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Mit Fionn Birr

Love Attack #263

Auf jedes Intro folgt ein Outro: Die letzte Love Attack der Welt verabschiedet sich mit luftigem Dream-Trap, Wiener Synthesizer-Wuchtbrummen und musikalischen Großstadtromanen.

Geschrieben am

Mit dem luftigen Dream-Trap »White Iverson« beherrschte der pummelige Hillbilly Post Malone 2015 die internationale Generation Turn-up, bekam ein Feature-Stück vom lukrativen Kanye-Kuchen ab und scheiterte später am Debütalbum »Stoney« – er hätte ohne Zweifel als One-Hit-Wonder enden können. Stattdessen wuchs der weiße Braids-Träger zum »Rockstar« und schnoddert sich auf »Beerpongs & Bentleys« (Republic) unbeirrt durch seine Welthit-Formel. Lies: 18 geschmeidige Raop-Serviervorschläge über Hausfrauen, Habseligkeiten und Hennessey, die in ihrer geschmeidigen Brillanz wie eine Nacht im Luxushotel sind: Am Anfang ist alles fremd, dann faszinierend, und am Ende will man nur noch nach Hause.

Post Malone

beerbongs & bentleys

Release: 27.04.2018

℗ 2018 Republic Records, a division of UMG Recordings, Inc.

Ein Soundtrack zum Überfluss: Der omnipräsenten Megalomanie im Internet und der realen Welt hat Mauli auf seinem zweiten Soloalbum »Autismus × Autotune« (Mauli) gehörig Platz eingeräumt. Hier lautet, ähnlich wie schon beim Debüt »Spielverderber« vor zwei Jahren, eingangs gleich die Frage: Ist das noch Rap, wenn Pausen, Pointen und Melodie kaugummigleich durch Auto-Tune und über die glitzernden Synthie-Downer gezogen werden, anstatt Silben in den Takt zu quetschen? Vermutlich nicht. Denn Mauli nutzt seine messerscharfe Beobachtungsgabe nicht mehr nur für Szene-Verachtung, sondern weitet die sprechgesungene Kommentarlyrik auf die junge (Internet-)Gesellschaft aus und predigt Kleptomanie vor Kapitalismus, Freigeistigkeit vor Armbanduhren und Geheimrezepte vor Gemeinplätzen. »Autismus × Autotune« ist bildgewaltig, reflektiert und ein bisschen kitschig geraten.

Mauli

Autismus & Autotune

Release: 20.04.2018

℗ 2018 MAULI

Als Ziehvater von Trap-Superstar Ufo361 weiß Said, wohin die Karriereleiter im Rap-Spiel führen kann – auch wenn er selbst immer eher auf Prinzipien als auf Charts-Erfolge gesetzt hat. In Zusammenarbeit mit dem Wiener Beat-Buddy Brenk Sinatra ist seine vierte LP »HAQ« (Hoodrich) aber keine verbitterte Underground-Abrechnung mit der Musikindustrie, sondern ein samplebasiertes Kopfnicker-Album, das Berliner Rotzigkeit mit charmantem Schnurstracks-Flow auf organischem Boom-Bap kombiniert. »Das ist real gegen fake, B-Real gegen Drake«, heißt es etwa in der sonnigen Synthesizer-Wuchtbrumme »Reingewaschen«. Said ist mit sich im Reinen und kann in dieser Lockerheit Vinyl-Samples, Weißwein und Wunderkraut zu einem astreinen Sommer-Rap-Schmelztiegel verwandeln, der den Lebensstil aus den vielleicht zwei schönsten Städten im deutschsprachigen Raum musikalisch kaum besser transportieren könnte und vor allem das tut, was guter Rap immer tun sollte: Spaß machen.

Said

Haq

Release: 15.06.2018

℗ 2018 HoodRich

Bei seinen Songwriter-Jobs für unter anderem Usher sammelte Saint Jhn reichlich Industrie-Erfahrung, die ihm auf seinem Debüt-Release »Collection One« (Good Complexx) vor allem handwerklich hilft. Das Album ist eine charismatische Breitband-Delivery, die sich chamäleonartig zwischen der gesungenen Sensibilität eines Kid Cudi und den protzigen Good-Life-Ansagen eines Travis Scott ihrer musikalischen Umgebung anpasst: schnurrender Afterhour-R’n’B, epochaler Exzess-Trap, Panorama-Pop. Eigentlich könnte das hier als Instagram-Musik über die drei wichtigsten Seins des amerikanischen Traums (reich, berühmt, begabt) abgewatscht werden, wenn Jhns Performance nur nicht so eindringlich wäre. Denn gerade, wenn nach einer beschwipsten Beutefang-Ode wie »Brilliant Bitch« das astreine Depressions-Drama »Some Nights« folgt, lässt sich der authentische Kern des Albums erfassen: eine fast greifbare Dualität zwischen Realität und Traum, Pop und Rap, Hochs und Tiefs. Und daraus können bekanntlich Weltkarrieren wachsen. Fragt mal bei OutKast nach.

SAINt JHN

Collection One

Release: 30.03.2018

℗ 2018 Godd Complexx/HITCO

»Deutschrap kriegt den Hintern nicht hoch. Also kriegt Deutschrap den Hintern versohlt«: Mit vollmundigem Rotzgören-Swag beweist Antifuchs auf »Stola« (Wolfpack), dass Deutschlands Rapper-Frauen nicht nur verdrehten Art-Trap à la Hayiti oder prolligen Ballermann-Bummtschakk à la SXTN beherrschen. Fast im Alleingang arbeitet sich der Fuchs mit schnörkellosem Geradeaus-Flow durch 17 Themenkomplexe zwischen vetrappten Battle-Brunftschreien, Biografie-Boom-Bap und sensibler Bildsprache, die in der modernen Beat-Umgebung ihres Producers Rooq aus teils Sample-, teils Synthesizer-basierten Elementen vermutlich den zeitgemäßen Ansatz zwischen Tradition (Skills und Silbenzähler-Flows) und Moderne (Swag und Attitüde) liefern. HipHop is still okay.

Antifuchs

Stola

Release: 30.03.2018

℗ 2018 Wolfpack Entertainment

Als »Star Wars«-Darsteller und Schöpfer der Serie »Atlanta« sowie zuletzt mit seiner Prince-Verneigung »Awaken, My Love« hat sich Childish Gambino längst zu einer Autorität im US-Showbiz hochgearbeitet. Mit seiner Surprise-Single »This Is America« (RCA), einem drückenden Roundview-Theaterstück gegen Rassismus und Waffengewalt, zementiert er diesen Status nun final. Der Track ist eine musikalische wie lyrische Parabel auf die Ambivalenz der modernen US-Gesellschaft, deren protzige Ausgelassenheit schnell in Bürgerkriegszustände umschwenken kann, wie Binos sarkastische Rap-Phrasen nahelegen: »I’m so dope like yeah, we gon’ blow like yeah.« Umringt von der aktuellen Rap-Generation aus Quavo, Young Thug, 21 Savage, Blocboy JB, Slim Jxmmi und SZA, ist dieser Jim-Crow-Trap nicht nur ein begrüßenswertes Aufbegehren gegen die rassistischen Teile der US-Bevölkerung, sondern eine stilsichere, eindringliche Kritik am Wahnsinn, der längst Alltag geworden zu sein scheint.

Childish Gambino

This Is America - Single

Release: 06.05.2018

℗ 2018 mcDJ Recording, under license to RCA Records, a division of Sony Music Entertainment

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