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The Best Little Secrets Are Kept

Louis XIV

Manchmal passen die Dinge so was von gut zusammen. Als ich im Februar in Los Angeles weilte, wurden die Singles einer Band namens Louis XIV, "God Killed The Queen" und "Finding Out True Love Is Blind", massiv im Radio gefeaturt, begleitend zu einem Supportgig der Band für Hot Hot Heat. Es war so
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Manchmal passen die Dinge so was von gut zusammen. Als ich im Februar in Los Angeles weilte, wurden die Singles einer Band namens Louis XIV, "God Killed The Queen" und "Finding Out True Love Is Blind", massiv im Radio gefeaturt, begleitend zu einem Supportgig der Band für Hot Hot Heat. Es war so was wie ein kleiner, nervöser Hype um ihren New-Disco-Sound - so wird die Musik von Bands wie The Killers oder Franz Ferdinand an der Westküste genannt. Man konnte eigentlich nichts gegen die Stücke von Louis XIV sagen. Sie funktionierten gleich beim ersten Hören, waren catchy. Doch dann endete das erste Stück, und die Band wurde interviewt. Und irgendwie klang alles plötzlich falsch. Das Lachen. Die Witze. Die Stimmen. Die Inhalte. Die Worte an sich. Und neben der Performanz im Sozialen stieß ich mich auch am Bandnamen, der mir doch zu prätentiös überladen, zu sehr dranhängend angelegt an das, was bei Franz Ferdinand noch kokett und nett war, rüberkam. Gut, die Band wurde wohl schon 2003 gegründet, also mittendrin im Post-Strokes-The-Bands-Wahn und kurz bevor der österreichische Thronfolger nochmals zu neuen Ehren kommen sollte - insofern kann es schon sein, dass sie den Namen bereits vorher hatten, da aber länger nichts von ihnen erschien, hätten sie ihn mal besser geändert, denn so wirkt er nicht gerade originell, sondern eher marktaffirmativ für Arme. Immerhin, eingespielt haben sie das Album stringenterweise in Paris. Zwischenpart: mal was Positives zur Abwechslung. Musikalisch ist an "The Best Little Secrets Are Kept" nichts auszusetzen. Im Gegenteil: Das Album macht fast durchgehend extremen Spaß, kickt richtiggehend und hat auch über die bisherigen Singles hinaus kapitale Hits zu bieten. Der Gesang erinnert an Mark E. Smith, die Riffs rotzen angenehm drum herum, sodass man mitgenommen wird. Allerdings will man genau das ziemlich schnell nicht mehr. Und zwar genau ab dem Moment, in dem man nach der ersten Euphorie der Töne auf die Worte hört. Schon lange nicht mehr so viel stumpfen Machoismus zu mir aus Musik sprechen hören, die ich ansonsten geneigt gewesen wäre, öfter zu hören. Aber hier muss man einfach frei nach Jan Delay sagen: Nein, eure scheiß Lieder will ich nicht mehr mögen. So viel Selbstdisziplin muss drin sein, wir haben uns ja nicht umsonst seit der Steinzeit zivilisiert, als dass dieses unendliche Stakkato aus Ich-bin-dein-Daddy-du-siehst-aus-wie-eine-die-ich-haben-will-bang-mich-wie-die-Girls-in-Hongkong-Bullshit ertragen werden könnte - das ist nicht einfach nur peinlich, das ist übelste, abstoßende Penetration und steht, ohne dass ich ihnen das als ironische Brechung zutraue, konträr zum Albumtitel. Passend zu den Texten hat die Band auf das Cover einen Mädchenrücken gesetzt, auf dem die Songtitel stehen. Auf der Rückseite sieht man sie nur nackert. Das Mädchen selbstredend. Und eine Zeit lang konnte man auf der Homepage der Band die nackten Brüste ihrer Fans bewundern, nur mit Vornamen versehen. Mich dünkt, dass Louis XIV, auch wenn sie aus San Diego kommen, eigentlich perfekte L.A.-Poserrocker geworden wären und heute wie Mötley Crüe rumlaufen würden (einzelne Riffs im Sound sowie der Lidschatten und die Haarsträhnchen stützen das neben dem unerträglichen Sexismus), wenn das der Sound der Stunde wär. So sind sie in unser Indie-Milieu geschwemmt worden. Hoffen wir, dass das Wasser bald wieder abläuft - und sie mitnimmt.