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Kolumne: »Berlin« von Christiane Rösinger

Lieder über Städte 1/6

Der Popmusiker Jens Friebe stellt hier monatlich ebenso analytisch wie überspannt und thematisch in praktische Halbdutzendpäckchen gegliedert Lieblingslieder vor.
Geschrieben am

Es waren wunderschöne 25 Jahre, die Christiane Rösinger in Bands (erst den Lassie Singers, dann Britta) verbrachte; wunderschön für uns und sie. Der letzte Schritt schien dennoch zwingend: aus dem Rampenlichthalbschatten zu treten, den eine Band spendet und ganz und gar »die Rösinger« zu werden - sprich das einzige einleuchtende Update der Diva Hier und Jetzt. An die Goldene Ära der Diven erinnert Rösingers Berlinhymne vor allem musikalisch. Die Melodie ist ein echter Prachtgassenhauer im ¾-Takt. Sentimental singt Andreas Spechtl von Ja,Panik mit und betreibt mit seinem zarten wienerisch (für das wir Unbedarften sein Burgenländisch halten müssen) zudem noch atmosphärisches Towntwinning. Der Text ist ein Großstadtpanoptikum von fast romanhafter Totalität.

Ewig Berlintypisches - wie die Geisteskrankheit, die schon im 19. Jahrhundert besungen wurde und hier in Gestalt der »Verrückten«, die in »der U-Bahn wieder laut mit sich selbst reden« auftritt - verbindet sich mit dem Spuk des Zeitgeists ähnlich harmonisch wie Rösinger Satire mit Versglanz: »Wenn die Parkausflügler dann die Schwäne füttern / und die Allerblödsten es gleich weiter twittern / Wenn wir zum Vorglühen durch die Spätis ziehen / Ja, dann sind wir alle in Berlin«. Die Härte einiger Zeilen wie etwa »Wenn die Ökoeltern sich zum Brunchen treffen / Und die Arschlockkinder durch die Cafés kläffen« haben vereinzelt zu dem Missverständnis geführt, es handele sich insgesamt um ein Hasslied. Wer mit Werk und Wesen der Rösinger vertraut ist, erkennt dagegen leicht ihre ureigene, sehr raue Spielart tiefer Herzlichkeit.