandbreite an Spielarten, die von perkussiv dominierten Übungen in Sachen Minimalismus über atmosphärisch treibenden Techno bis hin zu kosmisch rotierenden Ambient-Skizzen reichen. 

Batu

Marius - EP

Release: 23.06.2017

℗ 2017 Hessle Audio

Bastian Volker alias Baaz hat derweil vier neue Tracks veröffentlicht, von denen man wirklich keinen einzigen missen möchte. Der Berliner hat sich mit seinen intimen und unprätentiösen Interpretationen verschiedenster Spielarten aus dem erweiterten Spannungsfeld der elektronischen Musik ohnehin schon eine Menge Freunde gemacht – mit »Two (For You)« dürften es noch ein paar mehr werden. Irgendwo an der Schnittstelle von verrauscht-melancholischen House-Miniaturen und anmutigen Ambient-Collagen macht Baaz nämlich ziemlich viel ziemlich richtig. 

Baaz

Two (For You) - EP

Release: 07.06.2017

℗ 2017 Office Recordings

Obwohl das schwedische Duo Minilogue mit seinen zu gleichen Teilen versponnenen und euphorisierenden Club-Hits perfekt in die Ära des Minimal-Techno passte, bot es immer ein wenig mehr als die bloße Abarbeitung am damaligen Zeitgeist. Eine Vermutung, die Sebastian Mullaert als eine Hälfte des Duos auch mit seinen Solo-Exkursionen immer wieder zu unterstreichen wusste. Diesen Job macht auch »All The Keys Are Here« (Apollo) hervorragend und vereint vier organisch wuchernde, atmosphärisch gehaltene Versuchsanordnungen zu einem stimmungsvollen Kurztrip. 

Sebastian Mullaert

All the Keys Are Here

Release: 23.06.2017

℗ 2017 Apollo Records

Man muss schon sehr genau aufpassen, um wirkliche jede noch so seltsame Inkarnation von Inga Copeland mitzubekommen. Einst avancierte sie an der Seite von Dean Blunt als das kongenial betitelte Duo Hype Williams zum Kritikerliebling, mittlerweile hat sie aber recht abstrakte Pfade beschritten und ist immer wieder unter neuen Künstlernamen in Erscheinung getreten. Nun also Lolina mit der EP »Lolita« (lolina.bandcamp.com): drei verschwurbelte Grime-Instrumentale als Fundament für Copelands mal konfuse, mal geniale Monologe, wenig Erkenntnisgewinn im Allgemeinen und doch die Faszination dafür, wie sich aus dem Spiel mit der Künstleridentität so viel machen lässt.
Mit ihrem durch und durch organisch konstruierten Sound an der Schnittstelle von Disco und Deep House konnten sich Daniël Leseman und Hans Peeman alias Fouk bereits weit über ihre niederländische Heimat hinaus eine treue Hörerschaft erspielen. Mit »With Lasers« (Heist) kehren sie nun auf das Label ihrer nicht minder populären Landsleute Detroit Swindle zurück und liefern wie gewohnt ab. Verspielte Bassläufe, groovende Schlagzeug-Loops, quirlige Vintage-Synthesizer und jede Menge Funk erinnern den Hörer jede Sekunde daran, mit wem man es hier zu tun hat. 
Claude Speeed ließ Freunde obskurer Electronica-Klänge bereits im Jahr 2010 mit seinem American-Men-Projekt aufhorchen, das wie sein später folgendes Debütalbum noch bei Hudson Mohawkes Label LuckyMe erschien. Während der Wechsel des Labels bereits 2015 vollzogen wurde, erscheint mit »Infinity Ultra« (Planet Mu) nun auch das erste Album unter neuer Flagge. Claude Speeeds angenehm eigenartiger Signature-Sound klingt auch hier noch so, als hätten Brian Eno und Steve Reich einen nie erschienenen Playstation-Soundtrack zusammen aufgenommen: Ambient zu Zeiten eines allgegenwärtig verklärten Retrofuturismus eben. 

Claude Speeed

Infinity Ultra

Release: 14.07.2017

℗ 2017 Planet Mu Records Ltd.

Andrea Di Ceglie, Fedele Ladisa und Luigi Tutolo konnten in den vergangenen Jahren als Agents Of Time bereits auf namhaften Labels wie Correspondant oder Ellum Musik veröffentlichen, für ihre EP »Xylo« (Curle) wechseln sie nun noch einmal das Lager. Stilistisch bleibt sich das italienische Trio dabei durchweg treu, erlaubt sich auf einem Track wie »20 Seconds To Mars« aber hier und da ein wenig Trance, bevor es mit »Polarized« wieder in heimische Acid-Gefilde geht. Eine Handschrift, die immer noch mit jeder Veröffentlichung an Kontur gewinnt und sich deutlich von anderen Einträgen in die Label-Kataloge dieser Welt absetzen kann.

Agents Of Time

Xylo - EP

Release: 09.06.2017

℗ 2017 Curle / N.E.W.S.

Der Name DC Salas dürfte nicht jedem sofort ein Begriff sein, schließlich hat die Musik des Belgiers bisher eher übersichtliche Kreise gezogen. Eine Feststellung, die in Kürze hoffentlich anders ausfällt, denn der bürgerlich Diego Cortez Salas getaufte Produzent beweist mit seinem Debütalbum »The Unspoken« (Biologic) ein ausgeprägtes Talent für melodische und unprätentiöse Songs an der Schnittstelle von Techno, House und Pop. Ein Triumvirat, das nicht häufig zu guter Musik führt, hier aber tatsächlich gut zusammengeht.

DC Salas

The Unspoken

Release: 16.06.2017

℗ 2017 Biologic records

Mit »Reflections – Mojave Desert« (Pluto) veröffentlicht Sam Shepherd alias Floating Points den ersten Teil einer neuen Serie, die sich mit den Charakteristika ursprünglicher Naturlandschaften auseinandersetzt und auch genau dort aufgenommen und von der Regisseurin Anna Diaz Ortuño filmisch umgesetzt wird. Der erste Teil wurde im Joshua-Tree-Nationalpark der nordamerikanischen Mojave-Wüste aufgezeichnet und pendelt launisch zwischen schwülen Postrock-Passagen, Feldaufnahmen, psychedelischen Jazz-Einlagen und atmosphärischen Ambient-Ausflügen. 

Floating Points

Reflections - Mojave Desert

Release: 13.04.2017

℗ 2017 Pluto