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Majors erproben neue Veröffentlichungspolitik

Singleverkäufe: On Air, On Sale

Sony und Universal reagieren auf weiter einbrechende Verkäufe in Großbritannien mit einem interessanten Experiment - das etwa zehn Jahre zu spät kommt.
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Sony und Universal reagieren auf weiter einbrechende Verkäufe in Großbritannien mit einem interessanten Experiment - das etwa zehn Jahre zu spät kommt.

Es hat sich mittlerweile rumgesprochen, dass die Musikindustrie ein bisweilen recht träges Geschäft sein kann. Der neueste "Coup" von Sony und Universal wirkt denn auch in etwa so zeitgemäß wie ein 56K-Modem. Dabei ist der Ansatz gar nicht mal so schlecht: Statt eine Single mehrere Wochen nur über die Rotation im Radio aufzubauen, soll der Song nun auch direkt als Download verfügbar sein - "On Air, On Sale" nennt sich das Modell.

"Wait is not a word in the vocabulary of the current generation. It's out of date to think that you can build up demand for a song by playing it for several weeks on radio in advance", erläutert David Joseph, Geschäftsführer von Universal Music UK, die Umstellung der Veröffentlichungspolitik gegenüber dem Guardian. Klar, Geduld ist im Netz rar gesät, besonders unter den "digital natives".

Doch gerade diese Zielgruppe sitzt mit Sicherheit nicht vor dem (Web-)Radio und schneidet Songs mit. Und diejenigen, die das tatsächlich tun, können sich in Zukunft darauf freuen, nicht mal mehr die Audiorecording-Software anschmeißen zu müssen. Es ist das gleiche Dilemma, wie es die Print-Branche kürzlich erfahren musste: Haben sich die Konsumenten einmal an Gratis-Inhalte gewöhnt (egal ob rechtens oder nicht), sind sie nur noch schwer zum Zahlen zu bewegen.

Viel interessanter dürfte dabei jedoch die Auswirkungen auf die Charts sein: Anstoß der neuen Veröffentlichungspolitik war nämlich ein Versuch der britischen Casting-Show The X-Factor, bei dem die Single des Gewinners Matt Cardle noch am Abend der Sendung zum herunterladen angeboten wurde - und prompt auf Platz 1 der UK-Charts schoß. Nach dem Motto: Wenn ich es zahlungspflichtig herunterladen kann, tue ich es zumindest vielleicht. Wenn ich das vorläufig nicht kann (den Song aber haben will), tue ich es mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht. Jetzt nicht und später sowieso nicht.

George Ergatoudis, Musik-Ressortleiter von BBC Radio 1 and 1Xtra , schätzt die Auswirkungen auf der BBC-Webseite folgendermaßen ein:

"There'll definitely be different patterns in the charts because you'll get big hit, well known artists smashing straight into the top five. There'll be other artists that take a longer, slower, gradual process as people discover them and discover the song. There'll be a lot more travelling up and down the charts as a result of this"

Ganz unabhängig von den Erfolgschancen der Unternehmung ist der Schritt von Universal und Sony trotzdem längst überfällig gewesen. Denn auch wenn sich die Schadensbegrenzung in Sachen Piraterie relativieren könnte, ist der Promotion-Vorlauf für die Radiosender ein anachronistisches System aus der Prä-Web-Ära und wird dem heutigen Medienkonsum in keiner Weise gerecht.

Mehr Infos zum Thema gibt es bei BBC News