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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Ampgrave & Dull Lights

Lullabye Arkestra & Eric Chenaux

Es ist ruhig geworden um das noch vor zwei Jahren allerorts gelobte Constellation-Label. Was vor allem daran liegt, dass sich seine Zugpferde momentan rar machen: Godspeed You! Black Emperor befinden sich auf ausgedehntem Urlaub, von Do Make Say Think wurde schon länger nichts mehr gehört, und nur S
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Es ist ruhig geworden um das noch vor zwei Jahren allerorts gelobte Constellation-Label. Was vor allem daran liegt, dass sich seine Zugpferde momentan rar machen: Godspeed You! Black Emperor befinden sich auf ausgedehntem Urlaub, von Do Make Say Think wurde schon länger nichts mehr gehört, und nur Silver Mt. Zion veröffentlichen auf dem Trip der Erleuchteten Platte für Platte, eine kruder als die andere. Constellation nutzt nicht erst jetzt dieses Vakuum, um sich in andere Stilrichtungen zu orientieren. Lullabye Arkestra und Eric Chenaux sind zwar zwei Acts, die personell mit den bekannten Bands verbunden sind, musikalisch aber doch etwas komplett Neues versuchen. Extrovertierter verhält sich dabei das Arkestra, denn es integriert verschiedene Popsong-Stile in das typisch wabernde Constellation-Soundgewand, darunter Soul, R’n’B, Rock’n’Roll, Punk und Gospel. Und das, ohne alles zu einem einzigen Brei zu vermischen, nein, Song für Song wird eine Stilart komplett umgestülpt. Wobei gesagt werden muss, dass von all diesen so leicht zu konsumierenden Genres nicht mehr, aber auch nicht weniger als eine einzige tosende Kakophonie übrig bleibt, wenn auch eine wunderschöne. Vom Bandkern aus, einem gemischten Doppel an Bass und Schlagzeug, bläst das Arkestra sein Line-up je nach Bedarf mit Chören, Bläsern und allem, was man sonst noch so gebrauchen könnte, auf. Das daraus entstandene Ergebnis, das Debüt auf Constellation, ist dadurch so frisch und humorvoll wie schon länger nichts mehr auf diesem Label.

Dagegen lässt es Eric Chenaux deutlich ruhiger angehen. Der alte Tausendsassa der Torontoer Ambientszene legt nämlich ein Album voll knisternder Folkimprovisation vor und singt dazu enorm stimmungsvoll, sehr an Lou Barlow und ein bisschen auch an David Berman erinnernd. Vereinzelt streut er Popharmonien zwischen seine Soundscapes, meistens mit sehr langsamem Tempo, auf Popsong-Schemata verzichtet er zugunsten von enorm sphärischem Geplucker weitgehend. Dadurch wird „Dull Lights“ zu einer Platte, die nicht, wie sonst für Constellation üblich, mit einem Overkill an Eindrücken aufwartet, sondern den Folk gehen lässt und Gelassenheit verbreitet. Und man zeige mir einen, dem das nicht mal gut tut.