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17°

Lotte Ohm

Wie bitte? Uns die Welt erklären? Ein gefährliches Unterfangen, welches Lotte Ohm sich da ausgesucht hat. Gefährlich insofern, da sich schließlich mit Eintritt in die Pubertät niemand mehr erzählen lassen will, wie der Hase läuft. Wer also unaufgefordert Weltsicht und Meinung kundtut, kann leicht ne
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Autor: intro.de

Wie bitte? Uns die Welt erklären? Ein gefährliches Unterfangen, welches Lotte Ohm sich da ausgesucht hat. Gefährlich insofern, da sich schließlich mit Eintritt in die Pubertät niemand mehr erzählen lassen will, wie der Hase läuft. Wer also unaufgefordert Weltsicht und Meinung kundtut, kann leicht nerven. Ein schmaler Grat, auf dem Ohm wandelt. Da kann man schnell zusammen mit den Wolf Maahns im Fegefeuer der Besserwisser landen, vergreift man sich im Ton. Aber von diesem Abstieg ist Lotte Ohm weit entfernt, und das hat zwei zentrale Gründe. Erstens: Beim Vortrag wird stets deutlich, daß der Ohm’sche Standpunkt ein subjektiver ist. Kein Rundumschlag, kein Versuch, angeblich allgemeingültige Mißstände aufzuzeigen - sondern eine Schilderung der Welt durch Ohms a.k.a. Vincent Wilkies Augen. Dem Hörer bietet diese Vortragsart die Möglichkeit, zeitweise den Blickwinkel des Künstlers zu wählen und so zu neuen Einsichten zu finden. Dinge, die einem als unveränderbar erscheinen, verlieren auf diese Weise leicht den Anschein des Gottgegebenen. Und das wiederum ist der Anfang für Veränderung. Zweitens: Die subjektive Repräsentation der Welt funktioniert auch auf der musikalischen Ebene: “Von Rock’n’Roll bis Drum’n’Bass mit Rückfahrkarte” – alles taucht auf im Ohm’schen Pop-Universum, alles leicht verschroben, aber genau dadurch frisch und inspirierend. Fassen wir also zusammen: Will man großartige kontemporäre deutsche Popmusik vorgeführt bekommen, sein Wissen erweitern oder bloß hervorragend unterhalten werden - an dieser Platte führt kein Weg vorbei.