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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

»Jardin Du Bœuf«

Les Trucs

Hier zockt die performative Avantgarde auf ihrer C64-Konsole: Toben Piel und Charlotte Simon dekonstruieren die Mensch-Maschine, um das Mensch-Maschine-Kollektiv zu proklamieren!

Geschrieben am

Fuck off Karlheinz Stockhausen, es lebe Deus Deceptor! Aus 8-Bit-Improvisationen, Fleisch, Draht und Hedonismus erschaffen Les Trucs einen Unhold, der durch seine atemberaubende, androgyne Schönheit verzaubert. Herkömmliche Hörgewohnheiten werden mittels einer herrlich abnormen Installation aus New-Wave-Melancholie, pushendem Taktschlag und geradezu aufrührerischen Vocals geohrfeigt. Kein gewollt lautstarker Electropunk, sondern dezidiert tanzbare Improvisation. Very catchy. Zwischen Perfektion und Dilettantismus, zwischen Galerie und Bahnhofsviertel tingelt dieser Unhold durch die Frankfurter Subkultur. Im Kopf stets ein nächster Kniff. Er ist eine Chimäre aus Kunsthochschule und White Trash.

Konsumtive Sättigung trifft auf retrograden Minimalismus, der Zwiespalt von schön und hässlich, gut und schlecht, einfach und schwierig wird aufgelöst. So sind Les Trucs ein nur schwer zu beschreibendes, weil einzigartiges Ding. Eigentlich und ziemlich sicher ein namensloses Etwas, das sich allein durch Wort und Ton zu verstehen gibt, darin aber unmissverständlich. Die detaillierte Szenerie aus Rabatz, Terminus und Darbietung wird mit gleichgültiger, lautstarker Wollust niedergewalzt. »Jardin Du Bœuf« ist ein nihilistischer Abgesang auf das Anthropozän. Und dieser kunstvolle Griff in die Trickkiste zeitgenössischer elektronischer Tanzmusik gelingt vorzüglich.

Les Trucs

Jardin du Boeuf

Release: 04.05.2018

℗ 2018 Zeitstrafe