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Der Schleicher

Mano Le Tough

Mit seinem Remix des Róisín-Murphy-Stücks »Simulation« gehörte Mano Le Tough zu den Clubmusik-Shooting-Stars des letzten Jahres. Nun legt er mit »Changing Days« sein Debütalbum vor. Sebastian Ingenhoff sprach mit dem Iren über den Reiz der langsam groovenden Bassdrum.
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Balearische Musik entsteht oft dort, wo es am wenigsten sonnig ist: Die dunklen Studiokeller von Oslo galten in den Nullerjahren als Zentrum jener entschleunigten Variante der elektronischen Tanzmusik, die wahlweise Cosmic-, Space- oder eben Balearic-Disco genannt wird und sich aus Elementen von Afrobeat, Krautrock und Synthiepop speist. Über DJs wie Hans-Peter Lindstrøm, Todd Terje oder Prins Thomas erlebte das erstmals in den 70er-Jahren populär gewordene Genre ein Revival.

Vor allem die Produktionen von Lindstrøm seien für ihn ein Erweckungserlebnis gewesen, erzählt Niall Mannion. Sie bewogen den Iren, der sich als Produzent Mano Le Tough nennt, dazu, sich selbst hinter die Geräte und Plattenspieler zu klemmen, um Musik zu produzieren und aufzulegen. Aufgewachsen ist der Endzwanziger in Greystones an der Irischen See. Das 10.000-Seelen-Kaff gewann 2008 zwar den LivCom Award der »Lebenswertesten Stadt der Welt für Orte bis 20.000 Einwohner«, ist laut Mannion ausgehtechnisch aber nur bedingt reizvoll. Bis nach Dublin sind es jedoch nur knapp dreißig Kilometer, und in den dortigen Clubs verbrachte er einen Großteil seiner Adoleszenz und ließ sich in Sachen Popmusik schulen. Mit ein paar Freunden gründete er die Band Hang Tough. Man zog in ein Haus, probte, trank viel und zerstritt sich nach einiger Zeit. Das »Tough« behielt er auch nach dem Ende der Band bei, ergänzte es jedoch um seinen Spitznamen »Mano«, eine Abkürzung von Mannion, und zog nach Berlin. Dort startete er mit seinem Kumpel und Mitbewohner The Drifter, ebenfalls Ire, die Partyreihe »Passion Beat«. Auf Prins Thomas’ Label Internasjonal erschien 2009 eine erste EP, die schnell ihre Kreise zog. Mannion wurde von Leuten wie Tensnake und den Permanent-Vacation-Jungs hofiert und sorgte mit seinem Remix des Róisín-Murphy-Stücks »Simulation« für einen der knackigsten Clubhits des letzten Jahres.

Sein Debütalbum »Changing Days«, das nun auf Permanent Vacation erscheint, könnte die Art von Konsensalbum werden, das John Talabots »ƒin« im letzten Jahr war. Wie der Spanier fusioniert auch Mano Le Tough verschleppte Beats, knisternde Rhythmuselemente und ätherische Melodien zu einer Form von elektronischer Tanzmusik, die fast als Popsong durchgeht, aber eben auch als euphorisierende Peaktime-Waffe im Club funktioniert. All das bei einem Tempo von oft nur knapp über hundert beats per minute. Doch »Changing Days« soll mehr sein als eine bloße Sammlung von Clubhits, sagt Mano Le Tough: »Mir war es wichtig, dass das Album eine konsistente Stimmung hat, die sich über alle Songs hält. Die Sache mit dem reduzierten Tempo war keine bewusste Entscheidung. Das Tempo passt einfach hervorragend zu der Atmosphäre, die ich vermitteln wollte.«

Aufgenommen hat er das Album im Alleingang, auch die Vocals stammen allesamt von ihm. Prominente Gastsänger sollten trotz der zahlreichen Kontakte nicht ins Boot geholt werden, ein eigenständiges Künstleralbum war das Ziel. Dennoch wird es demnächst eine Kollaboration der besonderen Art geben: Zuletzt wurde Mano nämlich des Öfteren mit John Talabot zusammen im Studio gesichtet. Eine Zusammenarbeit, die durchaus Sinn macht, denn beide haben ein Händchen für den gefühlvollen Groove. Bis dahin wird er mit »Changing Days« nicht nur in den Clubs, sondern vermutlich auch auf den größeren Festivalbühnen reüssieren.

Mano Le Tough »Changing Days« (Permanent Vacation / Groove Attack / VÖ 22.02.13)