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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Mit Sermin Usta

Love Attack #245

Die süßesten Trauben des Sommers werden spät gelesen: Love Attack protzt diesen Monat mit Chicagoer Nachwuchs, aufstrebenden Beat-Jünglingen und alten Wegbegleitern.
Geschrieben am
Den Anfang macht eine Stimme, die man nach dem ersten Hören nicht mehr vergisst: Aaron Neville, Mitbegründer der berühmten Neville Brothers, hat in diesem Jahr mehr als einen Grund zum Feiern. Neben seinem 75. Geburtstag steht der Release seines neuen Albums »Apache« (Tell It) an, mit dem der Soul-Master aus New Orleans sich und seinen Fans ein hinreißendes Geschenk macht. Die elf Songs der LP orientieren sich dabei stark an den Anfängen seiner Karriere und dem, was Neville am besten kann: bewegende Balladen schreiben und über das Leben und die Liebe sinnieren. Besonders im Song »Sarah Ann«, einer Liebeserklärung an seine zweite Ehefrau, zeigt der Sänger Gespür für echte Emotionen.

Aaron Neville

Apache

Release: 15.07.2016

℗ 2016 Tell It Productions, LLC d/b/a Tell It Records

Sein 2014er-Debüt »My Krazy Life« gilt schon jetzt als Westküsten-Klassiker. Damals hatte er Drake, Jeezy, Lamar und Schoolboy Q als Albumgäste, nun will sich YG mit »Still Brazy« (Def Jam) erneut in den internationalen HipHop-Annalen verewigen. Das gelingt ihm tatsächlich auch. Die Melange aus einer Prise Größenwahn, vernarbten Schusswunden, politischen Kampfansagen (»Fuck Donald Trump«) und den wummernden Bässen altbekannter Westcoast-Produktionen macht die LP des Compton-Representers zu einer der wichtigsten Erscheinungen des Jahres.

YG

Still Brazy (Deluxe)

Release: 17.06.2016

℗ 2016 Def Jam Recordings, a division of UMG Recordings, Inc.

Der Umzug von Santiago de Chile nach Saarbrücken hat sich für Brous One gelohnt: Dank Retrogott und dessen Entourage wurden hierzulande schnell viele Heads auf seine Beats aufmerksam. Derweil geht die Reise des Beat-Bastlers immer weiter, aktuell hängen seine Gedanken wohl zwischen Washington, Saarbrücken und New York. Denn für sein aktuelles Kollabo-Projekt hat Brous eine warme Ladung Beats zu Künstlern aus dem Redefinition-Umfeld wie El Da Sensei (Artifacts), Sadat X (Brand Nubian), Raw Poetic oder Damu The Fudgemunk über den Teich geschickt. Heraus kam die großartige LP »Consequences« (Redefinition), auf der Damu und Retrogott für die Scratches verantwortlich zeichnen – warme Drums, jazzige Boom-Bap-Beats und das Knacken von Vinyl inklusive.

Brous One

Consequences

Release: 15.07.2016

℗ 2016 VinDig

Sein Stück »Follow« gab noch während seiner Schulzeit den Anstoß. Es folgten »Beat Tape 1« und »Beat Tape 2« und Remixes für Künstler wie Lianne La Havas, Mos Def und Busta Rhymes. Heute gilt Tom Misch als einer der wichtigsten Newcomer der britischen Produzentenszene. Dennoch ist sein neues Werk »Reverie« (Beyond The Groove) das offizielle Debüt des Londoner Singer/Songwriters. Einen modernen HipHop-Stil ergänzt Misch mit Jazz, Soul und akustischem Pop – und das mit Erfolg: Seine Follower-Zahlen steigen stetig, und hoffentlich bald auch die Verkaufszahlen dieser großartigen EP.

Tom Misch

Reverie - EP

Release: 15.07.2016

℗ 2016 Beyond The Groove

Fast zwei Jahre hat Noname alias Noname Gypsy uns hingehalten, jetzt ist es endlich da, die MC-Nachwuchshoffnung aus Chicago ist mit ihrem Full-Length-Debüt auf der Straße. Wunderschöne Beats, unaufgeregte Texte und Raury als einzig bekannter Feature-Gast machen »Telefone« (nonamehiding.com) zu einem kunstvollen Mixtape, dessen Sound nicht nur in Chiraq, sondern im ganzen Land seinesgleichen sucht.

Noname

Telefone

Release: 12.08.2016

℗ 2016 Noname

Er ist ein analoger Boy, der in einer digitalen Welt lebt: Als ich vor ein paar Jahren auf seine Musik stieß, war ich davon überzeugt, mich verliebt zu haben. Niemand klingt wie FloFilz: warm, anonym, zeitlos, professionell und doch so stark nach Untergrund. Ich wünschte mir, seinen Sound konservieren zu können, aus Angst, es könnte nur eine geniale Schaffensphase eines jungen Beat-Produzenten sein, der irgendwann Trap der Klassik und Electro-Beats den Jazz-Samples vorzieht. Heute weiß ich, dass meine Sorgen unberechtigt waren, denn FloFilz ist sich auf seiner neuen LP »Cenário« (Melting Pot) treu geblieben. Er hat zu Ende gebracht, was 2014 mit »Metronom« in Paris begann. Er hat sich aber auch entwickelt, das merkt man mindestens an den beiden Songs mit Sängerin Olivia Wendlandt und den Geigen in »Bairro Alto«, die Flo erstmals selbst eingespielt haben soll.

FloFilz

Cenário

Release: 02.09.2016

℗ 2016 Melting Pot Music

Letzten Winter haben sich Degenhardt & Kamikazes zusammengefunden, um im stillen Kämmerlein etwas Großes auszuhecken. Heraus kam die EP »Krahter« (Vinyl Digital), die an der einen oder anderen Stelle sogar nach TripHop klingt. Kein Wunder, wenn man liest, dass die melancholischen, dunklen Wintermonate die prägendste Phase der Albumproduktion gewesen sein sollen. Aber wenn so etwas dabei herauskommt, muss man der Dunkelheit ausnahmsweise auch mal dankbar sein. Nachdem Degenhardt erst im März sein Album »Terror 22« veröffentlichte, gibt es für seine Fans mit »Krahter« gleich einen Nachschlag – eigenwillig, real und mit genau dem richtigen Maß an Verachtung.

Degenhardt & Kamikazes

Krahter

Release: 12.08.2016

℗ 2016 VinDig

Zurück in Zeiten, in der Boom-Bap-Beats selbstverständlich waren und Samples zum guten Ton zählten. Das ehemalige Massive-Töne-Mitglied Wasi alias Wasilicious alias Duan Wasider einst Meilensteine wie »Kopfnicker« produzierte, hat seine alten Festplatten durchstöbert und einen netten Fundus aus unveröffentlichten 1990er-Beats zusammengestellt. Den veröffentlicht Wasi nun als »Lost Beats« (Vinyl Digital). Das Ergebnis klingt stringent und puristisch, und mehr braucht es für gute Beats ja auch nicht. Das Klangbild, Tempo, und die Arrangements entsprechen dem soundästhetischen Gerüst des guten, alten Stuttgarter 1990er-HipHop.