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Dein Herzblatt

Malcolm Middleton vs. Aidan Moffat

Auch wenn manche es immer noch nicht so recht glauben mögen: Arab Strap, die großartigen, todtraurigen und lüsternen Schotten, sind Geschichte.
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Auch wenn manche es immer noch nicht so recht glauben mögen: Arab Strap, die großartigen, todtraurigen und lüsternen Schotten, sind Geschichte. Die beiden Bandmitglieder, Malcolm Middleton und Aidan Moffat, haben schon zu Lebzeiten von Arab Strap Solokarrieren gestartet und bringen gerade fast zeitgleich neue Alben heraus. Eine gute Gelegenheit, beide dazu zu befragen, wie sie denn heute die Arbeit des Ex-Partners bewerten.

Hast du die neue Platte des anderen gehört? Wie findest du sie?
MM: Ja, ich habe sie gehört und finde sie beeindruckend. Es ist kein musikalisches Album im klassischen Sinn. Es fühlt sich eher an wie ein naher Freund, der dir von sehr persönlichen Aspekten seines Lebens erzählt. Aidan hat das großartig gemacht, er hat einen Weg gesucht, Musik und Literatur zu verbinden, und er hat ihn gefunden. Seine Sprache ist so rau, hart und unmittelbar. Eine wunderbare Platte. Ich weiß nicht genau, ob die Leute das ganze Konzept der Platte so nachempfinden werden. Dass man erst die Kurzgeschichte lesen und dann die Tracks hören muss, damit alles Sinn ergibt. Ich hoffe es, aber in Zeiten, in denen die Leute vornehmlich einzelne Tracks downloaden, wird es schwierig. Man muss schon das ganze Album mit seinem Artwork kaufen, um es richtig nachvollziehen zu können. Die Platte stellt besondere Ansprüche an den Hörer. Aber gerade das gefällt mir sehr gut.
AM: Ja, Malcolm hat sie mir vor ein paar Tagen gegeben. Ich finde sie toll, viel besser als "A Brighter Beat" davor. Die ruhige Stimmung und die reduzierten Arrangements passen viel besser zu ihm und seinem Gesang. Und er ist und bleibt ein großartiger Musiker und Songwriter.

Hätte die Platte des anderen im Kontext von Arab Strap veröffentlicht werden können? Wäre sie unter dem Banner von Arab Strap überhaupt denkbar gewesen?
MM: Nein, wohl nicht. Arab Strap wollten immer Songs schreiben. Wir wollten Musik machen.
AM: Wahrscheinlich nicht. Malcolm war immer der musikalischere Typ. Für "I Can Hear Your Heart" zum Beispiel wollte ich keine zu ernsten Tracks, der Sound hinter den Texten sollte eher ein wenig cheesy und nebensächlich klingen. Er sollte eher einen spaßigen Hintergrund, einen Kontrast liefern. Das hätte Malcolm für Arab Strap wohl nicht gut gefunden, auch wenn unsere gemeinsamen Platten lang nicht so traurig waren, wie sie immer wieder bewertet wurden.

Was sagst du zu den Entscheidungen, die der jeweils andere für seine Solokarriere getroffen hat? Passen sie zu ihm, und hast du diesen Weg so von ihm erwartet?
MM: Na ja, es ist ja gerade erst etwas mehr als ein Jahr her, dass wir uns getrennt haben. Und er hat neben dieser Platte ja auch andere Projekte am Laufen, z. B. Lucky Pierre und Aidan Moffat & The Best-Ofs, die deutlich mehr von dem haben, was wir als Arab Strap gemacht haben. Außerdem bin ich wohl noch zu nah dran, um das wirklich beurteilen zu können, schon heute Abend treffen wir uns wieder auf ein Bier.
AM: Schwierig. Ich wusste immer, was für ein toller Songwriter er ist und dass er Musik machen könnte, die viel Aufmerksamkeit erreichen würde. Er hat sich dafür entschieden, schnell mehrere Platten mit einem hohen Aufwand zu produzieren. Er ist und war immer ein sehr harter Arbeiter. Ich dagegen brauchte nach Arab Strap erst mal eine Pause, um zur Ruhe zu kommen und andere Dinge auszuprobieren.Woran denkst du am häufigsten, wenn du die Musik des anderen hörst?
MM: Lass mich überlegen ...: an seinen buschigen Vollbart. Und an seine schönen braunen Augen.
AM: Ich denke oft an Solosachen von ihm, die keiner außer mir kennt. Denn noch bevor wir Arab Strap gründeten, gab er mir fünf Tapes mit Songs von sich. Diese Songs sind für mich nach wie vor die besten, die er je gemacht hat. Sie waren ein entscheidender Grund für die Gründung von Arab Strap. Leider darf ich sie nicht herausgeben, das würde ihm wohl nicht besonders gefallen.

Und was ist seine außergewöhnliche künstlerische oder musikalische Fähigkeit?

MM: Oh, Aidan ist jemand, der sehr gerne die Kontrolle über die Dinge behält. Er mag es, die Songs konzeptionell zu verbinden und sie möglichst ursprünglich und reduziert zu halten. Er ist ein unglaublicher Schlagzeuger, wahrscheinlich der beste, den ich je gehört habe. Unsere Auseinandersetzungen gingen meistens darum, dass er die Musik reduziert haben wollte, während ich sie gerne voller, klassischer und mit mehr Melodien mochte. Und er hat so etwas wie ein natürliches Gehör für Musik, er weiß sehr schnell, wie er etwas klingen lassen will.
AM: Neben vielem anderen ist er ein großartiger Gitarrist. Ich liebe auch seine Texte, seine Stimme und seine Songs. Aber das, was mich immer am meisten beeindruckt hat, war sein Gitarrenspiel.

Wenn man eure Solosachen hört, bekommt man den Eindruck, dass ihr euch möglicherweise gegenseitig musikalisch gehemmt habt. Kann man das so sagen?
MM: Ja, definitiv. Mein erstes Soloalbum wurde oft besprochen als ein massiv von den ruhigen und schwermütigen Arab-Strap-Stücken beeinflusstes Album, in Wahrheit aber war es ein Kampf gegen die gebrochene, abstrakte Musik, die wir mit der Band damals machten. Aidan hatte zu der Zeit mit Lucky Pierre auch schon ein Projekt, das genauso in Opposition zu Arab Strap stand. Wir beide brauchten das. Die Arbeiten am letzten gemeinsamen Album haben dann gezeigt, dass wir beide zu viele Kompromisse eingehen mussten, dass die Auseinandersetzung im Studio nicht mehr wirklich produktiv war. Ab da war eigentlich klar, dass wir beide uns neuen Dingen zuwenden müssen.
AM: Ja, das ist wahrscheinlich richtig und wohl auch völlig normal. Es gehört einfach dazu, dass man manche Dinge nicht durchsetzen kann, wenn man zu zweit Musik macht. Außerdem wird das ja auch durch unsere Soloprojekte deutlich.

Das Interview führte Christian Steinbrink

INTRO verlost 3 x das aktuelle Aidan John Moffat-Album 'I Can Hear Your Heart'. Einfach eine Mail an: verlosung@intro.de.