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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Cry Against The Faith

LOUIS TILLET

Ein verdienter Mann, ohne Frage. Deswegen tue ich mich schwer, hier einfach mal eben den Stab über sein neues Album zu brechen. Zu eigen war stets TILLETs Liedgut, zu typisch sein Timbre, zu one-of-a-kind sein Pianospiel in immer düster dräuender australischer Rockpoesie, als daß man über die hier a
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Autor: intro.de

Ein verdienter Mann, ohne Frage. Deswegen tue ich mich schwer, hier einfach mal eben den Stab über sein neues Album zu brechen. Zu eigen war stets TILLETs Liedgut, zu typisch sein Timbre, zu one-of-a-kind sein Pianospiel in immer düster dräuender australischer Rockpoesie, als daß man über die hier angesammelte, untypisch unhomogene Melange aus nicht so dollen Songs, nicht nachvollziehbaren Arrangementideen und soundtechnischem Schmus nicht stolpern könnte. Eigenartig, hat doch der Mann bewährte und eingespielte Mitmusiker um sich geschart, die für Solidität stehen: Nick Fisher und Jim Dickson (beide Ex-NEW CHRISTS) und LOUIS' langjähriger Weggefährte Charlie Owen (NEW CHRISTS, BEASTS OF BOURBON, DIVINYLS etc.). Hätte denen nicht auffallen können, in was sich TILLET hier verrennt? "Cry Against The Faith" wurde mit reichlich unpassenden Streichern aus der Tüte zugekleistert und mit nervend hohem Bläseranteil versehen - früher war das stimmig, dezent, soulful, deep. Dies ist eher ein hölzerner, pathetischer Versuch, den großen Wurf im Erwachsenen-Rock zu landen. Nö. Das groovt nicht. Und funktioniert nicht, ist seltsam unentspannt. Wer hat TILLET nur erzählt, daß man im Grunde taugendes Material so zukleistern muß? Geschmackliche Verirrungen noch und nöcher schleichen sich hier ein, und zwar in solch beherrschendem Maße, daß fehlamplatzes Gedöns und Humpatäterä jegliche stilvolle Ingredienz ganz furchtbar konsequent niederwalzen. Einzig das seit Jahrzehnten unkaputtbare "It's Gonna Rain" überragt - eine Tatsache, die tief blicken läßt und lange Schatten wirft. Hoffe und vermute, daß "Cry Against ..." ein einmaliger Fehltritt ist. Hübsche und dramaturgisch interessante Idee übrigens, im Booklet auf Credits zu verzichten und diese lieber als Extra-Titel auf die CD zu packen.