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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Selten in Dubstep-Laune

Lily & Madeleine

Madeleine Jurkiewicz und ihre zwei Jahre jüngere Schwester Lily sind gerade mal der Highschool entwachsen, empfehlen sich auf ihrem zweiten Album »Fumes« aber schon für einen Studienabschluss in Sachen Folk. Daniel Koch traf sie zum Interview und fragte sich und sie, warum junge Menschen wie diese beiden ausgerechnet einer so uncoolen Musikrichtung verfallen.
Geschrieben am

Interview:
Daniel Koch

Diese Geschwister-Dynamik fasziniert einen doch immer wieder. Da sitzen also Madeleine (19) und Lily (17) Jurkiewicz aus Indiana, und wo andere Geschwister in diesem Alter die letzten Eifersüchteleien der Jugend ausstreiten, sind Lily und Madeleine seit Jahren gemeinsam auf Tour, schreiben wundervolle Folksongs und ließen sich von Sufjan Stevens für sein Label Asthmatic Kitty signen – all das, natürlich, parallel zu ihren Schulverpflichtungen, die sie mit der einen oder anderen Sonderregelung noch zu Ende brachten. Spannend an dieser Konstellation ist auch die Rollenverteilung: Madeleine, die große Schwester, ist die Aufgekratztere der beiden, die Plappernde, die freundlich Lächelnde, während Lily sich im Gespräch erst zurückhält, um plötzlich Ernstes, Trockenes, Bissiges anzumerken. Ähnlich ist es in ihrer Musik: Was sich in den Songs des selbstbetitelten Debüts schon abzeichnete, wird in »Fumes« nun deutlicher: Madeleine hat die melodienselige Engelsstimme, während Lily die rauen, rockigeren und vor allem düsteren Momente einbringt. 

Aber erst einmal zur Frage, die sicher auch First Aid Kit oft beantworten mussten: Wie kommt man eigentlich dazu, Folkmusik zu spielen, während der Rest der Schule auf, sagen wir, Pitbull abfährt? Lily bringt es gut auf den Punkt: »Folk ist zeitlos und authentisch.« Madeleine ergänzt: »Ja, Folk ist ehrlich, während sich Popmusik manchmal eher wie Schauspielerei gebärdet. Deshalb liebe ich diese Musik. Sie passt zu jeder Stimmung. Es gibt sie von fröhlich bis tieftraurig – und ich bin nun mal selten in Dubstep-Laune.« Angefixt wurden die beiden natürlich von der Plattensammlung der Eltern: »Beatles, Simon & Garfunkel und all diese starken Songwriterinnnen, die unsere Mom immer gehört hat.« Sufjan Stevens sei dann tatsächlich der erste Künstler gewesen, der Folk in ihre junge Lebensrealität überführen konnte. »Deshalb können wir es immer noch nicht glauben, dass er jetzt sozusagen unser Labelboss ist«, lacht Madeleine. 

So richtig angekommen in der Musikwelt sind die beiden nun mit ihrem zweiten Album »Fumes«. Lily vertritt sogar eine recht harte Meinung dazu: »Diese Platte ist für mich der erste Beweis, dass unsere Musik zumindest okay ist. Unser Debüt war mir persönlich viel zu niedlich und zu simpel.« Madeleine atmet hörbar geschockt aus: »Also ich finde, es spiegelt gut wider, wo wir uns zu der Zeit befanden. Ich stehe zu diesen Liedern.« Ein kleines Zurückrudern von Lily: »Ja, das stimmt wohl. Jetzt sind wir eben einen Schritt weiter.« Dennoch stört es Lily, als »niedlich« wahrgenommen zu werden, sei es von Kritikern oder bei ihren Live-Shows: »Wir haben mal ein Konzert in Kalifornien gespielt. Vor uns war eine Frau Ende zwanzig, die auf einem Kinderklavier gespielt hat. Es war gut, aber so unfassbar anbiedernd niedlich. Und dann sagte sie: ›Hey, die beiden, die jetzt kommen, sind soooo süß, ganz wundervoll!‹ Das nervt: Die klimpert eine halbe Stunde auf einem Kinderklavier und redet mit uns, als wären wir die Kids vom Kindergarten.« Nach dem Release von »Fumes« wird ihnen das wohl nicht mehr so schnell passieren. Einfach mal die Augen schließen, das Titelstück oder »The Wolf Is Free« hören, und man hat eher besagte große Songwriterinnen im Kopf, die einst die Mutter von Lily & Madeleine begeisterten.
Lily & Madeleine »Fumes« (Asthmatic Kitty / Cargo / VÖ 24.10.14)
Auf Tour vom 18. bis 20.11.

Lily & Madeleine

Fumes

Release: 28.10.2014

℗ 2014 Asthmatic Kitty Records