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Wenig Worte, große Gefühle

Mammút live in Hamburg

Die isländische Band Mammút sorgte für fesselnden Krautrock mit mysthischem Einklang in der Nochtwache und stieß dabei auf ein dankbares Publikum.
Geschrieben am
22.10.17, Hamburg, Nochtwache

Grandios eröffnet wird der Abend in der Nochtwache von der norwegischen Band Broen. Mit neonfarbenen, blumenverzierten Outfits und Masken einer Londoner Künstlerin stehen sie auf der Bühne. Musikalisch zwar weniger rockig als in einer Fusion zwischen Elektronik, HipHop und R'n'B verortet, gibt die Band, ebenfalls mit einer Frontfrau, zwei weiteren Frauen und Männern, einen Vorgeschmack auf das, was an dem Abend noch kommt. Skandinavien, im weitesten Sinne, wird hier heute mit zwei auf ihre Art progressiven Bands vorbildlich repräsentiert.

Mit ihrem Song »Breathe Into Me« eröffnen Mammút ihr Konzert. Es sind die Frauen, Bassistin Ása, Gitarristin Alexandra und Sängerin Kata, die im Mittelpunkt der fünfköpfigen Band aus Reykjavík stehen und von Schlagzeuger Andri und Gitarrist Arnar zurückhaltend ergänzt werden. Es ist Kata, auf die sich die Aufmerksamkeit richtet, wenn sie singend an ihrem Kehlkopf zerrt, um ihre Stimme zum Äußersten zu bewegen, während Alexandra ganz auf ihr Instrument konzentriert beim Spielen die Augen schließt. Ása wiegt sich anmutig mit ihrem Bass und lächelt immer wieder schüchtern ins Publikum. 

Katas Make-up ist dezent im Vergleich zu Auftritten, bei denen sie ihr ganzes Gesicht wie einer okkulten Gruppe angehörend schwarz anmalt. Aber unabhängig von Outfit und Make-up ist es ihr Tanz, sind es ihre Gebärden, die Art wie sie die Bühne für sich nutzt, um in ihren Liedern ganz aufzugehen. Wild, ungezähmt, sich der Ekstase der Lieder hingebend.
Ihre Lieder singen sie teilweise auf englisch, teilweise in ihrer Muttersprache. Vor allem die älteren Stücke, die isländischen Songs, sind es, die nach düster-verträumten Märchen klingen, in denen es um Berge und Landschaften geht. Mit Ansagen an das Publikum halten sie sich zurück, Kata bestätigt aber, die Band freue sich in Hamburg zu sein und erwähnt das Konzert, das sie 2010 in der Astrastube gaben und ihnen deutlich in Erinnerung geblieben ist, weshalb Hamburg ein »special place« für sie sei.

Die Nochtwache wird an diesem Abend ebenfalls zum besonderen Ort, bietet eine intime Atmosphäre zwischen Band und Publikum, das schummrige Licht steuert dazu bei. Nachdem aus dem Publikum isländische Dankessagungen gerufen werden und spätestens als Kata ein Astra hochhält  und sagt, das mit der Hansestadt assoziierte Bier tränken sie jedes Mal, wenn sie in der Stadt seien, ist die Stimmung aufgetaut. Nach Mammúts Interpretation von Chers »Believe« behauptet Kata augenzwinkernd, das wäre ihr neuer Song vom kommenden Album gewesen.

Die Band live spielen zu sehen, ist fesselnd, lässt den Geist ihrer Musik noch nachvollziehbarer werden. Nach dem hypnotischem »We Tried Love«, knapp eine Stunde nachdem sie die Bühne betreten haben, verabschieden sich Mammút wieder. Für eine Zugabe kehren sie dann allerdings doch noch zurück, weil sie die wirklich noch für das Hamburger Publikum spielen wollte, so Kata. Und das wollte sie auch wirklich hören.

Mammút

Kinder Versions

Release: 14.07.2017

℗ 2017 Bella Union