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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Convivial

Luomo

Luomo ist ein überaus wandelbarer Mann. Sein Schöpfer Sasu Ripatti, besser bekannt unter seinem anderen Decknamen Vladislav Delay, ließ ihn aus dem Nichts Emo-Dub-House mit verschleppten, tonnenschweren Beats erfinden.
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Luomo ist ein überaus wandelbarer Mann. Sein Schöpfer Sasu Ripatti, besser bekannt unter seinem anderen Decknamen Vladislav Delay, ließ ihn aus dem Nichts Emo-Dub-House mit verschleppten, tonnenschweren Beats erfinden, als der Rest der Laptop-Welt noch am Zerbröseln der letzten Clicks feilte.

Er setzte auf die Kühle und den Futurismus von R'n'B-Design, als man sich in den Clubs wieder für die Gefühligkeit von Disco zu interessieren begann. Ripatti war mit seinem Projekt meist Avantgarde, machte sich damit aber nicht nur Freunde. Trotzdem, eines blieb als Konstante: die spezielle Art und Weise, mit der Luomo der elektronischen Musik bisher nicht gehörte Song- und Kitschdimensionen eröffnete. Man durfte Future-Pop dazu sagen. Weswegen es ein wenig überrascht, wenn Luomo diesen Pop auf seinem vierten Album nun eher in klassischer 80er-Jahre-Tradition buchstabiert. Es gibt Anleihen an frühe House Music (vor allem wegen der Stimme von Robert Owens, aber auch der von Cassy auf je einem Stück), Rapeinlagen von Sängerin Sue Cie und viel tanzbaren Synthie-Pop. Speziell Sascha Ring a.k.a. Apparat zeigt als Gast auf "Love You All", dass an seiner Stimme ein kleiner Electro-Chris-Isaak verloren gegangen ist. So gelungen gerade dieser Song ist, die geschlossene Stimmung eines Albums wie "Vocal City" kriegt Luomo mit diesem Retro-Nuevo-Flickenteppich des House nicht mehr hin. Womit er nur wieder bestens ins aktuelle Musikzeitalter passt, in dem das Format "Album" zerbröselt wie einst die Clicks.