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Unique Selling-Point: Nerd

Lupe Fiasco

Wenn man Lupe Fiasco danach fragt, wie seine Hörerschaft aussieht, wird er ganz sicher nicht mit einer Kategorie wie Indie ankommen. Der 24-jährige Youngster aus Chicago will nicht Musik für kleine Subszenen machen, sondern für alle, für den gottverdammten Mainstream – und dabei scheint er auf dem b
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Wenn man Lupe Fiasco danach fragt, wie seine Hörerschaft aussieht, wird er ganz sicher nicht mit einer Kategorie wie Indie ankommen. Der 24-jährige Youngster aus Chicago will nicht Musik für kleine Subszenen machen, sondern für alle, für den gottverdammten Mainstream – und dabei scheint er auf dem besten Weg zu sein. Momentan wird er jedenfalls als glühendster Stern des amerikanischen HipHop gehandelt. Ein kurzer Guestspot bei KanYe West reichte schon aus, um Jay-Z auf seine Seite zu ziehen. Einen Vertrag mit Reebok hat er auch schon unterzeichnet – und das, es muss noch mal explizit gesagt werden, ohne ein Album auf dem Markt zu haben.

Lupe Fiasco pflegt dabei ein Image, das man wohl als unique Selling-Point bezeichnen könnte: Er ist ein Nerd. In seinem Fashion-Victim-Blog (www.hypebeast.com/lupefiasco) sieht man ihn gern und oft mit Skateboard unterm Fuß, Studentenbrille auf der Nase und schnuckeligen Plüschtieren im Arm. “Ich habe schon auf der Highschool was bemerkt: Wer da cool ist und Jungs wie mich zusammenschlägt, bringt es später zu gar nichts mehr. Nerds wie ich allerdings, die können mit ihren besonderen Hobbys ganz weit kommen.” Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen kann Lupe dabei auf ein solides Elternhaus zurückgreifen: Seine Mutter war Gourmetköchin, seinen Vater bezeichnet er wahlweise als “Renaissance-Man”, “Revolutionary” oder “Fighter”. Auch wenn er im Ghetto aufwuchs – glorifizieren würde er diesen Umstand nie: “Es gibt so viele Rapper, die einfach nichts anderes kennen. Für sie liegt in diesem Mikrokosmos die Welt, weil dort alles wie unter einem Brennglas liegt. Aber ist das wirklich ein Ziel? In der Hood aufzuwachsen und dort zu bleiben?” Diese hier angesprochene romantische Verklärung der Lebensumstände im Ghetto gehört nach wie vor zum festen Inventar zahlloser HipHop-Songs. Ein bewusster Rückzug, der natürlich auch den fehlenden Alternativen geschuldet ist. Lupe ist anders, er wollte von jeher raus. Dieses Ziel verfolgt er bereits seit fünf Jahren. Die mittlerweile gängigen Probleme (Labelquerelen, Wartezeiten, ins Internet geleaktes Album) schüttelt er dabei ab wie lästige Fliegen. “Natürlich habe ich mich zuerst geärgert. Aber die Songs kamen im Netz gut an, und dann gibt es ja auch meine Mixtapes. Auf denen zeige ich meine Vielseitigkeit.” Geht es dort darum, auf bekannten Instrumentals wie “Diamonds Are Forever” die ursprünglichen Rapper in Grund und Boden zu reimen? “Wieso denn? Ich vergleiche mich überhaupt nicht, ich will nur zeigen, was ich kann.” Ein ungewöhnlicher Ansatz in einer Kultur, die auf Auseinandersetzungen, zumindest auf Battles fußt. Doch auch diese Einstellung hat einen Grund: Im Gegensatz zu den oftmals obskuren Gottesbeschwörungen anderer Rapper zieht Lupe einen rigorosen Strich. Auch auf seinem endgültig erscheinenden, großartigen Debütalbum “Food & Liquor” wird nicht geflucht.