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So war’s in Dortmund: Eine kleine Geschichte des Scheiterns

Listener Live

Listener geben im kleinen Saal des Dortmunder FZWs eine kleine Lektion über das Versagen und wie man damit gefälligst umgehen sollte: offensiv.
Geschrieben am

27.08.2013, Dortmund, FZW

 

Dan Smith ist ein Gescheiterter. Kaum ein Song von Listener handelt nicht direkt oder indirekt von (s)einer gescheiterten Existenz oder wenigstens vom gelebten und genossenen Scheitern. Und das verkörpert die Band aus Arkansas nicht nur in ihrer Musik, sondern auch in ihrem Auftreten auf der Bühne.

 

Dieses Scheitern abzustellen, fällt dem Dreierpack auch auf der Bühne deutlich schwer. Gut, dass sie wenigstens damit umzugehen wissen: Weder umgeschmissene Wasserflaschen (»Do you know water? It’s like two shots of hydrogen and one shot of oxygen!«), verlorene Labellos (»It’s a yellow chapstick, if you’ve seen it, please give it back.«), noch halb zerstörte Instrumente hält die Band davon ab, ihr Ding konsequent durchzuziehen. Was bleibt einem auch übrig? Von dieser »Alles-nicht-so-schlimm«-Haltung zeugt dann auch die programmatische Textzeile »Failure leaves more room for improvement.« aus »5 Years Plan«. Die waren ja schon im real existierenden Sozialismus nicht wirklich von Erfolg gekrönt.



Aus Versagen lässt sich trotzdem etwas Schaffen: Durch die naturgegebene Unfähigkeit zu Singen entwickelte Smith den eigenwilligen, als »Talk Musik« betitelten, Stil. Listener vermengen hierbei erdigen Rock mit Country-Anleihen und vor allem in jeder Hinsicht überbordenden Texten. In diesen ist Scheitern das Hauptthema: Ob nun »I Don’t Want To Live Forever« oder »Good News First To Numb The Pain« oder »It Will Happen The Way It Should« mit Zeilen wie »All that will pass, there’s a way out.« - alle spielen mit einer Resignation gegenüber den Irrungen und Wirrungen des alltäglichen Lebens. Ein Glück, dass man sich mit gewollt stümperhaften Aktionen wie einem Cover von »My Sherona« (»My Corona«) und Free-Jazz Einlagen, die eher an Zirkusmusik erinnern, einen ironisch-erhabenen Standpunkt aufbaut. So entwickelt sich das Konzert auch kurzzeitig zu einer Talent-Show für Drum-Solos und Tanzeinlagen, die an einen Thom Yorke ohne Taktgefühl erinnern – einmal mehr gescheitert, was soll‘s.

 

Vielleicht auch wegen all dieser unvergnüglichen Themen baut sich nicht nur innerhalb der Band, sondern auch von Band zu Publikum eine spürbare Harmonie auf. Auch wenn Smiths Texte live nie ganz zu verfolgen, geschweige denn zu entschlüsseln sind, ist die Band in einer Sache richtig gut: Konzerte zu geben. Zur Abwechslung scheitern Listener daran eindeutig nicht.