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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

»MDNA«

Spalter zu Madonna

Madonna hat ihre Suite im globalen Pop-Olymp sicher, ein Status, der sich nicht mehr ändern wird. Ihre Musik dagegen muss sich jedes Album aufs Neue beweisen. Und ankert dabei hart im Spannungsfeld zwischen routinierter Hochloberei und fast noch routinierterem Abgesang. Wir hauchen diesem ewigen Battle der Menschheitsgeschichte frisches Leben ein.
Geschrieben am
+ Was tun, wenn man schon im letzten Jahrtausend das vorbildlich reife Alterswerk (»Ray Of Light«) vorgelegt hat, nach dem immer alle so penetrant verlangen? Madonna zieht es mit 53 noch immer trotzig auf die Tanzfläche. Sogar das Voguing im Testosteron-geschwängerten Footballstadion ließ sie sich beim diesjährigen Superbowl nicht nehmen. Auf ihrem zwölften Album verteidigt die amtierende Queen of Pop ihren Thron härter denn je. Mit nicht mehr ganz taufrischen Slogans wie »Girls, they just wanna have some fun«, dafür aber mit einer gehörigen Menge Beats per minute. Auch wenn sie nicht mehr wie zuletzt auf »Hard Candy« als Boxerin in den Ring steigt, holt sie auf ihrem aktuellen Werk zumindest zum verbalen Schlagabtausch aus. Auf »MDNA« schmeißt Madonna den Bitch-Modus an. Einige Songs klingen wie Kampfansagen an die junge Konkurrenz (»Some Girls«), andere wirken so verletzlich wie nie zuvor. »Love Spent« und »I Don’t Give A« handeln vom Ehe-Aus mit Guy Ritchie (»Wake up, ex-wife / This is your life«). Teilte Madonna früher ihre Gelüste mit dem Publikum, so teilt sie heute ihr Leid. So explizit zeigte sie ihre Gefühle jedenfalls noch nie – nur muss man diese unter den Ibiza-Sounds des Albums mitunter suchen.
(Katja Peglow)

– Es muss zur Zeit von »Hard Candy«, Madonnas letztem Album, gewesen sein, da sackte das seit einigen Jahren wieder gefestigte Fundament, auf dem ihre Popstar-Inszenierung stand, nachhaltig ab. Mit »MDNA« rutscht nun der ganze Hang. Dabei hatte Madonna die Jahrtausendwende entgegen dem Trend unter Superstars (Michael Jackson? George Michael? Whitney Houston? Anyone?) künstlerisch überlebt, indem sie mit jungen Produzenten wie Mirwais ein schlüssiges Update ihres Sounds entwarf. Mehr Dance, weniger Eltern-Pop. Jetzt fliegt ihr auch dieses Konstrukt um die Ohren. Vielleicht klingt »MDNA« abgesehen von einigen Balladen deshalb so konservativ, weil Madonna relativ erratisch Produzenten gecastet hat. William Orbit, der 1998 schon »Frozen« cheesy klingen ließ? Come on. Vielleicht ist Madonna auch nur Opfer der Effekt-Globalisierung, durch die jedes innovativ eingesetzte Plug-in innerhalb von einer Woche in jeder zweiten Dance-Produktion Verwendung findet. So oder so: Es ist Zeit, stilistisch weiterzuziehen. Eine Madonna, die keine über allem schwebende Erscheinung ist, existiert nicht.
(Felix Scharlau)

Universal/Music/DVD

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