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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Mit Şermin Usta

Love Attack #255

Das Groove-Buffet dieser Ausgabe ist üppiger denn je: Gangster- und Oldschool-Rap, Jazz, Soul und sogar Electro, alles eingeleitet von einem rappenden TV-Koch.
Geschrieben am
Wir starten appetitlich mit dem lange gereiften neuen Album von Action Bronson. Wegen seiner Verpflichtungen als TV-Koch und der Veröffentlichung seines ersten Kochbuchs »F*ck, That’s Delicious: An Annotated Guide To Eating Well« hat der Rapper aus Queens eine ganze Weile auf neue Musik warten lassen. »I’ve been making music, man, but TV takes over. If TV’s calling me, I have to pick up the phone. I can’t just put that on hold, cause television is a big thing«, so Bronson über seine aktuellen Prioritäten. Aber was lange reift, wird endlich gut. So wie Mr. Wonderfuls zweites Major-Release »Blue Chips 7000« (Vice), das – wie auch seine Küche – zwischen stilvoller Haute Cuisine und fettigem Fast Food rangiert. Spaß hat man bei diesem Brei aus Killerflow, Stoner-Attitüde und filmischen Oldschool-Beats allemal.

Action Bronson

Blue Chips 7000

Release: 25.08.2017

℗ 2017 Atlantic Recording Corporation for the United States and WEA International Inc. for the world outside of the United States. A Warner Music Group Company

Ganz offensichtlich bekam MC Gels seine musikalische Sozialisation in der Bronx bereits in die Wiege gelegt. Schließlich klingt der Rap des 1997 geborenen Newcomers mehr nach HipHops goldener Ära als deren größte Ikonen selbst. Sowohl seine 2015er-EP »(97) The Golden EP« als auch seine 2016er-LP »Wandering Souls« atmen den rohen Rap-Spirit der Ostküste der 1990er erst ein und dann in dopen Rhymes wieder aus. Sein neuester Streich »Everything’s Bittersweet« (Webster Ave) knüpft gekonnt, jazzig und mit reifen Boom-Bap-Beats an seine musikalischen Wurzeln an.

MC Gels

Everything's Bittersweet

Release: 04.08.2017

℗ 2017 Webster Ave Recordings

Dass Chiraq ein hartes Pflaster ist, wussten wir. Wie bitter es für einen jungen, aufstrebenden Künstler aber tatsächlich ist, erzählt der 24-Jährige Vic Mensa auf seinem Debüt »Autobiography« (Def Jam). In 15 Tracks spart der Chicagoer nichts aus: Von Tiefpunkten seiner Drogensucht bis hin zu seinem gewaltbereiten Umfeld als Jugendlicher redet er sich buchstäblich alles von der Seele – zurückgelehnt und zugleich poppig erzählt. »I read the signs, I was close to overdose like Prince« ist die perfekte erste Zeile für seine Memoiren.

Vic Mensa

The Autobiography

Release: 28.07.2017

℗ 2017 Roc Nation Records, LLC

Nun zu einem Newcomer, der neben seiner Liebe zu Tarantino-Streifen hauptsächlich für die Spice Girls schwärmt. So weit, so sympathisch! Der aus Los Angeles stammende Rapper Aminé serviert auf seinem Debüt »Good For You« (Interscope) 15 Songs aus ganz unterschiedlichen Stilrichtungen. Melodische Vocals, intelligente Lines und sein sonniger Flow lenken um ein Haar von seinem süßen Artwork ab, auf dem Aminé auf einer Toilette sitzend die »Good For You Post« liest: ein eigens publiziertes Blatt des Rappers, das leider nur in ausgewählten Stores in NYC und L.A. zu kaufen ist.

Aminé

Good For You

Release: 28.07.2017

℗ 2017 CLBN LLC, under exclusive license to Republic Records, a division of UMG Recordings, Inc.

Stumpfsinnig, Testosteron-geschwängert und gewaltbereit: So lauten das vernichtende Urteil und gängige Klischees des Feuilletons zu deutschem Gangster Rap. 187 Straßenbande erfüllen auf ihrem neuen, leider wenig einfallsreichen »Sampler 4« (Auf!Keinen!Fall!) schablonenhaft, was der gemeine Spießer von ihnen hält: Champagner, Drogen, Waffen und zwischendurch immer mal etwas Frischfleisch auf die Knie zwingen. Aktuell kann diesen Rap-Stil dennoch niemand besser bedienen und konsumieren als Bonez MC, Gzuz und Co. Ihr Rap legt sich über die Szene wie ein schwarzes Tuch, um es in Bushidos Worten zu sagen. Letzteren wünsche ich mir bei originellen Songs wie »Sitzheizung« regelrecht zurück.

187 Strassenbande

Sampler 4

Release: 18.07.2017

℗ 2017 AUF!KEINEN!FALL! A Division of DAS MASCHINE GmbH

Dieses Debüt spricht im wahrsten Sinne des Wortes für sich: Für Kacy Hill und ihr Album »Like A Woman« (G.O.O.D.) hat Kanye Wests Label G.O.O.D. vollständig auf Promotion verzichtet. Kein Wunder, dass das ehemalige Yeezy-Model lange unter dem Radar flog. Ihr pointierter und basslastiger Sound sowie ihre zarte und zugleich starke Stimme sind eine echte Wohltat für Fans minimalistischer Produktionen (»Keep Me Same«) und süßer Popsongs (»Hard To Love«). Nun ist es Zeit, dass auch der Rest der Welt Hills Talent hört.

Kacy Hill

Like a Woman

Release: 30.06.2017

℗ 2017 Getting Out Our Dreams, Inc./Def Jam Recordings, a division of UMG Recordings, Inc.

Um eine »Late Night Tales«-Compilation kuratieren zu dürfen, muss man es nicht nur lieben, Musik zu machen, sondern auch zu hören. Nun reihen sich BadBadNotGood in die Riege der großen Künstler ein, die bereits einen schlaftrunkenen Sampler für die Reihe zusammenstellen durften. Die vertretenen Acts wie Boards Of Canada, Stereolab, Thundercat oder die Beach Boys haben das kanadische Quartett in besonderem Maße beeinflusst und seine Liebe zur Musik am Leben gehalten.

BADBADNOTGOOD

Late Night Tales: BADBADNOTGOOD

Release: 28.07.2017

℗ 2017 Night Time Stories Ltd.

Im letzten Jahr trafen drei Jazzer in den Lightship 95 Studios in London aufeinander, um eine improvisierte Live-Session aufzunehmen, die von der Radiostation NTS ausgestrahlt wurde. Das Trio bestand aus dem Chicagoer Hieroglyphic Being, Produzent mit Berührungspunkten zu House, Techno und Avant-Jazz, dem britischen Saxofonisten Shabaka Hutchings sowie dem Percussionisten Sarathy Korwar. Nun legt das Ninja-Tune-Sublabel Technicolour eine EP mit vier Tracks der Sessions namens »A.R.E. Project« auf.

Hieroglyphic Being, Sarathy Korwar & Shabaka Hutchings

A.R.E. Project - EP

Release: 04.08.2017

℗ 2017 Technicolour

Liebe, Leidenschaft, Erleuchtung und Glaube sind die Maximen, die den Neuseeländer und Wahlberliner Noah Slee antreiben. Während seine letzte EP zusammen mit dem Berliner Produzenten-Team KitschKrieg entstand, wurde sein aktuelles Debüt »Otherland« (Majestic Casual) von Multiinstrumentalist Ben Esser produziert. Ein tiefgründiges, existenzielles Album, auf dem Slee sein Leben als homosexueller Mann berührend reflektiert.

Noah Slee

Otherland

Release: 25.08.2017

℗ 2017 Wondercore Island under exclusive license to Majestic Casual Records