×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Mit Philip Fassing

Maschinenraum #232

Steuerbord voraus: Die spannendsten Veröffentlichungen aus Techno, House und UK-Bass veranlassen diesen Monat zu nautischen Metaphern.
Geschrieben am
Der sonische Wellengang von Brailles »Mute Swan« (Friends Of Friends) mag zunächst behutsam in den Gehörgang schwappen. Über die Dauer des Albums entwickelt sich dieses sanfte Gewoge aber schnell zu einem bittersüßen Mahlstrom der Emotionen, der schon den nicht minder hochkarätigen Seitenprojekten des New Yorkers innewohnte. So auffällig distinguiert wie hier klangen Brailles moderne Interpretationen von R’n’B, Dub und Ambient aber nur selten.

Braille

Mute Swan

Release: 01.05.2015

℗ 2015 Friends Of Friends

Der Moskauer Produzent und Labelbetreiber Alexey Devyanin alias Pixelord lässt den Hörer dagegen erst gar nicht selig auf der Luftmatratze treiben, sondern stößt ihn direkt in das kühle Nass. Einmal abgetaucht, hören wir auf »Places« (Hyperboloid) die gedämpften Echos vergangener Club-Epochen, die wie flauschige Schäfchenwolken über die Wasseroberfläche hinwegziehen – oder sitzen wir hier etwa doch nur zu alten Warp-Platten halluzinierend im Ketaminloch? 

Pixelord

Places

Release: 31.03.2015

℗ 2015 Hyperboloid Records

Die schwarz gekleidete Rave-Dystopie von Kastles EP »Hyperreality« (Symbols) zieht uns mit ihren dräuenden Staubsauger-Bässen und gespenstischen Sample-Montagen gleich noch viel tiefer in die Dunkelheit. Einmal dort unten angekommen, stiften allenfalls noch die verhallten Stimmfragmente aus der Konserve ein wenig Hoffnung. Kurz: So finster klingen aktuelle UK-Hardcore-Reminiszenzen nur selten – und das ist durchaus als Kompliment zu verstehen.

Kastle

Hyperreality - EP

Release: 21.04.2015

℗ 2015 Symbols Recordings

Chris Finke alias Bodyjack kommt da mit vergleichsweise wenig stilistischen Ornamenten aus, um sein Verständnis von ungeschliffen pumpender House Music zu transportieren. Dass es dem Engländer dabei aber auch noch gelingt, mit »Throwdown« (Bodyjack) ausgerechnet Gwen McCraes »Funky Sensation« (zur Erinnerung bitte einmal summen: »Come on, clap your hands and feel the groove«) einen reizvollen Dreh zu verpassen, ist nur einer von vielen Gründen, sich zu verneigen. 
Vor dem italienischen Duo LTD Colours muss man angesichts seiner EP »In Between« (Infinite Machine) allerdings genauso den Hut ziehen, denn zeitgemäßer und überzeugender lässt sich der Geist von Jungle wohl kaum in die Gegenwart transportieren. Fernab von Dreadlocks, verkifften MCs und anderen Klischees zeichnen die beiden Produzenten aus Mailand einen gestochen scharfen Kontrast aus tonnenschweren Bässen, virtuosem Drum-Programming und klug angedeuteten Leerstellen.

LTD Colours

In Between - EP

Release: 23.03.2015

℗ 2015 Infinite Machine

Momente der Stille sucht man auf Kölschs jüngster Single dagegen vergeblich. »DerDieDas« (Kompakt) ist mal wieder eins jener vor Melancholie überbordenden Epen, für die man den Dänen seit jeher schätzt. Mehr als sieben Minuten gönnt sich der Produzent mit dem vollen Namen Rune Reilly Kølsch, um sein wehmütiges Synthesizer-Riff auszurollen und in elegische Streicher einzuwickeln. Die B-Seite spannt mit »Two Birds« ein nicht minder euphorisches Panorama auf, gibt sich in der Ansprache aber doch etwas luftiger. 

Kompakt Extra

Derdiedas

Eine wie auch immer geartete Ansprache rationalisiert Cosmin TRG auf seiner jüngsten Single »Uzura / Vitriol« (Fizic) gleich gänzlich weg und gibt dem Hörer gerade mal so viel an die Hand, dass die beiden Titel eben noch als solche erkennbar bleiben. Das ist an sich nicht besonders verwerflich, nur ist man von dem rumänischen Produzenten weitaus inspiriertere Formen der experimentellen Club Music gewohnt. Weder die A- noch die B-Seite kommen besonders weit über ihr Selbstverständnis als stampfende Industrial-Techno-Tools hinaus.

Cosmin TRG

Fizic02 - Single

Release: 27.04.2015

℗ 2015 Fizic

Auf Bwanas EP »Tengo« (Aus) macht es sich der offensichtliche Hit irritierenderweise auf der B-Seite gemütlich: »Due West« ist vielleicht der schönste Techno-Garage-Hybrid seit Langem und stolpert über sechs Minuten lang so unbeirrt gen Höhepunkt, dass es eine wahre Freude ist. Die doppelt besetzte A-Seite agiert auf einem ähnlich hohen Niveau und übergießt die grollenden Grooves von »Tengo« und »Drop Mechanism« mit bittersüßen Streicherharmonien. 

Aus Music

Tengo [Vinyl LP]

Ross Tones alias Throwing Snow hat viele Gesichter und mindestens genauso viele Seitenprojekte. Seine jüngste Single »Lumen / Paint By Numbers« (Houndstooth) feierte zunächst im Essential Mix von Four Tet und Jamie xx Premiere und zielt mit ihren euphorischen Synthesizer-Crescendi auf die Tanzfläche ab, wo vor allem die A-Seite für verschlungene Beine sorgen dürfte. 

Throwing Snow

Lumen - Single

Release: 07.04.2015

℗ 2015 Houndstooth