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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Mit Philip Fassing

Maschinenraum #233

Sommerloch? Nicht im Maschinenraum. Wo kein Licht hinkommt, spielen auch die Jahreszeiten keine Rolle.
Geschrieben am
Es ist nicht nur die Tracklist von Charles Duffs Debütalbum »Homesick« (Ghostly International), die sich wie das Inhaltsverzeichnis eines dystopischen Groschenromans aus den 1980ern liest. Der als Matrixxman bekannte DJ und Produzent soll angeblich eine Obsession für kontemporäre Science-Fiction-Literatur und Verschwörungstheorien jeglicher Art pflegen. Viel wichtiger ist allerdings, wie souverän der Kalifornier aus dieser Vorliebe eine abstrakt-technoide Parabel formt.
Paul Lynch alias Slackk demonstriert derweil mit »Backward Lights« (R&S), wozu instrumentaler Grime heute noch fähig ist. Ähnlich wie auf seinem letztjährigen Album »Palm Tree Fire« türmt der aus Liverpool stammende Produzent fernöstliche Skalen zu wackeligen Melodietürmen auf, die – vom harten Stakkato der Drums erschüttert – jeden Moment zu kollidieren drohen. So bleiben unterm Strich sechs Titel, die ähnlich kurzweilig daherkommen wie ein betrunkener Abend mit Jenga-Turm.

Slackk

Backwards Light - EP

Release: 05.06.2015

℗ 2015 R&S Records

Breach hingegen kommt mit seiner EP »Dim Sum« (Aus Music) fast schon aufgeräumt daher, ziert sich aber auch nicht davor, seinen Breaks ein wenig Pathos zu gönnen. Vor allem das eröffnende Titelstück entwickelt sich nach hinten raus zu einem überraschend expressiven Crescendo für die Tanzfläche. Daran gemessen, fällt die Begeisterung für den Rest der EP eher nüchtern aus, den Titeln gehen bei allem Groove genau jene unerwarteten Wendungen ab.

Breach

Dim Sum EP

Release: 22.05.2015

℗ 2015 Aus Music

Auch Jamie Roberts alias Blawan ist nicht gerade das, was man einen klassischen Crowd-Pleaser nennen würde. Unter dem Namen Karenn entfesselt der Engländer zusammen mit Arthur Cayzer alias Pariah schon seit geraumer Zeit grimmige Techno-Improvisationen, deren Einfluss auch auf »Warm Tonal Touch« (Ternesc) deutlich zu spüren ist. Warm ist hier allenfalls die Patina der analogen Maschinen, mit denen diese schnörkellosen Versuchsanordnungen fabriziert wurden – alles andere schmeckt nach Ruß und Stahl.
Guter Zeitpunkt, um sich in die wohligen Melodiefetzen von Hackmans EP »Semibreves« (Halocyan) einwickeln und die geschüttelten Percussion-Loops auf sich einprasseln zu lassen. Das kann zumindest der Titeltrack leisten, der allerdings von Kinks ebenfalls enthaltenem Remix in den Schatten gestellt wird. Timo Maas türmt in seiner Neuinterpretation auf der B-Seite noch eine haushohe Bassline auf, die die Vorlage aber auch nicht wirklich groß ergänzen kann. Durchwachsen.
Während muskulöser Bassline-House aus England nach wie vor den Ton angibt, stößt klassischer Minimal Techno derzeit nicht mehr auf ganz so viel Konsens. Umso schöner, wenn ein routinierter Produzent wie Mathias Kaden seinem Stil dennoch treu bleibt und das auch auf Albumlänge überzeugend transportiert. »Energetic« (Freude am Tanzen) versammelt zehn reduziert verspielte Titel, die sich erfreulich viel Raum gönnen, um ihre kompakten Grooves zu entfalten. 

Mathias Kaden

Energetic

Release: 29.05.2015

℗ 2015 Freude am Tanzen

»The Dusun Sessions« (Mouthwatering) von Bass Sekolah entstand ausschließlich in einem Studio des Berembun Forest Reserves – also mitten im malaysischen Regenwald. Dort lud sich das Duo illustre Gäste wie Perera Elsewhere, Daedelus oder Phon.o ein, um diese elf kollaborativen Songs aufzunehmen. Ein ungewöhnliches Projekt, bei dem das Setting weitaus mehr als nur Kulisse ist und sich deutlich in den facettenreichen Songs niederschlägt.

Bass Sekolah

The Dusun Sessions

Release: 01.05.2015

℗ 2015 Mouthwatering Records

Ähnlich eklektisch lässt es Pascal Terstappen alias Applescal auf seinem vierten Album »For« (Atomnation) zugehen. Was hier im Schnelldurchlauf leicht fahrig anmutet, stellt sich bei genauerer Betrachtung als erstaunlich durchdacht heraus. Hängen bleiben dabei vor allem die klassischen Electronica-Momente, wie man sie auch von Labels wie Morr oder Plug Research kennt.

Applescal

For

Release: 15.05.2015

℗ 2015 Atomnation

Das Cover von »Time Is Running« (Kompakt) mag Michael Mayer und Reinhard Voigt als ergraute Techno-Eminenzen inszenieren, der Eröffnungstitel »The Stickler« mutet mit seinem treibenden Percussion-Loop und dem mächtigen Sägezahn-Bass dagegen alles andere als verbraucht oder gestrig an. Mehr braucht es eben manchmal gar nicht.
Boris Mezga alias Comfort Fit bewunderte man bisher vor allem für seine zwischen abstraktem HipHop, Electronica und Dub schwingenden Shuffle-Exzesse. Von denen ist auf seiner EP »Mezga« (Musik Krause) allerdings nicht mehr viel zu hören. Allenfalls der Jazz ist den verspulten Versuchsanordnungen noch anzuhören. Das mag nicht besonders zugänglich sein, dafür aber auch alles andere als faul oder gar einfallslos. Ein bisschen von den eigenen altbewährten Formeln abzuweichen hat schließlich noch niemandem geschadet.