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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Set The Twilight Reeling

Lou Reed

Als LOU REED mit Erscheinen der ‘92er LP 'Magic And Loss' ankündigte, er werde es sein, der mit den nächsten ein, zwei Alben das Drei-Minuten-Format endgültig sprengen werde, war das wohl mehr so eine Art idée fixe. LOU REED hat den Song an sich in den Neunzigern weder essentiell noch formal revolut
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Autor: intro.de

Als LOU REED mit Erscheinen der ‘92er LP 'Magic And Loss' ankündigte, er werde es sein, der mit den nächsten ein, zwei Alben das Drei-Minuten-Format endgültig sprengen werde, war das wohl mehr so eine Art idée fixe. LOU REED hat den Song an sich in den Neunzigern weder essentiell noch formal revolutioniert, sondern ist ihm treu geblieben wie kein anderer. Wie sollte es auch anders sein, schließlich hat der gute LOU seinerzeit mit den VELVET UNDERGROUND ein ästhetisches Konzept erschaffen, das bis heute für zahllose Bands alleinige Gültigkeit besitzt. Die Zeit des großen Konzeptalbums, die '89 mit 'New York' begonnen hat, ist mit 'Set The Twilight Reeling' erst einmal passé. Das Thema, dem der begeisterte 'NYC Man' Zeit seines Schaffens immense Aufmerksamkeit geschenkt hat, bleibt im Prinzip das ewig gleiche: das Leben in der Stadt. Also doch eine Fortsetzung von 'New York', in a way. Mehr denn je scheint es LOU REED auf 'Set The Twilight Reeling' darum zu gehen, das Leben Songs und Geschichten schreiben zu lassen. Er selbst tritt immer mehr hinter den erzählten Episoden aus dem Großstadtdschungel zurück. Und doch: wie immer ein sehr persönliches Album. New Yorker, so erzählt LOU in dem Kinofilm 'Blue In The Face' dann auch sinngemäß, haben die Eigenschaft, von der Urbanität verschluckt zu werden. Sie reden ihr ganzes Leben davon wegzuziehen, tun es aber freilich nicht. So gespalten wie die Bewohner des Areals rund um den Big Apple sind auch die Songs. Mattigkeit, Lethargie und Erschöpfung ist ein bestimmtes topic, ein anderes das Gefühl des Aufgedrehtseins und der Gereiztheit. Entweder man schläft im Stehen ein oder schnappt einfach über. Alles wie gehabt also. Das heißt, nicht ganz. Meister REED gönnt sich überraschenderweise ein paar winzige Hommagen an den musikalischen Zeitgeist. 'NYC Man' kommt mit einem peppigen Dancebeat daher, das Bläserarrangement in dem selbigen Stück ist von beeindruckender Coolness und dabei nicht ohne Soul. Auch 'Sex With Your Parents' flockt für REEDsche Verhältnisse recht ungewohnt. Prägend natürlich hauptsächlich die ostentative Dilettanz, mit der LOU REED mit Gitarre und Stimme gleichermaßen umgeht. Immer wieder phantastisch.