×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Liebe aus Gitarrensaiten

Jim Adkins live in Essen

Der Frontmann von Jimmy Eat World beweist, dass Emo und College Rock der 1990er immer noch salonfähig sind – besonders im Akustikformat in der Alten Kirche.
Geschrieben am
26.08.2015, Essen, Alte Kirche

Nachdem die Songwriter-Newcomer Jonah aus Berlin mit ihren Hit »All We Are« endlich das Vorprogramm abgeschlossen haben, lässt der höfliche Jim Adkins nicht lange auf sich warten. Jimmy Eat World sind schließlich auch stets pünktlich auf der Bühne. Die letzten Alben der Emo/Alternative-Helden aus Arizona sind zwar sauber-solide, aber keine Glanzleistungen mehr gewesen. Umso schöner, dass Adkins offenbar beschlossen hat, eben diese ein bisschen zu ignorieren: Er setzt in der Alten Kirche auf die frühen Songs seiner Band.
 
Jimmy Eat World waren immer sehr unprätentiös, Jim bekräftigt diesen Eindruck mit seinem Jungvater-Outfit mit schwarzem Hemd und etwas uncoolem Haarschnitt. Das Publikum setzt sich auch eher aus Endzwanzigern zusammen und ist dementsprechend erfreut über die handverlesene Auswahl an JEW-Perlen, die Adkins fast ohne Pause vorträgt. Immer wieder möchte man gerade drauflosklatschen, da schlägt er schon schweißgebadet die Akkorde vom nächsten Song an. Abseits davon zaubert Adkins ein paar Cover und Eigenkompositionen wie »Love Don’t Wait« oder »I Will Go« aufs Parkett. Besonders schön ist die markerschütternde Version von Daniel Johnstons »True Love Will Find You In The End«.

Manch Besucher dürfte erwartet haben, dass Adkins ohne seine Band einfach ein paar Songs runterspielt und dann wieder verschwindet. Weit gefehlt: in seiner Performance liegt mindestens genau so viel Herzblut wie in den ersten drei Alben von Jimmy Eat World zusammen. Das meist vertretene Album ist »Clarity« von 1999, mit »Ten« und »Lucky Denver Mint« wohl das Beste, was die Band je hervorgebracht hat. Von »Bleed American« hingegen gibt’s nur »The Authority Song«, vergeblich wartet man auf »Sweetness« oder den bekanntesten Hit »The Middle«. Den hat Jim Adkins aber kaum nötig, wo er doch so intensiv und liebevoll seine Gitarre bearbeitet. Die Zuhörerschaft ist dermaßen andächtig und verzaubert, dass Adkins sich mehrmals fragt, ob er alleine in der Kirche sei, oder ob er einfach das höflichste Publikum aller Zeiten vor sich habe: »Is this just me and a wall of sound?«
 
Zum ersten Mal veranstaltet der Essener Club Zeche Carl ein Konzert in der Alten Kirche – ein äußerst geglücktes Experiment, das mit einem sorgsam zusammengestellten Wein- und Schokoladenangebot charmant abgerundet wird. Selten zuvor hat man so lange ausdauernden Beifall erlebt, trotzdem gibt es keine Zugabe von Jim Adkins. Das ist durchaus ein Wermutstropfen, der angesichts eines Konzert mit 25 Solo-Songs aber zu verschmerzen ist. 

Setlist
1. Love Don’t Wait 
2. Just Watch The Fireworks
3. Chase This Light
4. For Me This Is Heaven
5. Always Be
6. Hell 
7. True Love Will Find You In The End (Daniel Johnston Cover)
8. Lucky Denver Mint
9. Get Right
10. A Sunday
11. Please Say No
12. Girls Just Want To Have Fun (Cyndi Lauper Cover)
13. I Will Go 
14. Damage
15. Make The World Go Away (Ray Price / Eddy Arnold Cover)
16. Ten
17. Polaris
18. Integrity Blues 
19. Kill
20. Give Me A Sweetheart (The Everly Brothers Cover)
21. You Were Good
22. Beautiful Is
23. Big Casino
24. The Authority Song
25. Work

Jim Adkins

I Will Go - EP

Release: 14.08.2015

℗ 2015 Exotic Location Recordings, under exclusive license to RCA Records