×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Mit Philip Fassing

Maschinenraum #252

Psychedelische Trance-Pirouetten, exzentrische Rave-Eskapaden und eine kreative Carte blanche – wo kommt nur schon wieder all diese gute Club-Musik her? 
Geschrieben am
Matt Cutler alias Lone widmet sich nach seinem letztjährigen Breakbeat-Exkurs mit »Levitate« wieder Rhythmen, die in geordneten Bahnen verlaufen. »Ambivert Tools Volume One« (R&S) markiert dabei den Start einer neuen EP-Reihe, die sich zumindest mit dem hier vorliegenden ersten Teil bevorzugt klassische House-Formeln zu eigen macht. Eine Disziplin, die Cutler erwiesenermaßen beherrscht und die auch hier vor allem über ihr nostalgisch verwischtes Sounddesign zu begeistern weiß – vorausgesetzt, man hat sich an der omnipräsenten Vorliebe für übersteuert produzierten Pastiche noch nicht sattgehört.

Lone

Ambivert Tools, Vol. 1 - Single

Release: 28.04.2017

℗ 2017 R&S Records

Paul Woolfords elaborierten Nebenschauplatz für basslastige Angelegenheiten, Special Request, schätzt man in der Regel weniger für seine subtilen Zwischentöne, sondern vor allem für seine physische Unmittelbarkeit. Die EP »Stairfoot Lane Bunker« (Houndstooth) mag auch unter genau diesen Vorzeichen beginnen, kippt aber zwischendurch in das komplette Gegenteil und schlägt mit pechschwarzen Ambient-Monolithen wie »Five Lane Ends« oder »Telepathic Dog« derart unbehagliche Töne an, dass man sich schnell ein ganzes Album dieser Art wünscht.

Special Request

Stairfoot Lane Bunker - EP

Release: 07.04.2017

℗ 2017 Houndstooth

Der Name Alexander Paul Coe alias Sasha dürfte den jüngeren Lesern vielleicht nicht allzu viel sagen – ältere Semester assoziieren den Waliser dagegen unwillkürlich mit der Wiege britischer Dance Music: dem Haçienda. Das ist lange her, und Coe hat seit der Initialzündung in Manchester eine Menge Musik veröffentlicht. »Out Of Time« (Kompakt) sticht dabei heraus, schließlich schlägt die Single mit ihrem gezähmten Breakbeat, schwebenden Flächen und dem Gesang von Channy Leaneagh (Poliça) einen maximal eleganten Bogen von der Vergangenheit in das Hier und Jetzt. 

Sasha

Late Night Tales Presents Sasha: Scene Delete

Release: 01.04.2016

℗ 2016 Night Time Stories Ltd.

Steven van Hulle alias Awanto 3 ist jemand, den man mit Blick auf die Amsterdamer House-Szene rund um die tonangebende Rush-Hour-Posse eine Schlüsselfigur nennen kann. Ein Umfeld, in dem eher undogmatische Club-Musik entsteht und das van Hulle mit seinen im besten Sinne kauzigen Visionen bereits seit vielen Jahren bereichert. Die Songs seines zweiten Albums »Gargamel« (Dekmantel) gehören dabei sogar zu seinen schrulligsten Produktionen – desorientierend, exzentrisch, humorvoll und gerade deshalb so gut. 

Awanto 3

Gargamel

Release: 10.04.2017

℗ 2017 Dekmantel

Jack Willis alias Decka veröffentlicht mit »Behemoth« (Spe:c) erst seine dritte Single, lässt damit aber schon enormes Potenzial erkennen. Der aus Bristol stammende Produzent denkt mit beunruhigender Konsistenz den bassverliebten Gestus seiner britischen Heimat und die schroffe Funktionalität des Berliner Signature-Sounds zusammen. »Cut Straight For The Rave« ist alles, was das Label dazu verlautbaren lässt, und das darf man ausnahmsweise mal ruhigen Gewissens so stehen lassen.
Für »Perception Shift /A« (Altin Village & Mine) hat Jan Barich alias Map.ache nicht weniger als die Carte blanche erhalten, mit der sich der DJ und Produzent uneingeschränkt am Katalog des Leipziger Labels bedienen durfte. Eine dankbare Ausgangssituation, schließlich mangelt es hier an einem ganz sicher nicht: an Vielfalt. Die Wahl von Barich fiel derweil auf Skeletons, Phoebe Killdeer & The Shift, Urban Homes und Sven Kacirek, aus deren Songs er gewohnt souverän neue Ideen schöpft und sie zu den unverkennbaren House-Elegien verbaut, für die der Leipziger seit Jahren geschätzt wird. 

Map.ache

Perception Shift /A - EP

Release: 31.03.2017

℗ 2017 Altin Village & Mine

Yuji Takenouchi dürfte einen Großteil seines Lebensunterhalts mit der Vertonung von populären Videospielen wie »Dark Souls« oder »Metal Gear Solid« verdient haben. In den späten 1990ern konnte der Japaner als Mr. YT allerdings auch mit eleganten Deep-House-Produktionen auf sich aufmerksam machen. Alle drei EPs aus dieser Schaffensphase sind mit »Brand New Day« (Apollo) nun noch einmal als Compilation erschienen. Absolut zeitlos und ein perfektes Fallbeispiel dafür, wie gut vor 20 Jahren erschienene Musik altern kann. 

Mr. YT

Brand New Day

Release: 10.03.2017

℗ 2017 Apollo Records

Mit Peter Lansky alias TML kann Hotflush Recordings einen weiteren Neuzugang verzeichnen. Langsam beginnt man sich aber zu fragen, ob sich das einst so stilbildende Label aus London mit diesem hohen Output einen Gefallen tut. Lanskys EP »No Memory« (Hotflush) ist eine grundsolide Angelegenheit, wenn man etwas für die vor Schmutz starrenden Industrial-, Lo-Fi- und Noise-Variationen klassischer Rave-Motive übrighat. Zum immer unschärfer werdenden Profil des Labels allerdings trägt sie nicht unbedingt bei. Meckern auf hohem Niveau – schon klar. Aber wie so oft wäre auch hier ein bisschen weniger mehr gewesen.
Bwana, bürgerlich Nathan Micay, gehört zu jener seltenen Gattung von Produzenten, die mit fast jeder Veröffentlichung eine neue Facette ihrer musikalischen Sozialisierung aufkochen, ohne dabei sprunghaft oder gar fahrig zu wirken. Mit »Three Way Is The Hard Way« (17 Steps) widmet er sich nun Electro-Funk aus der Vintage-Kiste und psychedelischen Trance-Pirouetten. Der Witz: Das Ganze funktioniert wieder wunderbar. Dass Avalon Emerson hier noch ganz nebenbei eine fantastische Neuinterpretation des Titeltracks abliefert, ist umso erfreulicher.