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Es wird persönlich

Lou Barlow

Worauf will man sich bei Lou Barlow eigentlich noch verlassen? Als er zusammen mit Imaad Wassif 2003 zum Interview für das Album der New Folk Implosion bat, erklärte er laut und deutlich: »Sebadoh is finished.« Ein halbes Jahr später tourte er mit Partner Jason Lowenstein ca. drei Wochen als Sebad
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Worauf will man sich bei Lou Barlow eigentlich noch verlassen? Als er zusammen mit Imaad Wassif 2003 zum Interview für das Album der New Folk Implosion bat, erklärte er laut und deutlich: »Sebadoh is finished.« Ein halbes Jahr später tourte er mit Partner Jason Lowenstein ca. drei Wochen als Sebadoh durch die USA. Und was hat er nun als Erklärung zu bieten? »I missed Jason.« Ach so, als ob es so einfach wäre. Aber wer will ihm böse sein, wenn er eine der bedeutendsten Indierockbands der Neunziger wieder aufleben lässt? Für ein solches Konzert im dreistelligen Kilometer-Umkreis von Köln würden ihm einige Leute aus der Intro-Autorengilde die Füße küssen. Nicht dass die Besetzung für das Album der New Folk Implosion, Barlows letzter Band, schlecht gewesen wäre. Was ist eigentlich mit der? »Ich habe die Folk Implosion beendet. Alaska [die andere Band von Gitarrist Imaad und Schlagzeuger Russell Pollard] war ihnen einfach wichtiger. Ich kann das akzeptieren.« Selig ist, wer sich darauf noch verlassen kann. Aber darüber kann an dieser Stelle nur spekuliert werden. Die neue Zeitrechnung beginnt mit ›Emoh‹, und dieses Album wird von verschiedenen, sehr wissenden Stellen als das beste bezeichnet, das Barlow seit langem aufgenommen hat. Darauf angesprochen, berichtet Barlow von ganz ähnlichen Reaktionen in seinem Umfeld. Und auch davon, dass er sich solche Reaktionen erhofft hat: »Ich habe für die letzten Platten viele gute Kritiken bekommen, aber auch ein paar schlechte. Und ich konnte meistens nachvollziehen, was die betreffenden Absender meinten. Ich konnte damit umgehen. Bei ›Emoh‹ ist die Sache aber anders: Ich habe so hart an der Platte gearbeitet, sie ist so persönlich geworden, dass ich mit Kritik nur schlecht umgehen könnte.« Das hat aber nichts damit zu tun, dass die Platte für Barlow, immerhin mal als Lo-Fi-Gott bezeichnet, außergewöhnlich gut produziert ist: »Das hängt ausschließlich mit den heutigen technischen Möglichkeiten zusammen. Hätte ich für manche von meinen Sentridoh-Alben die technischen Möglichkeiten von heute gehabt, wären es vermutlich wahre Masterpieces geworden.« Nichtsdestotrotz muss man einen Teil vom Ruhm für den Barlow’schen Wohlklang auch Mark Nevers, einem der unzähligen Lambchop-Mitglieder, zuschreiben, mit dem Barlow für ein paar Songs in Nashville zusammen arbeitete. Auch wenn Barlow seine Platte als »another bunch of loobie-songs« bezeichnet, zeigt sich seine ungewöhnlich starke Hingabe schon dadurch, dass er erstmals eine Platte unter seinem richtigen Namen veröffentlicht hat. Seine lapidare Erklärung dafür: »Schon meine vorherigen Projekte wurden in erster Linie mit meinem Namen assoziiert. Deshalb schien es mir dieses Mal logisch, ihn auch als offiziellen Künstlertitel zu verwenden.«