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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

»Gemini«

Macklemore

Mit ihrer 2016er-LP »This Unruly Mess I’ve Made« standen Macklemore und Ryan Lewis vor dem Problem, Hip-Pop ohne Hits produziert zu haben. Ein kluger Entschluss also, das Teamwork mal pausieren zu lassen. Doch »Gemini« ist eine erfolglose Suche nach der besseren Hälfte. 
Geschrieben am
Schwungvoll, mit Schwiegersohn-Flow und auf gewohnt radiofreundlichen Audiospuren marschiert der sympathische Pop-Rapper Macklemore durch sein erstes Solo-Projekt ohne Beat-Buddy Ryan Lewis. Doch obwohl so eine Trennung auf Probe auch Chancen birgt, wirkt schon der Radio-Klimper-Pop des Openers »Ain’t Gonna Die Tonight« ernüchternd. Während ihm Rap-Versteher-Props zumindest in der Theorie bisher immer sicher waren, hakt Benjamin Haggerty nun auf »Gemini« fast bemitleidenswert die Trends der letzten Jahre ab (Flöten-Beats, Lil-Yachty-Leichtfüßigkeit, Migos-Features), wenn er nicht gerade mit kalkulierter Wohlfühl-Nostalgie alte Ideen reproduziert.

Da wird das Klavierthema des Welthits »Can’t Hold Us« eben so umformuliert, dass man ihn »Glorious« nennen kann, und der »Thrift Shop« heißt jetzt »Corner Store«. Macklemore wirkt im Alleingang wie ein betrunkener Ex-Freund ohne Entscheidungskraft, der ausgerechnet neben Großraumdisko-Noughtie Kesha den »Good Old Days« noch am eindrucksvollsten nachweint und sich am Ende mit gleich drei Abschluss-Balladen in die Belanglosigkeit schunkelt. »Gemini« gleicht so einem einzelnen Zwilling: allein, orientierungslos, verloren.

Macklemore

GEMINI

Release: 22.09.2017

℗ 2017, Bendo LLC