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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Im Interview

Love Of Diagrams

Wie es ist, in Australien Musik zu machen, was ihr neues Album beeinflusst hat und warum sie nicht die neuen Pixies sind.
Geschrieben am

Nicht bloß eine weitere Band, die nach den Pixies klingt. Unsere Autoren Manuel Czauderna und Andrea Anez sprachen am Rande des März-Intims mit dem australischen Trio (Antonia Selbach, Luke Horton und Monika Fikerle), das wir alle hier mal ganz schön in unser Herz geschlossen haben, so viel steht fest.


Das hier ist der Artikel von Eurem letzten Treffen mit unseren Intro-Kollegen.
Luke: Könnt ihr mir den Artikel übersetzen?

Klar, da steht: Love Of Diagrams are very beautiful and they are the best band of the world. Nein, im Ernst. Es steht wirklich nur gutes über Euch drin.
Monika: Oh je, dieses Foto von uns! Luke: Da waren wir betrunken. Monika: Ja, wir waren total betrunken. Luke: Soll ich den Artikel übersetzen? Da steht bestimmt: "They were total assholes. We hate them. Was zum Teufel denken die, wer die sind"?

Oh nein. Es ist ein sehr schöner Artikel. Es wird auch beschrieben wie ihr Euch mit der Intro-Redaktion in einem Café in Melbourne trefft.
Antonia: Haben sie die Verwechslung bei der Bestellung erwähnt? Ich hatte einen Margherita-Cocktail bestellt und bekam eine Pizza.
L: Oh, ich sehe gerade, dass ihr das falsche Albumcover von uns abgedruckt habt. Das ist unser altes.

We are sorry.
L: Nicht schlimm. Sie hatten mich damals auch um eine Liste mit meinen Lieblings-CDs gebeten. And then they published it. Das ist cool. Its's funny that some sentences are written in English. I guess they found it hard to translate it.

Nein, es ist nur schön für den Leser ein paar Original-Zitate zu haben.
Wir würden gerne mit Euch noch etwas über die australische Musikszene reden. Wir wissen ehrlich gesagt nicht viel über australische Bands.…

M: Ja, das ist auch der Grund, weshalb wir es toll fanden, dass wir nach unseren Lieblingsbands gefragt wurden. Denn die meisten Bands wird kaum jemand kennen. Das sind wirkliche Underground-Bands - aber sie sind alle großartig.

Wo wir schon mal dabei sind: Glaubt ihr, dass das Internet unbekannten Bands neue Möglichkeiten eröffnet oder denkt ihr eher, dass es eine Gefahr für Künstler ist, weil sich Fans Musik nur noch illegal runterladen?
A: Ich finde es ist Chance und Gefahr zugleich. Das Internet ist toll, weil es einem ermöglicht neue Bands zu entdecken - z.B. durch MySpace. Es eröffnet viele neue Möglichkeiten.
L: Ich denke, Downloaden ist schon ok. Die Musikindustrie muss sich auf neue Technologien einstellen. Es ist ihre Aufgabe Wege zu finden, mit dieser Technologie auch Geld zu verdienen. Außerdem wird es immer Musikliebhaber geben, die Vinyl lieben oder die CDs haben wollen. Die Musikindustrie wird nicht sterben, muss aber neue Wege finden. Das Internet ist super. Ich habe schon ganze Tage auf MySpace verbracht - man entdeckt so viele neue Bands. Das ist toll.Kommen wir zurück zu Euch und Australien: Wie habt ihr Euch zum Beispiel kennen gelernt?
A: Monika und ich kommen aus Tasmanien. Wir kannten uns schon aus der tasmanischen Musikszene. Später haben wir dann Luke kennen gelernt. Er hatte ein paar tasmanische Freunde, die wir wiederum kannten.
L: Ich war ein großer Fan der tasmanischen Bands, in denen Monika spielte. Außerdem hatte ich gehört, dass Monika sehr gut Violine spielt. Irgendwann fragte ich dann die beiden, ob ich mit ihnen zusammen an ein paar Songs arbeiten könnte.

Könnt ihr uns mehr darüber erzählen, wie es ist, in Australien bzw. Tasmanien Musik zu machen?

A: In Australien gibt es eine Menge großartiger Bands, die selbst in Australien unbekannt sind. Luke: Der beste Platz für Bands ist wahrscheinlich Melbourne. Dort ist es verhältnismäßig günstig zu leben und viele Musiker kommen aus anderen Regionen dorthin um Musik zu machen. Es ist sehr einfach an Gigs heranzukommen und Konzerte zu spielen. Und da dort nicht so viele Menschen wohnen, ist es als Band einfacher überhaupt wahrgenommen zu werden. Deshalb konnten wir unsere ersten Gigs auch mit bekannten Bands spielen - vor mehreren hundert Menschen. Und über die kleinen Medien wird man dort sehr schnell bekannt. Allerdings ist es auch so, dass man in Melborune zwar sehr schnell bekannt wird, es dann aber auch sehr schwer ist, in ganz Australien wahrgenommen zu werden.

Die australische Musikszene ist also in einzelne Szenen in den verschiedenen Regionen und Städte zersplittert?
L: Um über die einzelne Szenen hinaus bekannt zu werden, benötigt man einen Radiosender. Dort gespielt zu werden ist der erste Schritt über Melbourne hinaus bekannt zu werden. Die Radiosender sind allerdings eher konservativ und spielen viele große Bands, die wir nicht mögen. Das ist aber auch der Grund dafür, dass wir aus Melbourne raus sind, um zu touren. Es ist sehr schwer in Australien eine große Band zu werden. Dafür muss man eigentlich Mainstream-Musik spielen. Monika: Um in Australien bekannt zu werden, MUSST du einfach touren.

Hat es euer neues Album beeinflusst, dass ihr es nicht in Australien, sondern in Chicago aufgenommen habt?
A: Der größte Einfluss bestand darin, dass zur Zeit der Aufnahmen in Chicago sehr schlechtes Wetter war. Es herrschte ein großer Schneesturm und wir mussten die ganze Zeit im Studio bleiben und schliefen auch dort.
L: Das war für uns Australier sehr ungewöhnlich. Wir waren durch den Schnee richtig von der Welt abgeschottet. A: Das witzige daran ist, dass wir unser erstes Album ein einem superheißen Tag aufgenommen haben - und das zweite nun unter komplett gegensätzlichen Umständen entstand.

Wir finden es sehr interessant, dass ihr auf Eurem ersten Album fast keinen Gesang eingesetzt habt. Der größte Teil ist instrumentell. Wie kommt es, dass ihr nun auch mit Gesang arbeitet?
A: Als wir mit der Band starteten musste ich zunächst Bassspielen lernen. Für mich war es deshalb unmöglich gleichzeitig auch noch zu singen. Das ging mir sehr lange so. Andererseits haben wir aber auch nie die Notwendigkeit verspürt, Gesang einzusetzen. Nach dem ersten Album überlegten wir uns aber trotzdem, es mal auszuprobieren.
L: Auf dem ersten Album gibt es ein Lied, auf dem Antonia singt. Man hört, wie schüchtern sie damals noch gesungen hat.
A: Bei unseren ersten Auftritten habe ich tatsächlich mit dem Rücken zum Zuschauerraum gesungen. Manche dachten sogar, ich wäre unhöflich, aber es war nur Schüchternheit. Luke: Ja, wir standen alle da einander zugewandt und schauten uns beim Spielen gegenseitig an, weil wir uns so konzentrieren mussten.

Eure Texte klingen auch sehr fragmentarisch. Das passt ja auch ins Konzept, den Gesang nur als ein weiteres Instrument zu begreifen...
L: Ja, genau: Der Gesang ist bei uns ein weiteres Instrument. Wir haben ja auch nicht immer dieses Schema: Strophe, Refrain, Strophe, Refrain. Wir setzen den Gesang dort ein, wo er passt.

In der Musikpresse werdet ihr oft mit den Pixies verglichen. Schmeichelt Euch so ein Vergleich oder nervt das auch?
L: Es ist witzig, weil wir uns über so was nie Gedanken gemacht haben. Wir mögen alle die Pixies sehr gerne, wären aber selbst nie auf den Vergleich gekommen.
M: Vielleicht manchmal in der Baseline. Luke: Wir haben sie als Teenager viel gehört. Aber viele Bands klingen nach den Pixies - und wir wollen nicht einfach nur eine weitere Band sein, die nach den Pixies klingt. Wir denken über andere Sachen nach. Aber wie gesagt: Großartige Band. Deshalb ist der Vergleich okay.