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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Mit Philip Fassing

Maschinenraum #245

Das Sommerloch ist überwunden, der Maschinenraum läuft wieder auf Hochtouren: Das sind die aktuell spannendsten Veröffentlichungen aus dem Fach für elektronische Musik.
Geschrieben am
Mit »Caramel« (Planet Mu) veröffentlicht Tom Scholefield alias Konx-Om Pax sein bereits drittes Album, auf dem der schottische Produzent einmal mehr die akustische Entsprechung zu den abstrakten Visionen schafft, die er als Grafikdesigner und Animationskünstler schon für viele namhafte Künstler in Form von Live-Visuals und Artworks realisierte. Wie schon auf seinem vorangegangenen Album »Regional Surrealism« gelingt es Scholefield auch hier wieder hervorragend, den gerne mal ausufernden Umfang frei angelegter Ambient-Improvisationen auf das Wesentliche zu verdichten und verhältnismäßig wenig abzuschweifen. 

Konx-Om-Pax

Caramel

Release: 08.07.2016

℗ 2016 Planet Mu Records Ltd.

Dubstep-Urgestein und Weltenbummler Mala hat es nach seiner musikalischen Kuba-Reise aus dem Jahr 2012 nach Peru verschlagen, wo er für sein jüngstes Album »Mirrors« (Brownswood) lokale Musiker, regionale Klänge und natürlich die entsprechende Inspiration suchte. Überflüssig zu erwähnen, dass er fündig wurde. Der Respekt und unbedingte Wille zum Experiment, mit dem sich Mala diesen Aufnahmen widmet, zeugen hier von einer ganz eigenen Herangehensweise – ein Angang, der den einfachsten Weg per se auszuschließen scheint. 

Mala

Mirrors

Release: 24.06.2016

℗ 2016 Brownswood Recordings

Das Londoner Duo Molo verkettet derweil mit mathematischer Präzision ruhelos oszillierende Moll-Akkorde und lebhafte Percussion-Muster zu futuristischen R’n’B-Miniaturen, die über ihre verhältnismäßig geringe Spielzeit immer wieder verblüffend neue Formen annehmen. Fünf Titel zählt ihre jüngste EP »Shapes« (Symbols), von denen sich jeder unentwegt um die eigene Achse zu drehen scheint. Launisch möchte man das fast nennen – wäre es nur nicht so verdammt mondän und gelassen. 

Molo

Shapes - EP

Release: 10.06.2016

℗ 2016 Symbols Recordings

Felix Manuel alias Djrum ist bereits seit einigen Jahren eine zentrale Figur in der Evolution der britischen Bass-Musik und hat mit zahlreichen Veröffentlichungen aktiv an der fortwährenden Verpuppung zentraler Spielarten mitgewirkt. »Forgetting« (2nd Drop) markiert den ersten Teil einer geplanten EP-Trilogie und reißt mit gerade mal vier Titeln ein Referenzspektrum an, dass andere nicht mal in ein komplettes Album verbaut bekommen. So geht es von Post-Dubstep über Grime bis hin zu Ambient und Free Jazz, ohne dass man auch nur ein einziges Mal das Gefühl bekäme, irgendwo nicht mitgenommen zu werden.

Djrum

Forgetting - EP

Release: 10.06.2016

℗ 2016 2nd Drop Records

Auf »Rent Out« (Internetghetto) imaginiert der litauische Produzent Karolis Rimkus alias Ophex derweil eine völlig skelettierte Interpretation gängiger Jersey-Club-Motive, die ihre markante Dynamik einzig aus dem Spiel mit den Erwartungen zieht. Angedeutete Drops werden schlichtweg nicht in die gewohnte Energie umgesetzt, sondern prallen immer wieder jäh gegen die nachfolgende Loop-Variation. Das kann bisweilen irritieren, spielt aber zugleich auch erfrischend unbefangen mit den durchkonditionierten Gewohnheiten des Hörers. 
Gary Caruth alias Sad City widmet sich mit seinem Debütalbum »Shapes In Formation« (Meda Fury) einer Idee von Clubmusik, wie sie nach einer langen Nacht im Unterbewusstsein weiter ihre Kreise zieht, während man längst im heimischen Bett erschöpft gen Schlaf driftet. Lückenhaft und unwirklich, aber auch voll von seliger Melancholie. Songs, die eher Ahnungen gleichen und in ihrer Beschaffenheit so fragil anmuten, dass sie jederzeit wie eine flüchtige Erinnerung vom abschweifenden Geist geschluckt zu werden drohen. 

Sad City

Shapes in Formation

Release: 29.07.2016

℗ 2016 Meda Fury

Das selbsternannte »Depressive Suicidal Black Pop«-Trio WWWINGS war bereits im April dieses Jahres an dieser Stelle ein Thema, mit »Phoenixxx« (Planet Mu) erscheint nun das Debütalbum des enigmatischen Trios. Auch hier versucht man sich an der radikalen Dekonstruktion bestehender Clubmusikformeln, deren Gliederungen durch infernalisch verzerrte Effektketten und eine bis zur vermeintlichen Geschmacklosigkeit betonte Digitalästhetik auf den Kopf gestellt werden. So in etwa muss sich Timbaland im Merzbow-Remix anhören. 

Vatican Shadow

Media In the Service of Terror

Release: 10.06.2016

℗ 2016 Hospital Productions

Alan Abrahams alias Portable hat in seiner inzwischen über 15 Jahre andauernden Schaffensphase so viel Musik veröffentlicht, dass es allenfalls Fans der ersten Stunde gelingt, diesen umfangreichen Output in seiner Gänze zu kontextualisieren. Nichtsdestotrotz bietet sein jüngstes Album, irritierenderweise ebenfalls »Alan Abrahams« (!K7) betitelt, einen guten, weil äußerst zugänglichen, Einstieg in die Arbeit des gebürtigen Südafrikaners. Vor gar nicht so langer Zeit hätte man das noch Autoren-Techno genannt, heute würde man vermutlich eher von elektronischer Popmusik mit Hang zum Experimentellen sprechen – und die gelingt noch immer kaum jemandem besser als Portable.

Portable

Alan Abrahams

Release: 19.08.2016

℗ 2016 !K7 Records