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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Mit Philip Fassing

Maschinenraum #246

Neue Singles, Alben, EPs, Compilations und Kollaborationen im Überblick – mehr Format-Vielfalt geht nun wirklich nicht. 
Geschrieben am
»Evidence From A Good Source« (3024) markiert das erste gemeinsame Album der niederländischen Bass-Enthusiasten Martyn und Steffi, die hier einmal mehr als Doms & Deykers firmieren. So wie beide als Solisten schon seit Jahren spannende Impulse in der Clubszene zu setzen wissen, laufen sie auch als Duo zur Höchstform auf. Mit einer vielfältigen und angenehm frei interpretierten Vorstellung von Techno und House wird die Hürde der Albumlänge fast schon spielerisch genommen und von cleveren Visionen ausgeleuchtet.
Mit »A Made Up Sound (2009–2016)« lässt David Huismann alias A Made Up Sound auf seinem gleichnamigen Label eine beeindruckend variable Karriere Revue passieren, die sich vereinfacht betrachtet in drei Perioden aufschlüsseln lässt: die frühe UK-Bass-Phase, eine eher technoide Etappe und die Ankunft auf gänzlich experimentellem Terrain. Ganz ohne Brüche kommt diese Compilation dementsprechend nicht aus – umso erstaunlicher, dass Singles wie »Alarm« oder »Sun Touch« auch sechs Jahre später nichts von ihrer rau und funky dahin groovenden Faszination verloren haben. 
Es grenzt mittlerweile schon an Wahnsinn, mit welcher unbeirrbaren Beständigkeit das Berliner Label Project Mooncircle eine fantastische Neuentdeckung nach der anderen in Umlauf bringt. Samuel Evans alias Rain Dog knüpft mit seinem zweiten Album »There Be Monsters« (Project Mooncircle) nahtlos an diesen Kurs an und kreiert auf einer Strecke von 16 Titeln unwahrscheinliche Momente der Intimität, die mit erstaunlicher Souveränität in Szene gesetzt werden. 

Rain Dog

There Be Monsters

Release: 30.09.2016

℗ 2016 Project Mooncircle

Uncanny Valley etabliert mit »Give’n’Take« derweil eine neue Serie, die zum Auftakt von Robert Arnold alias Cuthead bestritten wird und Künstler des Dresdner Labels dazu auffordert, sich eine Veröffentlichung mit den Lieblingskünstlern ihrer Wahl zu teilen. Im Falle des Debüts dieser Reihe ist das Ergebnis ein reizend heterogener Schlagabtausch zwischen Max Graef, S3A, Moony Me und eben Cuthead, die mit verstimmten Jazz-Samples, stotternden Grooves und ganz viel Seele kauzige House-Entwürfe wälzen. 

Various Artists

Give'n'Take - EP

Release: 13.07.2015

℗ 2015 Uncanny Valley

Ein Album von Jan Jelinek innerhalb eines Absatzes zu besprechen, ist milde gesagt anspruchsvoll – einen Versuch muss es alleine der Erwähnung halber trotzdem Wert sein. »Schaum« (Faitiche) ist die zweite Kollaboration mit der japanischen Vibraphon-Koryphäe Masayoshi Fujita, dessen Tonspuren hier einmal mehr von Jelineks charakteristischer Loop-Wissenschaft in Augenschein genommen werden. Liest sich seltsam, klingt aber tatsächlich genau so: als würden sich zwei auditive Wesen vorsichtig annähernd erkunden und abtasten, mit sachte auf dem Vibraphon dahingetupften Harmoniefiguren auf statisch kreisende Effektketten reagieren, sich dabei aber zu keiner Zeit wechselseitig dominieren.

Jan Jelinek & Masayoshi Fujita

Schaum

Release: 09.09.2016

℗ 2016 Faitiche

Dass man Kölschs Beiträge zur Speicher-Reihe eigentlich fast blind kaufen kann, dürften aufmerksame Leser dieser Kolumne bereits registriert haben. So verhält es sich auch mit »Speicher 93« (Kompakt Extra), die erneut von dem Dänen bestritten wird. Obwohl man hier bereits im Opener mit einem kolossalen Bläser-Loop konfrontiert wird, nimmt auch die B-Seite nur wenig Rücksicht auf die Pathos-Verträglichkeit des Hörers und schaukelt sich von einer geradlinigen Dub-Techno-Referenz in fast schon trancige Nuancen hoch.
Jan Simon Spielberger dürfte sowohl als DJ und Produzent unter dem Namen Shir Khan als auch in der Rolle des Betreibers von Exploited Records auf bewegte Jahre zurückblicken können. Ideale Voraussetzungen, um mit einer umfangreichen Compilation auch jene Hörer abzuholen, die vielleicht nicht immer alle Entwicklungen des Labels verfolgt haben, sich aber dennoch in dem variantenreich um House, Techno, Disco und Pop kreisenden Sound wiederfinden. So kommen mit »Shir Khan Presents Dancing And Romancing« (Exploited) auf drei CDs viele alte Bekannte zusammen, darunter etwa Munk, Claptone, Adana Twins, Joyce Muniz oder Moodymanc. 

Various Artists

Shir Khan Presents Dancing and Romancing

Release: 23.09.2016

℗ 2016 Exploited

Wenn Running-Back-Betreiber Gerd Janson und Permanent-Vacation-Affiliate Phillip Lauer mal wieder gemeinsame Sache machen, kann dabei eigentlich nicht viel schief gehen. Als Tuff City Kids konnte das Super-Duo bereits zahlreiche Hits in den Clubs dieser Welt lancieren und mit »Labyrinth« (Permanent Vacation) dürfte sich das kaum anders verhalten – nicht zuletzt, weil man hier mit der norwegischen Pop-Sängerin Annie den perfekten Gegenpart zu den discoiden Ausflügen der beiden gefunden hat. Als Vorbote eines geplanten Albums geht das Ganze jedenfalls hervorragend auf.
Hinter dem Namen Struction verbirgt sich der jüngste Neuzugang bei R&S Records, dessen Debüt-EP »Gefüge« derart routiniert daherkommt, dass man den Verdacht nicht ganz los wird, dem anonymen Seitenprojekt irgendeines etablierten Künstlers aufzusitzen. Alleine der Opener trägt hier bereits derart viel historischen und künstlerischen Ballast auf seinen Schultern, dass es wirklich viel Konzentration erfordert, den fliegenden Wechseln zwischen Techno, Breaks und UK-Bass zu folgen. Qualitäten, die nach hinten raus leicht nachlassen, aber trotzdem auf erstaunlich hohem Niveau gehalten werden können.

Struction

Gefüge - EP

Release: 14.10.2016

℗ 2016 R&S Records