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Fieberkurven

Malaria!

History repeating! Nach dem unerhört großen Erfolg des Chicks-On-Speed-Remixes von "Kaltes Klares Wasser" erlebt die Früh-80er-Kultformation Malaria! eine Wiedergeburt im neuen Jahrtausend. Grund genug, bei Gudrun Gut, der ehemaligen Drummerin und heutigen Chefin des Berliner Monika-Labels, ein paar
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History repeating! Nach dem unerhört großen Erfolg des Chicks-On-Speed-Remixes von "Kaltes Klares Wasser" erlebt die Früh-80er-Kultformation Malaria! eine Wiedergeburt im neuen Jahrtausend. Grund genug, bei Gudrun Gut, der ehemaligen Drummerin und heutigen Chefin des Berliner Monika-Labels, ein paar Geschichtsstunden zu nehmen und über das aktuelle Remix-Album "Versus ..." zu reden, auf dem befreundete Musiker weitere Malaria!-Songs updaten.

Kalt

Westberlin, Anfang der 80er. Das SO36 in der Oranienstraße in Kreuzberg war neben Indie-Plattenläden wie dem Zensor in Schöneberg einer der wichtigsten Orte für den musikalischen Untergrund. Später stand das u. a. von Blixa Bargeld organisierte Festival Genialer Dilettanten als Sammelbegriff für eine Aufbruchsphase zwischen Punk und Neuer Deutscher Welle, zu der neben den Einstürzenden Neubauten so unterschiedliche Bands wie Din A Testbild, Frieder Butzmann oder Die Tödliche Doris gehörten.

Malaria! waren eine der ersten deutschen Indie-Frauenbands, die in diesem Umfeld schnell internationalen Kultstatus erreichten: "Wir waren damals vielleicht sogar bekannter als die Neubauten", meint Gudrun Gut heute. "Ich war zwar 1980 für ein Jahr bei den Neubauten, meine Hauptband war aber Malaria!"

Das Line-up der Band bestand 1981 neben Bettina Koster und Gudrun Gut, die vorher als Mania D. zusammengespielt hatten, aus Manon P. Duursma, die beim Nina-Hagen-Projekt O.U.T. gespielt hatte, der Amerikanerin Christine Hahn (Static, Glen Branca) und Susanne Kuhnke von Die Haut. Bereits nach der ersten EP "Malaria!" ging es auf US- und Europa-Tour. Nach den 12-Inches "New York Passage (Your Turn To Run)" und "White Water" (inklusive "Kaltes Klares Wasser") erschien 1983 mit "Emotion" das erste Album, dem im folgenden Jahr die Live-Veröffentlichung "... Revisited" folgte. Als dann 1984 der Mainstream die Neue Deutsche Welle entdeckte, lösten sich Malaria! mit ihrer letzten Veröffentlichung "Beat The Distance" bereits auf.

Heiss

Gudrun Gut blieb musikalisch aktiv: Auf dem Label Moabit erschien neben einigen Solo-Projekten und der Malaria!-Nachfolgeband Matador 1991 eine Malaria!-Compilation und das Spätwerk nach sieben Jahren Pause: "Cheerio". Heute kennt man sie eigentlich eher als Chefin des Monika-Labels (u. a. Barbara Morgenstern, Quarks, Contriva) und von ihrer gemeinsam mit Thomas Fehlmann moderierten Radio-Eins-Sendung "Ocean Club".

"Als erste Idee für einen der Remixe kamen mir die Chicks On Speed, die ich durch die Radiosendung kannte und mal in München getroffen hatte. Ich fand ihre The-Normal-Coverversion genial. Zusammen mit dem Remix von Barbara Morgenstern kam das Ganze als 10-Inch auf Monika raus. Wir hätten nie damit gerechnet, dass 'Kaltes Klares Wasser' so ein Clubhit wird."

Unglaublich, aber wahr. Ohne große Promotion und erst eine ganze Weile nach Veröffentlichung konnte sich der Chicks-On-Speed-Mix fünf Wochen als Nummer Eins der Deutschen Dance Charts behaupten: "Das freut mich natürlich riesig. Die Chicks haben was Kraftvolles, Nach-vorne-Gehendes, das Malaria! auch hatten. Wir waren nicht so 'ne nette Band, eher aggressiv und gefährlich, aber nicht Punk. Sie sind auch selbstbestimmte moderne Frauen, die sich nichts sagen lassen und ihr Ding durchziehen."

Damit sich die Malaria!-Wahrnehmung nicht auf diesen einen Hit reduziert, wurde ein komplettes Remix-Album, "Versus ...", geplant. Dass darauf das Berliner "Ocean Club"-Umfeld mit Thomas Fehlmann, Sun Electric und Barbara Morgenstern gut vertreten ist, verwundert kaum, aber auch Techno-Größen wie Ellen Alien und Dr. Motte liefern einige spannende Neubearbeitungen ab. DJ Koze verwandelt "Kaltes Klares Wasser" in einen fluffigen Minimal-House-Track, Solex collagiert "Your Turn To Run" in ihrer ganz eigenen Weise eher jazzmäßig neu, und die beiden Sensorama-Jungs nehmen sich als Alter Ego mit "Duschen" einen der härtesten Malaria!-Songs vor.

Außerdem erscheint gerade die Wiederveröffentlichung des '91er-Albums "Compiled 1981-84", das alte Malaria!-Songs im Original beinhaltet. Angesichts des aktuellen 80er-Revivals ist beides natürlich Pflichtprogramm, auch wenn sich bereits die ersten Nachahmer ankündigen: "Was glaubst du, wie viele Plattenfirmen jetzt in den Keller gehen und mal schauen, was die da noch für Bänder von 80er-Bands rumliegen haben", sagt Gudrun den Trend voraus. "Für uns ist das Kapitel aber definitiv abgeschlossen. Es wird keine Wiedervereinigung von Malaria! geben. Das ist kategorisch ausgeschlossen. Ich habe ja jetzt schon zu wenig Zeit für mein Leben. Auch die Chicks leiden an chronischer Zeitknappheit, seit sie so erfolgreich sind. Ich habe denen mal vorgeschlagen, doch in jedem Land, in dem sie auftreten, Chicks-On-Speed-Ablege-Bands zu casten, um sie zu entlasten. Stell dir mal koreanische Chicks On Speed vor, das wäre doch super!"