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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Kontroverse Musikvideos der Popgeschichte

M.I.A. im Trend

Das neue M.I.A. Video zu "Born Free" hat so viele Diskussionen ausgelöst, dass wir es für angebracht hielten die 5 kontroversesten Musikvideos der Popgeschichte aus den untiefen der Videoplattformen zu fischen.
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Das M.I.A. Video zu "Born Free" hat so viele Diskussionen ausgelöst, dass wir es für angebracht hielten die 5 kontroversesten Musikvideos der Popgeschichte aus den untiefen der Videoplattformen zu fischen. Doch zunächst erstmal ein Deutungsversuch zu "Born Free" von Hanno Stecher.

Sowohl M.I.A. als auch Clipregisseur Romain Gavras gaben schnell nach der Veröffentlichung zu verstehen, dass sie über den Entstehungshintergrund von „Born Free“ nicht mehr öffentlich sprechen wollen. Kurz vor diesem Schweigegelübde hat Gavras in einem Interview mit Spiegel Online folgende Erklärung dafür abgegeben: „Ich möchte, dass die Leute das Video unvoreingenommen sehen. Ich will niemanden in eine Richtung lenken.“ Allerdings ließ er durchsickern, dass der Clip als eine Art „Auskopplung“ eines größeren Projektes, seines Debütfilmes „Die Rothaarigen“, verstanden werden muss. Dort will eine der Hauptpersonen ein Land nur für Rothaarige gründen. Auch M.I.A. lässt immer wieder durchscheinen, auf welchen Ideen das Video basieren könnte.

So könnte ein weiteres Motiv für die Entstehung des Clips neben der Kritik an der repressiven US-Politik ein Hinrichtungsvideo sein, das die Organisation Journalists For Democracy im letzten Jahr veröffentlicht hat. Es zeigt Soldaten der Armee Sri Lankas bei der Erschießung eines Mannes, der vermutlich der Minderheit der Tamilen angehört, denen auch M.I.A.s Familie entstammt. Das Video lässt sich, auch wenn die Regierung Sri Lankas dies bestreitet, als Beweis für die Verbrechen der Regierungsmilizen an den Tamilen lesen. Dass es bei M.I.A. Spuren hinterlassen hat, zeigt die Tatsache, dass ein Videostill des Clips eine der Seiten ihres aktuellen Albumbooklets schmücken wird.

Ab der nächsten Seite: "Die 5 kontroversesten Musikvideos der Popgeschichte" 01. The Prodigy - Smack My Bitch Up (1997)

Der Clip von Jonas Åkerlund, der zuletzt auch für Lady Gagas „Telephone“-Video verantwortlich zeichnete, zeigt aus der Ich-Perspektive so ziemlich alles, was im Nachmittagsfernsehen verboten ist. MTV selbst kürte ihn zum „most controversial video“ seiner Geschichte. Hier wird besoffen Auto gefahren, gekokst, gekotzt und geschlagen. Außerdem nötigt der Hauptprotagonist zum Schluss eine Stripperin zum Sex. Dass am Ende klar wird, dass all das böse Zeug auf die Kappe einer Frau geht, setzte dem Clip seinerzeit endgültig die Skandal-Krone auf.




Auf der nächsten Seite: "Madonna - Like A Prayer"
02. Madonna - Like A Prayer (1989)

Die unsachgemäße Benutzung christlicher Symbole gehört ja bis heute zu Madonnas Königsdisziplinen. Ihren Einstand als Christen-auf-die-Palme-Bringerin feierte sie bereits 1989 mit dem von „Friedhof der Kuscheltiere“-Regisseurin Mary Lambert inszenierten Video zu „Like A Prayer“. Katholiken störten sich so sehr an dem Clip, der unter anderem brennende Kreuze und Stigmata an Madonnas Händen zeigte, dass der Papst persönlich zum Boykott ihres Toursponsors Pepsi aufrief, worauf dieser wiederum der Künstlerin den Vertrag kündigte. Ein Erfolg wurde der Song da natürlich erst recht.



Auf der nächsten Seite: "Michael Jackson - Black Or White"
03. Michael Jackson - Black Or White (1982)

Michael Jacksons „Black Or White“-Video enthält in seiner ursprünglichen Version neben einem Auftritt von Macaulay Culkin, Völkerverständigungstänzen und gemorphten Gesichtern die sogenannte „Panther-Szene“: Jacko morpht in einem Hinterhof vom Panther zum aggressiven Tänzer, der sich nicht nur mehrfach mit offenem Hosenstall lustvoll in den Schritt greift, sondern auch ein mit rassistischen Symbolen beschmiertes Auto zertrümmert. Die Szene rief gleich nach der Urausstrahlung so viele Elternproteste auf den Plan, dass der Clip bis heute auf legalem Wege kaum irgendwo ungekürzt zu sehen ist.



Auf der nächsten Seite: "Pearl Jam - Jeremy"
04. Pearl Jam - Jeremy (1992)

Manchmal können Missverständnisse einen Skandal auslösen – so geschehen im Fall des von Regisseur Mark Pellington stammenden Clips zu „Jeremy“, in welchem es um einen vereinsamten, von seinen Klassenkameraden gemobbten Jungen geht. MTV zensierte das Video auf eine recht unglückliche Weise: Die Szene am Ende, in welcher sich der Hauptdarsteller eine Waffe an den Kopf hält und abdrückt, wurde weggeschnitten. Viele Zuschauer glaubten deshalb, er würde seine Schulkameraden töten. Klar, dass der Clip spätestens nach Columbine auf dem Abstellgleis landete.



Auf der nächsten Seite: "Nine Inch Nails - Closer"
05. Nine Inch Nails - Closer (1994)

Der eigentliche Skandal an Mark Romaneks Video zu „Closer“ ist die Tatsache, dass es – obwohl von Filmkritikern mit Lob überhäuft – zur Zeit seines Erscheinens von den großen Musikvideokanälen nur in einer unverschämt zensierten Version gespielt wurde. Heute hat Romaneks Kabinett der Ekligkeiten (Totenköpfe, ein lebender kleiner Affe am Kreuz, Schaben, ein herausgenommenes, noch immer schlagendes menschliches Herz usw.) seinen verdienten Ruhesitz im New Yorker MoMa gefunden, wo es als eines der besten Musikvideos aller Zeiten ausgestellt wird.