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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Mit Philip Fassing

Maschinenraum #253

Alles, nur nicht einfach: Die spannendsten Neuheiten aus den Fächern für elektronische Musik geben sich diesen Monat besonders experimentierfreudig und düster.
Geschrieben am
Mit seinen schroffen und abstrakten Klangstudien sowie Veröffentlichungen für namhafte Labels wie L.I.E.S., Delsin oder Naïf ist Gunnar Haslam in den vergangenen Jahren zu einem der spannendsten Protagonisten der New Yorker Techno-Szene gewachsen. Mit »Kalaatsakia« (The Bunker New York) verdichtet Haslam seine oftmals kompromisslosen Ansätze nun stellenweise so sehr, dass hin und wieder nur noch sonische Materie oder skelettierte Grooves stehen bleiben. Gerade über die Länge eines Albums ist das alles andere als bequem und zugänglich, in seiner freigeistigen Haltung und undogmatischen Auseinandersetzung mit Club-Musik aber auch immer wieder höchst erhellend. 
Pearson Sound lässt mit »Robin Chasing Butterflies« (Pearson Sound) in diesem Jahr erstmals neue Musik von sich hören und erinnert mit drei verspult stotternden Tracks noch einmal eindringlich daran, weshalb er nach wie vor zu den interessantesten Produzenten und DJs aus dem erweiterten Umfeld der Hessle-Audio-Posse zählt. Vor allem die B-Seite zeigt sich mit dem melancholischen Taucherglocken-Groove von »Heal Me« oder der paranoiden Ambient-Studie »Eels« auf höchstem Niveau.

Pearson Sound

Robin Chasing Butterflies - Single

Release: 12.05.2017

℗ 2017 Pearson Sound

Dominick Fernow gilt in der US-DIY-Szene um einflussreiche Noise-Labels wie Troubleman Unlimited oder Load Records als Tausendsassa. Wie der Mann neben seinen unzähligen Projekten und Inkarnationen noch Zeit dafür findet, als Vatican Shadow immer wieder solch finstere und politisierte Techno-Dystopien zu produzieren, ist erstaunlich. Mit »Rubbish Of The Floodwaters« (Ostgut Ton) zeigt sich Fernow vielleicht nicht von seiner radikalsten Seite, dafür aber nach wie vor in Höchstform. Sowohl der rein atmosphärisch angelegte Opener als auch die rhythmisch treibenden Folgetitel tragen ihre unbehagliche Atmosphäre eher diskret, statt sie exponiert zu Schau zu stellen.

Vatican Shadow

Rubbish of the Floodwaters - EP

Release: 12.05.2017

℗ 2017 Ostgut Ton

Nachdem im April bereits der erste Teil erschienen ist, folgt mit »Remixed 2« (City Slang) nun der nächste Teil des Remix-Rundumschlags von Roosevelt. Dass dessen bereits im letzten Jahr erschienenes Debütalbum mehr als genug Stoff für reizvolle Neuinterpretationen bieten würde, stand wohl außer Frage – warum man die ganze Geschichte aufteilen muss, erschließt sich dagegen nicht so ganz. Nach hochkarätigen Variationen von Künstlern wie Prins Thomas oder Young Marco kann allerdings auch die zweite Rutsche überzeugen und lässt Gäste wie Andhim, Moscoman oder Justus Köhncke ran. 

Roosevelt

Remixed 2

Release: 12.05.2017

℗ 2017 City Slang

Es überrascht nur wenig, dass sich ausgerechnet Actress als Fan des analog-experimentellen Techno-Sounds von Emma Olson alias Umfang bekennt und die New Yorkerin kürzlich in einen Mix für seine Radiosendung beim BBC einspannte. Ähnlich wie ihr Gastgeber versteht es Olson nämlich hervorragend, den Begriff der Club-Musik maximal zu dehnen, ohne sich dabei in völliger Abstraktion zu verlieren. »Symbolic Use Of Light« (Technicolor) ist ein Album, das Vielfalt demonstriert. Gemein sind den Titeln lediglich das Skizzenhafte und die zur Schau gestellte Lo-Fi-Patina, musikalisch scheint dagegen von spröden Versuchsanordnungen bis zu bedrohlich dräuenden Acid-Reminiszenzen alles möglich zu sein. 

UMFANG

Symbolic Use of Light

Release: 16.06.2017

℗ 2017 Technicolour

Tom Ford alias Peverelist ist so etwas wie eine Schlüsselfigur der kontemporären Club-Szene Bristols und hat sowohl als DJ und Produzent als auch in der Rolle des Labelbetreibers einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen, der weit über die lokalen Verhältnisse hinausreicht. Mit »Tessellations« (Livity Sound) gelingt Ford eine verblüffend ausgewogene Balance aus seinen eher abstrakt-düsteren Ansätzen und dem Händchen für melodische Techno-Variationen.

Peverelist

Tessellations

Release: 26.05.2017

℗ 2017 Livity Sound Recordings

Mit dem programmatischen Titel »Rave Oscillations« (R&S) feiert der italienische Produzent Michele Mininni derweil seine inzwischen dritte Veröffentlichung. Nach der kuriosen EP »Tupolev Love« auf Optimo Trax folgt der namensgebende Titeltrack hier fast schon konventionellen Pfaden, schraubt sich dann aber doch noch in psychedelische Sphären hoch, aus denen er während der sieben Minuten Laufzeit auch nicht mehr herabsteigt. Mit der »Vortex Stasi« zeigen sich die starken Einflüsse aus Kraut- und Postrock dagegen weitaus deutlicher und den Newcomer noch einmal von einer ganz anderen Seite.

Michele Mininni

Rave Oscillations - Single

Release: 26.05.2017

℗ 2017 R&S Records

Dmitry Kuzmin alias Nuage hat in seiner bisher sechsjährigen Schaffensphase einen beeindruckenden Output hingelegt, der gerade in jüngerer Vergangenheit ganz neue Qualitäten annahm. Mit »Wild« (Project Mooncircle) läuft der russische Produzent nun zu Höchstform auf und legt 13 Titel vor, von denen kein einziger als Ausfall oder Lückenfüller bezeichnet werden kann. Detailverliebter und melancholischer Deep House, dekonstruierte 2-Step-Formeln und sinnliche Ambient-Texturen tragen eine durchgehend kohärente Handschrift, die zu gleichen Teilen verspielt und konzentriert wirkt. Das erinnert in seinen besten Momenten an den – im besten Sinne – verschwenderischen Sample-Verschleiß von Produzenten wie Bonobo oder Gold Panda, auch wenn im direkten Vergleich gewisse Gemeinsamkeiten ausbleiben.

NUAGE

Wild

Release: 05.05.2017

℗ 2017 Project Mooncircle