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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Die Wälder um Glasgow

Malcolm Middleton

"Wenn man so lange mit derselben Band unterwegs ist, kann es passieren, dass man in eine Art musikalische Grube fällt. Auch wenn wir mit Arab Strap von Platte zu Platte anders klingen wollten, klang es doch immer nach Arab Strap, auch wegen Aidans Gesang. Unsere Soloalben sind im Prinzip Reaktionen
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"Wenn man so lange mit derselben Band unterwegs ist, kann es passieren, dass man in eine Art musikalische Grube fällt. Auch wenn wir mit Arab Strap von Platte zu Platte anders klingen wollten, klang es doch immer nach Arab Strap, auch wegen Aidans Gesang. Unsere Soloalben sind im Prinzip Reaktionen auf diese Limitierung." So spricht Malcolm Middleton, neben Aidan Moffat zweites Mitglied der Glasgower Langsamband Arab Strap. Er hat die Zeit zwischen den Aktivitäten seiner Hauptband genutzt, um sein zweites Soloalbum fertig zu stellen, an dem er seit letztem Jahr gearbeitet hat.

Nach dem durch und durch düsteren Erstling "5:14 Fluoxityne Seagull Alcohol John Nicotine" hat er nun mit "Into The Woods" ein Album aufgenommen, das durch einen starken atmosphärischen Kontrast geprägt ist. Während die Songs deutlich poppiger und fröhlicher ausgefallen sind als auf dem Vorgänger, zeigen die Texte wie befürchtet geradezu selbstzerstörerische emotionale Abgründe auf. Durchaus gewollt, wie Malcolm versichert: "Ich wollte Musik machen, die man gerne hören mag, auch, um die Atmosphäre meiner Texte etwas abzumildern. Ich wollte, dass das Album Spaß macht. Dass nicht mehr alle Elemente meiner Songs denselben düsteren Eindruck vermitteln." Ein Stück weit hat er das auch mit der Wahl des Titels umgesetzt: "Der erste Titel entstammte einem Alptraum. Er fasst zusammen, was zu dieser Zeit in meinem Leben stattfand. Der neue Albumtitel sollte kürzer sein, einfacher auszusprechen. Er hat aber auch eine kathartische Bedeutung: hinauszugehen und etwas total anderes zu machen."

Auch in seiner Arbeitsweise hat Middleton einiges verändert. Zum ersten Mal entstanden zwei Songs am Computer, nicht an der Gitarre. Und weil er die Songs schon sehr weit vorbereitet und konkrete Vorstellungen entwickelt hatte, wie sie letztendlich klingen sollten, verzichtete er auf einen zusätzlichen Produzenten. "Zu 70 % habe ich die Songs alleine eingespielt, den Rest haben Freunde von mir übernommen, z. B. Mitglieder von Mogwai und den Delgados."

Auch wenn einige von Middletons Texten zu dem Traurigsten gehören, was man sich vorstellen kann, waren die Reaktionen, die er erhielt, alles andere als düster: "Die meisten Leute sagen, dass sie meine Musik tröstet oder wenigstens zufrieden macht." Und nicht nur das: "Ein Freund eines Freundes arbeitet in der Psychiatrie. Er spielte dort einigen Patienten meine Songs vor. Als eine Art therapeutische Maßnahme. Ich dachte erst, dass er Witze macht, aber scheinbar hatte er tatsächlich das Gefühl, dass die Stücke auf die Patienten einen wohltuenden Einfluss haben könnten." Wer so wohltuend wirken kann, sollte nicht aufhören, an Musik zu arbeiten. Tut Middleton auch nicht. Ein neues Arab-Strap-Album ist fertig und kommt wohl im Oktober.